Schneechaos sorgt dafür, dass 10-KV-Freileitungen bald Geschichte sind

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Alle Mittelspannungs-Freileitungen der SVS in Stadtlohn, Südlohn und Vreden sind bald durch Erdleitungen ersetzt: Die sind weniger störanfällig. Auslöser für die Umrüstung: das Schneechaos.

Stadtlohn, Südlohn, Vreden

, 31.10.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

SVS-Geschäftsführer Thomas Spieß bezeichnet es am Freitagvormittag beim Vor-Ort-Termin als „Meilenstein“: In Stadtlohn-Estern, in der Nähe der Klinkerwerke Iking, stehen noch 400 Meter der 10-KV-Freileitung. In 14 Tagen nicht mehr: Dann sind alle Mittelspannungs-Freileitungen der SVS in Stadtlohn, Südlohn und Vreden Geschichte. Dann liegen die Kabel unter der Erde. Sicherer und weniger störanfällig als in der Luft schwebend – auch bei Unwettern.

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Matschige Schneemassen drückten im November 2005 so manchen Strommasten, so manche Kabelleitung nieder. Nach dem Schneechaos stand beim lokalen Versorger SVS fest: Die Leitungen gehören besser unter die Erde, um jederzeit mehr Versorgungssicherheit gewährleisten zu können.

Rechts im Bild die letzte 10KV-Freileitung in Estern – die Gittermasten links im Bild gehören zur Starkstromleitung von Amprion und bleiben stehen.

Rechts im Bild die letzte 10KV-Freileitung in Estern – die Gittermasten links im Bild gehören zur Starkstromleitung von Amprion und bleiben stehen. © Anne Winter-Weckenbrock

Der damalige Geschäftsführer Alfred Kramer trieb den Ausbau der Erdleitungen voran. Es wurde seitdem nicht mehr instandgesetzt, sondern erneuert, betont sein Nachfolger Thomas Spieß 15 Jahre später. Und das auf der Strecke von über 1000 Kilometern, die die Mittel- und Niederspannungsleitungen in Stadtlohn, Vreden und Südlohn hatten.

10-KV-Freileitungen sind bald Geschichte

„Allein in den letzten drei Jahren wurden rund 24 Kilometer Mittelspannungs- und rund 30 Kilometer Niederspannungsfreileitung zurückgebaut und durch Erdleitung ersetzt“, bilanziert der Geschäftsführer nicht ohne Stolz aufs Tempo. Die letzten Arbeiten für die Verlegung laufen jetzt, um dann in ungefähr 14 Tagen die Holzmasten und Kabel aus Estern abbauen und verschrotten zu können.

Einige solcher Holzmasten der Mittelspannungsleitungen haben im Jahr 2005 den Schneemassen nicht standgehalten. Deswegen beschloss die SVS, für mehr Versorgungssicherheit die Kabel nach und nach unter die Erde zu legen.

Einige solcher Holzmasten der Mittelspannungsleitungen haben im Jahr 2005 den Schneemassen nicht standgehalten. Deswegen beschloss die SVS, für mehr Versorgungssicherheit die Kabel nach und nach unter die Erde zu legen. © Anne Winter-Weckenbrock

An die Stelle der Masten treten Kompaktstationen. Seit 2008 seien im Zuge der Verkabelung rund 90 neue Kompaktstationen gestellt worden, mit Übergangsstationen zu Westenergy. Diese werden einmal im Jahr angefahren, kontrolliert und gewartet, wie Stefan Emming von den SVS erklärt. Alle Arbeiten, die mit Freileitungen zu tun hatten, wie die Ausästelungen bei Bäumen in der Nähe von Leitungen, sind entfallen.

Stefan Emming weist auf einen weiteren Vorteil hin: Durch die Erdleitungen werde auch die Spannungsqualität verbessert. Gleichzeitig sei die Einspeisekapazität von regenerativer Stromerzeugung erhöht worden, weil die Leitungsquerschnitte mehr als verdoppelt worden seien.

Durch ein solches Rohr, für das der Erdbohrer zuvor Platz geschaffen hat im Erdreich, wird das Kabel gezogen.

Durch ein solches Rohr, für das der Erdbohrer zuvor Platz geschaffen hat im Erdreich, wird das Kabel gezogen. © Anne Winter-Weckenbrock

Das ist vor dem Hintergrund wichtig, dass 70 Prozent der Energie im SVS-Netz vor Ort erzeugt wird. Regenerativ. Auch ein Wert, auf den Thomas Spieß stolz ist: „Das ist eine ganz gute Quote im Vergleich.“ Knapp 3800 Anlagen, die regenerative Energien erzeugen, speisen ein. Seit 2008 sind dafür allein 58 Stationen in Betrieb genommen worden.

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Nur 30 Prozent der Energie, die die SVS über ihre Leitungen in Haushalte und Unternehmen schickt, sind zugekauft. Stefan Emming macht es noch einmal sehr deutlich: So bleibe zu Beispiel die in Stadtlohn erzeugte Solarenergie auch physikalisch vor Ort. Und wird nun vermehrt durch Erdleitungen verteilt. Rund 20 Kilometer Niederspannungsfreileitung hat die SVS noch, die aber kontinuierlich auch „verkabelt“ werden sollen.

Hier wird das Stromkabel durch das Rohr als Leitung unter die Erde gezogen.

Hier wird das Stromkabel durch das Rohr als Leitung unter die Erde gezogen. © SVS

Die Gesamtsumme hat die SVS nicht für das Erdleitungsprojekt errechnet. Aber: Pro Meter Ersatz für die Mittelspannungsfreileitung sei mit knapp 45 Euro, für die Niederspannungsleitung mit knapp 27 Euro zu rechnen. Pro Kompaktstation kommen noch einmal 17.500 Euro dazu.

Bei den Erdleitungen ist es so, dass nicht die „Luftlinie“ der Freileitung genommen wurde, die SVS nutzte Synergieeffekte mit dem Breitbandausbau und so wurden die Trassen für die Erdleitungen eher länger.

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