Sozialarbeiter-Stellen für Geschwister-Scholl-Gymnasium und Herta-Lebenstein-Realschule

mlzSchulen in Stadtlohn

Die Auflösung vieler Normen und Werte beklagen die Lehrkräfte auch am Geschwister-Scholl-Gymnasium und an der Herta-Lebenstein-Realschule. Schulsozialarbeiter sollen helfen, gegenzusteuern.

Stadtlohn

, 02.01.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

An allen Schulen in städtischer Trägerschaft werden bald Schulsozialarbeiter tätig sein. Der Stadtrat hat sich dafür ausgesprochen, jeweils eine halbe Stelle für das Geschwister-Scholl-Gymnasium und die Herta-Lebenstein-Realschule auszuschreiben. Ob das ausreicht, soll im Anschluss ein Erfahrungsbericht zeigen.

Die Diskussion in der jüngsten Sitzung des Rates drehte sich nicht um das Ob, sondern um das Wie. Das Geschwister-Scholl-Gymnasium und die Herta-Lebenstein-Realschule hatten jeweils einen Antrag auf Schaffung einer ganzen oder halben Stelle für Schulsozialarbeit an ihrer Einrichtung gestellt.

Marion Ballenthin fasste die Haltung der CDU-Fraktion zusammen: „Mit Blick auf den Haushalt sollten wir erst mit einer halben Stelle anfangen.“ Eine ganze Stelle, wie von der SPD gefordert, sei wünschenswert. Doch aus Sicht der Christdemokraten wolle man „erst einmal anfangen“, sich später berichten lassen und dann weiter sehen.

Ganze Stelle fürs Gymnasium „zwingend notwendig“

Otger Harks (SPD) hingegen bezeichnete es als „zwingend notwendig“, für das Geschwister-Scholl-Gymnasium eine ganze Stelle einzurichten: „Die Schule hat 880 Schüler, eine ständige Präsenz ist nötig.“ Für die Herta-Lebenstein-Realschule solle die Stadt zunächst eine halbe Stelle ausschreiben, „und wenn wir dafür niemanden finden, auf eine Stelle erhöhen“, stellte er die Sicht der Sozialdemokraten dar.

Bernd Schöning (FDP) schloss sich für seine Fraktion dem Vorschlag der CDU an. „Aber wir können davon ausgehen, dass wir aufstocken“, blickte er pessimistisch in die Zukunft. Und fragte sich mit Blick auf den von den Schulen beklagten Verlust von Normen und Werten: „Was ist da schief gelaufen?“ Was zuhause nicht laufe, werde auf die Schule gepackt – „also auf den Steuerzahler“. Da sollten sich die Eltern mal an die Nase fassen, so Bernd Schöning.

Beide Stellen sollen unbefristet sein und dem Jugendwerk Stadtlohn angegliedert werden. Klaus-Dieter Weßing vom zuständigen Fachbereich der Stadt Stadtlohn zeigte sich am Freitag im Telefonat mit der Redaktion zuversichtlich, dass beide Stellen schon zum kommenden Schulhalbjahr, also zu Februar, besetzt werden könnten. Die Ausschreibung der Stellen solle so schnell wie möglich erfolgen.

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Das Jugendwerk Stadtlohn ist auch Arbeitgeber für die Schulsozialarbeiterin, die für die vier Stadtlohner Grundschulen im Einsatz ist. So könne das bereits vorhandene Know-how für die Konzeptionierung der neuen Stelle genutzt und ein regelmäßiger fachlicher Austausch gewährleistet werden, heißt es in der Sitzungsvorlage. An der Losbergschule gibt es drei Schulsozialarbeiterstellen, die zum größten Teil aus Landesmitteln finanziert werden. Zwei Stellen sind innerhalb der Projekte „Talentschule“ und „multiprofessionelles Team“ eingerichtet, eine weitere Stelle teilen sich das Land und die Stadt finanziell.

Schwierigkeiten, zu einer starken sozialen Persönlichkeit heranzuwachsen

Das Gymnasium und die Realschule begründen den Bedarf für Sozialarbeit auch an ihren Schulen mit einer immer stärker individualisierten Gesellschaft, die einen teilweise extrem schnellen Wandel erlebe. Damit verbunden sei die Auflösung vieler Normen und Werte, die bis vor Kurzem unantastbar schienen. Eine zunehmende Zahl von Kindern und Jugendlichen haben immer mehr Schwierigkeiten, zu einer starken sozialen Persönlichkeit mit eigenständiger, stabiler Identität heranzuwachsen. Diese Entwicklung habe auch Auswirkungen auf die Lebenswelt Schule.

Für die Kinder und Jugendlichen stelle die Schule einen zentralen Ort der sozialen Interaktion dar – so hoffen die Schulen, mit einer Stelle für Schulsozialarbeit gegensteuern zu können. Den Schulsozialarbeitern komme eine vielfältige Funktion bei der Prävention, Integration, Begleitung und Gestaltung des Lebensumfeldes Schule zu.

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