Drogenschmuggler überschritt Grenze zu Fuß, weil er betrunken war

mlzGerichtsprozess

In einer Zeit, in der für ihn vieles zusammenbrach, machte sich ein Stadtlohner wegen eines skurrilen Drogendelikts strafbar. Mit 125 Gramm Marihuana überschritt er betrunken die Grenze.

Stadtlohn

, 26.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Da passt einiges nicht zusammen.“ Mehrmals wiederholte der zuständige Richter diesen Satz während einer Verhandlung vor dem Schöffengericht im Amtsgericht Ahaus. Zu verhandeln war ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz – und der Angeklagte kam am Ende mit einer Bewährungsstrafe davon.

Angeklagt war ein 25-jähriger Stadtlohner des unerlaubten Einführens von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge aus den Niederlanden. Dessen Darstellung der Tat im April 2019 ließ den Richter zum ersten Mal zum Schluss kommen, dass „da irgendetwas nicht zusammenpasst“.

Kontrolle nach Grenzübertritt

Mit dem Fahrrad hatte der 25-Jährige vor gut einem Jahr die Grenze am Übergang Gaxel in Vreden überschritten. In Winterswijk habe er sich mit nachweislich 125 Gramm Marihuana (knapp 26 Gramm THC) versorgt, sei dann mit seiner Ex-Freundin, die mittlerweile einen Freund in Winterswijk habe und mit der er sich verabredet hatte, zurück zur Grenze gelaufen.

Hinter der Grenze seien beide dann in ein Fahrzeug eines Bekannten gestiegen und wurden kurz darauf angehalten. Das Fahrrad habe der Angeklagte in Winterswijk stehengelassen. „Ich war arg betrunken“, erklärte der Stadtlohner die ungewöhnliche Abwicklung.

Betrunken, aber zurechnungsfähig

Bei der Überprüfung war genannte Menge Marihuana gesichert worden, der 25-Jährige sei auch „noch zurechnungsfähig gewesen“ und habe den Erwerb der Drogen, der ihn rund 700 Euro kostete, sofort zugegeben. Aktuell lebe er von BAFöG, müsse davon auch noch Miete zahlen.

„Da passt doch auch was nicht zusammen“, fragte der Richter ihn mit Blick auf die Summe von 700 Euro noch einmal. Das Geld habe er sich von seiner Mutter geliehen, um eigentlich Miete und Strom zu bezahlen. Der Grund für diese Tat? „Es ist in dieser Zeit alles zusammengekommen. Meine Eltern haben sich getrennt, meine Freundin hat Schluss gemacht.“ Er habe mit der gekauften Menge „einfach mal einen Monat lang zumachen“ wollen. Seit dieser Zeit habe er zwar regelmäßig gekifft, aber nicht mehr so viel wie noch mit 18.

Angeklagter wollte schon länger aufhören

Eigentlich habe er schon lange aufhören wollen. Und das schaffe er bestimmt auch alleine ohne fachliche Unterstützung. Auch das passe wenig zusammen, erklärte der Richter noch einmal: „Dann hätten Sie spätestens nach der Tat doch ein Jahr Zeit gehabt, aufzuhören.“ Dass es nun „eile, etwas zu tun“, das machte er diesem mehr als deutlich.

Letztlich sicherte der Angeklagte zu, als Auflage zumindest eine ambulante Drogentherapie aufzunehmen. Mit Blick auf die Sozialprognose legte der Richter in der Folge vier Registereinträge seit 2018, die gänzlich zu Geldstrafen geführt hatten, offen. Aktuell arbeite der Stadtlohner nach abgeschlossener Lehre auf dem zweiten Bildungsweg am Abitur. „Auch das passt nicht zusammen, Sie sind doch eigentlich auf einem guten Weg“, so der Richter.

Richter folgt der Staatsanwaltschaft

Die Staatsanwaltschaft forderte sieben Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung, ein Therapiebedarf sei „dringend angezeigt“: „Passen Sie auf, dass sie den Anschluss nicht verlieren.“ Es sei „Zeit für eine Notbremse“, 100 Sozialstunden seien ebenso angebracht.

Der Verteidiger berief sich auf den „eigentlich geradlinigen Weg“ des Mandanten, er habe in den vergangenen zwei Jahren eine „schwierige Zeit durchgemacht“ und „viel Druck gehabt“. Fünf Monate auf Bewährung seien angemessen. Der Richter folgte in seinem Urteil dem Strafmaß der Staatsanwaltschaft, es handele sich um die unerlaubte Einfuhr in einem minderschweren Fall – auch wenn die Menge nicht gering war.

„Wir halten sie für schlau genug"

Zugute kam dem Angeklagten auch das Geständnis, das Mindestmaß konnte für einen minderschweren Fall aber auch deshalb nicht angesetzt werden, da Vorstrafen bestünden. Obwohl eben „einiges nicht passe“ bescheinigte das Gericht dem Angeklagten eine positive Sozialprognose, die Bewährungsfrist beläuft sich auf zwei Jahre.

Unverzüglich hat der Beschuldigte 100 Sozialstunden abzuleisten, ebenso müssen zehn Gespräche mit der Suchtberatung binnen fünf Monaten nachgewiesen werden. „Das alles liegt nun in Ihrer Verantwortung. „Wir halten Sie für schlau genug, die Dringlichkeit zu erkennen“, so der Richter abschließend.

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