Als eine von mehreren Arbeitsgruppen widmeten sich Justin Hoves, Theres Tenostendarp, Julian Nowicki, Sofie Albers und Julian Weidemann (v.l.) gemeinsam mit Menschen mit Behinderung einem sportlichen Projekt. © Markus Gehring
Inklusives Schulprojekt

Schüler starten Sportprojekt für und mit Menschen mit Behinderung

Aufgrund der Einschränkungen durch die Covid19-Pandemie wurden angehende Heilerziehungspfleger kreativ: Sie kreierten einen „Fitness Adventskalender“ – für und mit Menschen mit Behinderung.

Die Corona-Krise ist auch für all diejenigen jungen Menschen eine besondere Herausforderung, die sich derzeit in schulischer oder beruflicher Ausbildung befinden. Die Rahmenbedingungen sind andere, vieles lässt sich nicht wie gewohnt umsetzen. Theorie ist noch weniger gleich Praxis als sonst.

Eine Arbeitsgruppe von fünf angehenden Heilerziehungspflegern am Berufskolleg Lise Meitner ist in der Krise kreativ geworden: Gemeinsam mit fünf Menschen mit Behinderung haben die Schüler passend zur Zeit einen „Fitness Adventskalender“ entwickelt.

Unter dem Titel „Merry Fitness“ werden nun bis Heiligabend täglich Fitnessübungen über eine App zu Hause absolviert – alles mit dem Ziel, „gemeinsam auch in der Corona-Pandemie fit zu bleiben“, erklärt Julian Nowicki, einer der Schüler.

Kooperation mit Werkstatt für Menschen mit Behinderungen

Die Idee wurde gemeinsam entwickelt. „Wir befinden uns gerade in der Oberstufe unserer schulischen Ausbildung zum Heilerziehungspfleger. Zu unserem Aufgabenbereich gehört es, ein Projekt für und mit Menschen mit Behinderung zu planen und durchzuführen“, berichtet Nowicki. Entschieden habe man sich für den Themenbereich Bewegung. Durch eine Kooperation mit der Büngern-Technik, einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen in Rhede/Bocholt, habe man Unterstützung von Menschen mit Behinderung erhalten, um dieses gemeinsame Projekt auf die Beine zu stellen.

Die Umsetzung wurde durch die aktuellen Einschränkungen im Teil-Lockdown zu einer besonderen Herausforderung. „Wir konnten die sportlichen Aktivitäten natürlich nicht im Gruppenverband durchführen, einen persönlichen Kontakt konnte es nicht geben“, so Nowicki – andere Wege mussten entdeckt werden.

Schnell war das Projekt „Merry Fitness“ geboren. „Wir haben die Kommunikation einfach auf die sozialen Medien umgestellt“, so Nowicki. Über eine spezielle Internetseite erstellte die Gruppe gemeinsam einen „Fitness Adventskalender“, entstanden sind 24 Videos mit individuellen Übungen. „Joggen, Springen, Treppe rückwärts steigen: Die Übungen nehmen nicht viel Zeit in Anspruch und lassen sich von jedem einfach meistern“, erklärt Nowicki. Auch die Lehrer hätten etwas hinzugesteuert. „Fehler, Patzer und Pannen“ seien hierbei natürlich auch erlaubt gewesen, da alle Teilnehmer „Spaß an der gemeinsamen Arbeit“ haben sollten.

Hinter jedem Türchen in der App befindet sich bis Heiligabend nun eine sportliche Überraschung.
Hinter jedem Türchen in der App befindet sich bis Heiligabend nun eine sportliche Überraschung. © Markus Gehring © Markus Gehring

Zum Projekt zählt es auch, dass jedes Mitglied der Gruppe die Übungen nun eigenständig an jedem der 24 Tage durchführt. „Alles auf freiwilliger Basis”, wie Julian Nowicki betont.

An 24 Tagen wird gemeinsam Sport getrieben

„Unsere Erfahrungen teilen wir dann im Anschluss in einer gemeinsamen Online-Gruppe“, berichtet Julian Nowicki. Und der Adventskalender funktioniere sehr gut. „Er schenkt den Menschen mit Behinderung und uns jeden Tag das Gefühl, etwas geschafft zu haben“, sagt Nowicki. Man bleibe nicht nur fit, sondern stärke auch Selbstvertrauen und Gemeinschaftsgefühl.

„Und es motiviert nicht zuletzt“, betont der Auszubildende – auch für die berufliche Zukunft: „Als künftige Heilerziehungspfleger wird es unsere Aufgabe sein, die Bedürfnisse und Ressourcen von Menschen mit Menschen mit Behinderung zu erkennen und ihnen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.“ Dafür sei das Projekt wie geschaffen.

Jeden Tag freuen sich die Teilnehmer nun darauf, welche Überraschung hinter dem nächsten Türchen steckt und von wem diese präsentiert wird. Und diese Vorfreude wird noch bis Heiligabend anhalten. Julian Nowicki hofft, dass sich aus dem Projekt eine gewisse Nachhaltigkeit entwickelt: „Man kann die Serie ja stetig fortsetzen.” Auch das lässt sich mit auf die Agenda für die Abschlusspräsentation nehmen. Im Sommer endet für die Teilnehmer die schulische Ausbildung, es folgt das Anerkennungsjahr.

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