Stadtlohn soll der Aktion „Nette Toilette“ beitreten. Gastronomen stellen dabei Toiletten für die öffentliche Nutzung bereit. Dafür müsste die Stadt zahlen. Die Wirte helfen schon jetzt.

Stadtlohn

, 06.11.2019, 18:42 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Situation ist bekannt: Bei der Fahrradtour oder beim Bummel durch die Stadt drückt die Blase und der Gang auf die Toilette ist dringend nötig. Nun stellt sich die entscheidende Frage: Wohin soll man gehen? Einfach ins nächste Restaurant oder Café?

Damit Passanten wissen, wo ein Toilettengang möglich ist, soll die Stadt Stadtlohn der Aktion „Nette Toilette“ beitreten. Das will die FDP. Dann würden Aufkleber auf kostenlose Toiletten hinweisen.

Gastronomen stellen Toiletten jetzt schon unkompliziert zur Verfügung

Eine Umfrage in der Stadt hat gezeigt: Auch ohne einen solchen Aufkleber sehen die Gastronomen die Sache unkompliziert. „Bei uns ist das kein Problem. Die Leute können gerne kostenlos auf Toilette gehen“, sagt Aurora Perenzin, Inhaberin des Eiscafé Arcobaleno in der Innenstadt. „Ich denke, dass Menschen Cafés oder Restaurants nur schnell für den Toilettengang nutzen, kommt in Großstädten viel häufiger vor. Hier in Stadtlohn ist ja meist nicht so viel los“, meint die Inhaberin.

„Toilettenbenutzung ist doch selbstverständlich“

Auch Jürgen Heming, Chef des Restaurants Alte Krone, sagt: „Das ist doch selbstverständlich, dass die Leute bei uns kostenlos auf die Toilette dürfen.“ Unabhängig vom Aufkleber „Nette Toilette“ würde Jürgen Heming die Leute weiterhin kostenfrei bei sich auf die Toilette gehen lassen.

Halil Öztokac, Inhaber der Pizzeria Ancona, denkt sogar einen Schritt weiter. „Viele Leute kommen ja wieder, oder waren schon mal Gast bei uns, und daher bieten wir es gerne an.“

Zur Karnevalszeit herrscht Ausnahmezustand

Halil Öztokac sagt aber auch: Während der Karnevalszeit würde eine Gebühr von 50 Cent für die Toilettennutzung fällig, weil in dieser Zeit doch viele alkoholisierte Menschen den normalen Betrieb stören und es bereits zu erheblichen Verschmutzungen in den Sanitäreinrichtungen kam.

Niemanden animieren, die Toilette zu benutzen

Kostenlos die Toilette nutzen können Menschen auch bei der Bäckerei Zumbusch. Allerdings möchte Inhaber Peter Bosmann-Zumbusch den Aufkleber „Nette Toilette“ nicht auf dem Eingangsschild haben. „Ich möchte damit keine Leute animieren, bei uns auf Toilette zu gehen. Die Menschen wissen, dass sie bei uns kostenfrei die Toilette nutzen können – auch unabhängig vom Aufkleber.“

Besucher des Stadtlohner Zentrums können auch die öffentliche Toilette hinter dem Rathaus nutzen. Diese steht stets offen und machte am Mittwochvormittag einen gepflegten Eindruck. Einen weiteren Tipp hat noch ein Besucher der Bäckerei Zumbusch: die Sakristei von St. Otger, die meist geöffnet ist.

In der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses, in der der FDP-Antrag diskutiert wurde, gab es nicht nur positive Rückmeldungen.

„Das ist doch eigentlich eine geniale Idee“, schwärmte der FDP-Fraktionsvorsitzende Bernd Schöning in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschuss. Die Aktion „nette Toilette“ könnte aus seiner Sicht in Stadtlohn ein drängendes Problem lösen und den Mangel an öffentlichen Toiletten beseitigen. Im Ausschuss gab es Zustimmung – aber auch eine sehr skeptische Stimme.

270 Kommunen machen bundesweit schon mit

Die Idee der Aktion „nette Toilette“: Weil es in den meisten Städten und Gemeinden zu wenig öffentliche Toiletten gibt, stellen Gastronomen ihre Toiletten für die öffentliche Nutzung kostenfrei zur Verfügung.

Ein Aufkleber mit einem lachenden Gesicht zeigt Passanten an, wo es „nette Toiletten“ gibt. Bundesweit beteiligen sich bereits über 270 Städte und Gemeinden an der Aktion. In Vreden wurde die „nette Toilette“ bereits vor drei Jahren eingeführt, Ahaus plant zurzeit die Einführung.

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Kostenfrei ist die Einführung der netten Toilette für die Städte allerdings nicht.

Auf 1230 Euro beläuft sich die einmalige Gebühr für die Nutzungsrechte. Die Übernahme dieser Summe wäre für die Stadt Stadtlohn kein Problem, meinte Bürgermeister Helmut Könning.

Monatliche Zuschüsse für Gastronomen

Hinzu kommt aber ein monatlicher Zuschuss für die teilnehmenden gastronomischen Betriebe. In Ahaus beträgt die Summe monatlich 40 Euro pro Betrieb. Aus Sicht von Bernd Schöning gibt es für die Gastronomen andere gute Gründe, an der Aktion teilzunehmen.

Smileys sollen in Stadtlohn Passanten auf Toiletten hinweisen – Eine gute Idee?

Die öffentliche Toilette am Rathaus Stadtlohn machte am Mittwochvormittag zwar einen sauberen Eindruck. Das stille Örtchen ruft aber immer wieder Diskussionen hervor. © Maximilian Konrad

Schöning: „Das ist doch eine Win-win-Si­tu­a­ti­on, denn jeder Gast, der das Lokal wegen der Toilette aufsucht, ist ja auch ein potenzieller Kunde.“ Darum könne die Aktion „nette Toilette“ nicht nur für die Toilettenbenutzer, sondern auch für Gastronomen und Einzelhändler interessant sein.

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Die Idee stieß bei CDU, UWG, SPD und Grünen auf Sympathie, aber auch auf Fragezeichen. „Die Einmalzahlung wäre ja kein Problem, aber 40 Euro pro Monat und Betrieb – da kommt ganz schön was zusammen,“ sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Otger Harks. Bei 30 teilnehmenden Betrieben beispielsweise wären das immerhin schon über 14.000 Euro jährlich.

Interesse bei den Gastronomen und Kaufleuten wird abgefragt

Nach dem Willen des Ausschusses soll die Stadt nun mit der SMS-Stadtmarketing prüfen, was Gastronomen und Kaufmannschaft von der Idee halten und wieviele sich an der Aktion beteiligen würden. Dann erst soll eine Entscheidung getroffen werden. Der UWG-Fraktionsvorsitzende Erwin Plate brachte eine zweijährige Testphase ins Gespräch.

Reinhold Dapper gegen dauerhafte Subventionierung

Sehr kritisch äußerte sich Reinhold Dapper (SPD) zur Aktion „nette Toilette“. „Eigentlich ist es doch zwischenmenschlich selbstsverständlich, dass man seine Toilette kostenlos zur Verfügung stellt, wenn man höflich gefragt wird. Ich habe jedenfalls noch nie Probleme gehabt“, sagte Reinhold Dapper.

Er wandte sich strikt gegen eine dauerhafte städtische Finanzierung der „netten Toiletten“. Dapper: „Ich bin dagegen, dass der Steuerzahler das Ganze subventionieren muss.“

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