So war es beim Workshop mit Star-Strickdesigner

Martin Storey

Handarbeiten sind im Trend. Allerorten wird gehäkelt, genäht und gestrickt. Am Wochenende gaben sich Enthusiasten aus der ganzen Republik ein Stelldichein bei Maria Weddewers „Wolle & Design“ in Stadtlohn, um Erfahrungen, Ideen und Strickmuster auszutauschen oder an einem von vier Workshops britischer Star-Strickdesigner teilzunehmen.

STADTLOHN

, 29.09.2014, 18:12 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mit Rat und Tat und notfalls mit Stricknadeln stand Martin Storey den Workshop-Teilnehmerinnen zur Seite.

Mit Rat und Tat und notfalls mit Stricknadeln stand Martin Storey den Workshop-Teilnehmerinnen zur Seite.

Genau wie Martin Storey: Der Engländer hat als Schuljunge seine Liebe fürs Handstricken entdeckt und sie später über ein Modedesign-Studium zum Beruf gemacht. Heute entwirft er international beachtete Strickmode für die britische Wollfirma Rowan. „Die Deutschen interessieren sich mehr für Farbe, für Muster und Strukturen“, sagt er. In Großbritannien und den USA, wo er ebenfalls Workshops gibt, werde mehr gerade und glatt gestrickt und eher mit Naturgarnen. Und. „In England stricken wir nicht mit Rundnadeln, sondern mit zwei geraden Nadeln.“ Und die Deutschen hätten eher ein Faible für dekoratives Stricken, also für selbst gestrickte Heimdeko.

Im Pavillon hinter dem Wollgeschäft von Maria Weddewer geht es heute nachmittag um „Beautiful Cables“ – schöne Zöpfe. Zwölf Frauen aus allen Teilen Deutschlands sitzen hier um die Tische. Man duzt einander, trinkt Kaffee, unterhält sich in Pausen über Jobs und Kinder und arbeitet sich durch komplizierte Anleitungen verschiedener Zopfmuster. Der Selbstversuch zeigt schnell: Stricken nach Strickschrift ist Konzentrationsarbeit. Auch Katja runzelt die Stirn über ihren Nadeln, während sie sich mit einem zweifarbigen Muster abmüht. Marianne zählt murmelnd Maschen für einen Zopfmusterschal mit eingearbeiteten Perlen. Nebenbei erklärt sie der Nachbarin, wie man die Perlen auffädelt. Storey geht von Platz zu Platz, hilft, erklärt und greift notfalls selbst zu den Nadeln, um einen Fehler zu beheben.

Er beobachte international einen starken Trend zurück zur Handarbeit, meint Storey. „Es ist heute eher ein soziales Ding geworden“, meint er. Junge Leute träfen sich in „Knitting Bars“ oder in Clubs zum gemeinsamen Stricken. Auch das „Yarn Bombing“, hierzulande eher bekannt als „Guerilla Knitting“, wo Bäume, Kunstwerke oder andere Gegenstände im öffentlichen Raum bestrickt werden, habe das Stricken wieder modern werden lassen. „Es ist noch nicht eine verlorene Tradition“, freut sich Storey. Dabei beobachte er, dass vor allem junge Leute eher „schnelles Stricken“ bevorzugten, mit dicken Nadeln und dicken Garnen. „Die mögen es, wenn sie ein Projekt an einem Abend oder einem Tag beenden können.“

Maria Weddewer bestätigt das: „Die Generation, die das nicht mehr bei den Müttern gelernt hat, die kommt jetzt“, sagt sie. Zwei Jahrzehnte lang habe Stricken als altmodisch gegolten. 2005 habe sie eine Praktikantin gehabt, die habe nicht einmal gewusst, was ein Druckknopf ist. Inzwischen aber sei die Lust am Stricken „verbreiteter als es je war“. Heute reize die Leute das Kreative. Viele wollten einfach auch selbst „Mode machen“. Und wer nicht selbst Gestricktes tragen wolle, „der macht Home Accessoires“. Die sähen mit Zopfmuster à la Martin Storey bestrickend schön aus.

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