Sozialausschuss stimmt für neues Heim am Schützenweg

Für Flüchtlinge

Der Erste Beigeordnete Karlheinz Pettirsch redete am Mittwochabend vor den Politikern Klartext: "Sie müssen heute Farbe bekennen. Die Zeit drängt. Entweder wir bauen neue Flüchtlingsunterkünfte - oder wir müssen schon bald Turnhallen für die Unterbringung in Anspruch nehmen."

STADTLOHN

, 21.01.2016, 18:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Politiker entschieden sich am Ende mit zehn Ja-Stimmen, zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen für den Bau einer neuen Flüchtlingsunterkunft am Schützenweg 48. Doch so richtig glücklich waren die Mitglieder des Generations-, Integrations- und Sozialausschusses mit ihrer Entscheidung nicht.

Der sachkundige Bürger Dr. Rüdiger Wichmann (FDP) formulierte das Unbehagen so: "Wir kriegen keinen tollen Kompromiss hin, mit dem alle zufrieden sind. Die Lage ist insgesamt unbefriedigend." Auch Pettirsch betonte: "Widerstand gibt es überall, wenn wir eine Flüchtlingsunterkunft planen. Am Schützenweg ist der Widerstand etwas geringer, weil der Standort abgelegen ist."

Kleinere Wohneinheiten

Als Fürsprecher der Nachbarschaft Schützenweg trat Thomas Oing (UWG) hervor: "Mit 40 Plätzen ist die geplante Unterkunft sehr groß. Die Anwohner hatten schon 20 Jahre lang die Belastung durch die alte Asylbewerberunterkunft." Oing trat dafür ein, kleinere Wohneinheiten zu schaffen.

Bürgermeister Helmut Könning versprach, Gespräche mit den Nachbarn zu führen. Er sagte aber auch: "Um größere Einheiten kommen wir nicht herum." Pettirsch ergänzte, dass kleinere Unterkünfte nicht zu finanzieren seien. Es fehlten dafür auch die geeigneten Grundstücke. Pettirsch sagte weiter: "Auch an der Vredener Straße sind 40 Flüchtlinge in einer Unterkunft untergebracht, ohne dass es dort Beschwerden gegeben hat."

Geld steht bereit

Marlies Bomers-Meiering (Grüne) hatte ganz andere Bedenken: "Die Unterkunft am Schützenweg ist weit abgelegen. Das ist ein Nachteil für die Flüchtlinge. Das sehen wir sehr kritisch." Das Geld für den Bau einer neuen Unterkunft - 600000 Euro - hatte der Rat bereits im Dezember bereitgestellt. Der Rat muss aber in seiner nächsten Sitzung noch entscheiden, wo genau die Unterkunft gebaut werden soll. Mit seiner Empfehlung hat der Sozialausschuss jetzt die Weichen für den Schützenweg gestellt.

Der Planungs- und Bauausschuss wird sich im Februar mit bautechnischen Details auseinandersetzen. Gedacht ist an eine schnelle und kostengünstige Modulbauweise. Die Gebäude sollen aber dauerhaft nutzbar sein - möglicherweise als Sozialwohnungen.

Ehrenamtliches Engagement

„Es gibt in Stadtlohn so etwas wie eine Willkommenskultur.“ Pastoralreferent Rudolf Kleyboldt formulierte mit diesen Worten nicht nur eine Hoffnung. Im Sozialausschuss am Mittwochabend stellte er mit Mathias Wübbeling und Pascal Schmeing, das vielfältige Engagement vor, das rund 80 ehrenamtliche Helfer des Flüchtlingskreises zeigen: Die Fahrradwerkstatt macht die Flüchtlinge mobil und bietet ihnen ein Betätigungsfeld. Allein im Januar wurden 50 Fahrräder in Stand gesetzt und für wenig Geld verkauft.

Das Café International im Pfarrzentrum St. Joseph hat samstags 70 bis 90 Besucher, darunter 20 Stadtlohner. Sprachunterricht bietet die Flüchtlingshilfe täglich in verschiedenen Kursen an – auch für Flüchtlinge ohne Bleiberecht. Die Kurse dienen als Vorbereitung auf die offiziellen Sprachkurse.

Hauptamtliche Unterstützung

Hauspaten helfen Flüchtlingen in elf von 32 Unterkünften bei Behördengängen und anderen Fragen des täglichen Lebens. Bürgermeister Helmut Könning lobte nach dem Tätigkeitsbericht: „Das, was die Ehrenamtlichen leisten, das können wir hauptamtlich gar nicht schaffen.“ Er versprach aber auch hauptamtliche Unterstützung. Die Stadt werde über den Wunsch der Flüchtlingshilfe nachdenken, einen zweiten hauptamtlichen Sozialpädagogen für die Flüchtlingsbetreuung einzustellen.

Auch gegenüber einer weiteren Anregung der Flüchtlingshilfe zeigte er sich aufgeschlossen: der Einrichtung eines Internetcafés für Flüchtlinge, die bislang für Kontakte in ihre Heimat auf das W-Lan vor dem Rathaus angewiesen sind. Rudolf Kleyboldt nutzte am Mittwochabend die Chance, für das Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe zu werben: „Jeder kann bei uns sein Ding finden: vom Kaffeekochen über Sprachunterricht bis hin zu sozialer Betreuung.“  www.fluechtlingshilfe-stadtlohn.de

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