Lufttaxis am Flugplatz Stadtlohn-Vreden? Ein paar offene Fragen gibt es da noch... © Karikatur: Schwarze-Blanke
Hauptausschuss

Schauantrag oder gute Idee? Flugtaxis sollen für Stadtlohn geprüft werden

Bis das erste Flugtaxi startet, dauert es noch mehrere Jahre. Doch der Hauptausschuss möchte die Idee für Stadtlohn prüfen lassen. Das brachte Reinhold Dapper auf die Palme.

Bekommt Stadtlohn seine Flugtaxi-Anbindung? Auch wenn viele Planungen noch sehr vage sind und der Erfolg des Start-up-Unternehmens Lilium noch unklar ist, möchten die Politiker im Hauptausschuss die Idee prüfen lassen. Doch für die Idee gab es auch herbe Kritik.

Die Idee sei nicht an einen Anbieter gebunden und solle auch nur ein erster Vorstoß sein, erklärte Marion Ballenthin (CDU) den Antrag ihrer Fraktion. Sie sehe darin eine Chance für den ländlichen Raum. „Wir wissen ja nicht, wie sich die Technik entwickelt, aber sollte es funktionieren, könnten attraktive Regional-Verbindungen geschaffen werden“, sagte sie. Das würde Stadtlohn, den Kreis Borken und das ganze Westmünsterland stärken.

Martin Kömmelt (UWG) hielt das für eine sehr gute Idee. Allerdings könne so eine Ansiedlung ja nicht durch die Verwaltung veranlasst werden. „Das muss die Flugplatzgesellschaft tun“, erklärte er.

So sieht der aktuelle Prototyp der Firma Lilium aus. Serienreif ist er noch nicht. Bis 2025 soll ein Lufttaxi-Netz in Betrieb gehen. Ob der Flugplatz Stadtlohn-Vreden in ein Netz aufgenommen werden kann, soll jetzt geprüft werden.
So sieht der aktuelle Prototyp der Firma Lilium aus. Serienreif ist er noch nicht. Bis 2025 soll ein Lufttaxi-Netz in Betrieb gehen. Ob der Flugplatz Stadtlohn-Vreden in ein Netz aufgenommen werden kann, soll jetzt geprüft werden. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Auch Richard Henrichs (Grüne) machte deutlich, dass erst einmal natürlich jeder Kunde am Flugplatz Stadtlohn-Vreden willkommen sei. „Wenn wir das an eine Förderung koppeln, hätte ich damit aber ein Problem“, sagte er. Schließlich werde ein Lufttaxi ja kaum ein nennenswerter Teil des Öffentlichen Nahverkehrs werden.

Reinhold Dapper bezeichnet Idee als reinen Schauantrag

Deutlich härter ging Reinhold Dapper (SPD) mit den Planungen ins Gericht: „Ein reiner Schauantrag“, schimpfte er. Weder seien die Flieger serienreif, noch sei deren Erfolg abzusehen: „Bisher haben sich die Prototypen 40 Sekunden in der Luft gehalten. Ohne Beladung“, erklärte er. Außerdem sei die Reichweite sehr gering und die Maschinen würden enormen Lärm verursachen. Doch selbst wenn die Flieger Erfolg haben würden, sei Stadtlohn wohl kaum der richtige Ort dafür: „Nicht einmal Regionalflughäfen sind in der Auswahl“, sagte er.

Marion Ballenthin verteidigte die Idee dennoch: Der genannte Anbieter sei ja nur ein exemplarisches Beispiel. Auch werde das Unternehmen den Flugplatz Stadtlohn-Vreden ja kaum auf dem Schirm haben. „Wir wollen nur die Idee über die Verwaltung auf den Weg bringen“, erklärte sie. Mindestens solle man die Planungen einmal beleuchten.

Auch Angelika Kessels (FDP) machte deutlich, dass die Verwaltung das nicht prüfen könne. Sie könne aber mit der Flugplatzgesellschaft einen Fokus setzen.

Mit Gegenstimmen von Reinhold Dapper und Richard Henrichs entschied sich der Hauptausschuss dafür, dass die Verwaltung Gespräche mit der Flugplatzgesellschaft führen soll. Die Einbindung des Flugplatzes in ein Flugtaxi-Netz soll zumindest geprüft werden.

Flugplatz-Geschäftsführer wird von Initiative überrascht

Norbert Hetkamp, Geschäftsführer des Flugplatzes Stadtlohn-Vreden, ist am Donnerstag komplett überrascht von der Idee. Persönlich habe ihn niemand auf das Thema angesprochen. Er habe lediglich über die Berichte unserer Redaktion davon erfahren, dass ein Lufttaxi-Dienst für Stadtlohn geprüft werden solle. Natürlich habe er davon gehört, dass es verschiedene Anbieter gebe, die beispielsweise an den Flughäfen Düsseldorf und Köln-Bonn so ein Angebot etablieren wollen. Auch dort gebe es aber noch keine konkreten Planungen.

Insgesamt sei ein Lufttaxi-Netz noch ferne Zukunftsmusik. „Aus heutiger Sicht ist der Radius dieser Anbieter noch stark begrenzt“, sagt er. Schon deswegen sei ein Erfolg fragwürdig. Falls das System funktionieren würde, könnte es Sinn ergeben. Ein doppelter Konjunktiv. Und noch ein dritter Punkt lässt ihn zweifeln: Auch die Preisfrage sei ja noch völlig offen. „Wenn die Stadt Stadtlohn als Gesellschafter an uns herantritt, dann prüfen wir das natürlich“, sagt er. Eine Einschätzung über den Erfolg mochte er allerdings noch nicht abgeben.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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