Dieser 1,5 Tonnen schwere Mühlstein wurde vermutlich in der Nacht zum Freitag an der Eschstraße entwendet. © privat
Diebstahl

„Schwerer“ Diebstahl in Stadtlohn: 1,5 Tonnen schwerer Mühlstein verschwunden

Polizei und Eigentümer Matthias Rütter stehen vor einem Rätsel: Wie haben die Diebe nur den tonnenschweren Mühlstein mitgehen lassen? Der Verlust wiegt schwer. Er trifft die Familiengeschichte.

Ein „schwerer“ Diebstahl beschäftigt die Polizei in Stadtlohn. Unbekannte haben vermutlich in der Nacht zum Freitag an der Eschstraße einen Mühlstein gestohlen. Zuletzt gesehen wurde er am Donnerstag um 13 Uhr vor dem Haus der Familie Rütter. Dort lehnte er an einer Scheunenwand. Am Freitag um 11 Uhr wurde sein Verschwinden bemerkt.

„Das Gewicht hätte auch vier Männer überfordert“

„Wir stehen noch vor einem Rätsel“, sagt Polizeisprecher Dietmar Brüning. Schließlich wiegt der 1,40 Meter messende Mühlstein aus Granit mindestens 1,5 Tonnen. „Das Gewicht hätte wohl auch vier Männer überfordert. Wir wissen noch nicht, ob und welche technischen Hilfsmittel eingesetzt wurden“, so Dietmar Brüning. Dass er fortgerollt wurde, sei unwahrscheinlich.

Für Matthias Rütter wiegt der Verlust schwer. Aber er lässt sich weder in Kilogramm noch in Tonnen bemessen oder in Euro-Werten beziffern. Denn der Mühlstein ist auch ein rundes Stück Familiengeschichte aus Granit.

Letter Mühle seit über 120 Jahren im Familienbesitz

„Mein Vater war Müller“, sagt Matthias Rütter. Der Mühlstein stammt aus der heute unter Denkmalschutz stehenden Letter Windmühle, die im Jahre 1813 errichtet wurde. Seit 1842 wurde diese Windmühle von der Familie Rütter betrieben, zunächst in Pacht und ab 1891 im Eigentum. Noch heute befindet sich die Windmühle im Besitz der Familie Rütter.

Der Mühlstein der Familie Rütter stammt aus der über 200 Jahre alten Windmühle in Lette, in der Matthias Rütters Vater bis 1956 als Müller gearbeitet hatte.
Der Mühlstein der Familie Rütter stammt aus der über 200 Jahre alten Windmühle in Lette, in der Matthias Rütters Vater bis 1956 als Müller gearbeitet hatte. © Heimatverein Lette © Heimatverein Lette

Hubert Rütter, Vater von Matthias Rütter, entstammt der Müllerdynastie und mahlte bis in die 1950er-Jahre in der Letter Mühle Korn. 1956 machte er sich als Müller in Stadtlohn selbstständig. Rütters Mühle an der Eschstraße in Stadtlohn mahlte aber nicht wie die Letter Mühle mit Windkraft oder wie die Berkelmühle mit Wasserkraft, sondern mit der Kraft eines Elektromotors.

Noch im Ruhestand die historische Mühle in Lette gewartet

Über 30 Jahre arbeitete Hubert Rütter als Müller in Stadtlohn, bevor er sich gegen Ende der 1980er-Jahre zur Ruhe setzte. Leidenschaftlicher Müller blieb er dennoch: Viel Kraft und Liebe zum Müllerhandwerk steckte er auch als Ruheständler in die historische Mahltechnik der Letter Mühle, deren Eigentümer er bis zu seinem Tode vor einigen Jahren zusammen mit seinem Bruder war.

Einen Mühlstein aus der Mühle hatte Hubert Rütter als Andenken mit nach Stadtlohn genommen. Dieser Mühlstein, der für die Familie Rütter viel mehr als nur eine Dekoration war, wurde jetzt gestohlen. „Ich verstehe das nicht“, sagt Matthias Rütter. „Das habe ich nie für möglich gehalten, dass Diebe den Stein mal mitnehmen könnten. Ich kann doch einen Mühlstein nicht anbinden.“

Polizei sucht Zeugen

Matthias Rütter, dem heute die Letter Mühle zusammen mit seiner Zwillingsschwester und seinem Cousin gehört, ist übrigens nicht Müller geworden. Seine Leidenschaft galt nicht dem Mehl, sondern der Milch, und zwar in gefrorener Form. Zusammen mit seiner Frau Aurora Perenzin betreibt er die Eisdiele Arcobaleno an der Mühlenstraße. „Auch beim Aufbau der Eisdiele hat uns mein Vater in den achtziger Jahren mit aller Kraft unterstützt“, sagt Matthias Rütter.

Dass er den Stein noch einmal wiedersehen wird, daran mag Matthias Rütter nicht so recht glauben. „Den hat sich jemand unter den Nagel gerissen. Der ist wohl für immer weg.“ Die Polizei gibt die Hoffnung noch nicht auf. Sie hofft mit Hilfe von Zeugen auf Aufklärung. Wer am Donnerstag an der Eschstraße in Höhe des K+K-Marktes Verdächtiges beobachtet hat, der möge sich an die Kripo in Ahaus, Tel. (02561) 9260 wenden.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Vor Ort und nah dran für den Leser, hört gerne auch die andere Seite
Zur Autorenseite
Stefan Grothues

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.