Spaziergang durch Stadtlohns altertümliche Geschichte im Bockwinkel

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Für Redakteur Stefan Grothues ist das Waldgebiet Bockwinkel der schönste Ort in Stadtlohn. Auch wenn seine allererste Begegnung damit etwas enttäuschend war.

Vreden/Stadtlohn

, 09.11.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Meinen Lieblingsort in Stadtlohn, das wunderbare Waldgebiet Bockwinkel, habe ich als kleiner Junge mit einer gewissen Enttäuschung kennengelernt. Meine großen Brüder berichteten mir damals von ihren Expeditionen von der Teufelsschlucht zur Hünenburg. Oder wie man damals auch noch oft sagte: zum Römerlager.

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Teufelsschlucht! Hünenburg! Römerlager! Sie können sich vorstellen, welche Bilder diese Begriffe im Kopf eines Sechsjährigen heraufziehen lassen. Gewaltige Mauern oder Palisaden, oder zumindest Ruinen habe ich erwartet. Nun ja, und dann sah ich die überwachsenen Erdwälle, die einen Sechsjährigen weniger beeindrucken als die Altertumsexperten.

Doppeltes Wallsystem

Historiker und Archäologen erkennen in der Hünenburg ein doppeltes Wallsystem. Schriftliche Quellen über die Entstehung und Funktion der Wallburg liegen ihnen ebensowenig vor, wie Zeugnisse über ihre Erbauer.

1950 hat es an der ehemaligen Toröffnung der Anlage einmal größere Ausgrabungen gegeben.

Im Waldgebiet Bockwinkel hat die Berkel noch ihren natürlichen Verlauf.

Im Waldgebiet Bockwinkel hat die Berkel noch ihren natürlichen Verlauf. © Thorsten Ohm

Damals hat man Scherben und Pflastersteine gefunden. Heute vermuteten die Experten dieser Funde, dass es sich um eine 1200 Jahre alte karolingische Anlage handelt. Die Ausdehnung der äußeren Wälle passt zudem gut zu anderen karolingischen Anlagen aus der Zeit der Sachsenkriege Karls der Großen. Ebenso gibt es Spekulationen, die die Hünenburg in Verbindung zur Gaugrafschaft Hamaland setzen.

Historischer Hintergrund

Der historische Hintergrund macht den Bockwinkel interessant. Zauberhaft aber macht ihn auf dem Weg durch Buchenmischwälder die mäandernde Berkel, die hier nie ihren natürlichen Verlauf geändert hat.

Steilufer, Sandbänke und Auskolkungen bieten hier dem farbenprächtige Eisvogel sowie unauffälligen Solitärbienen, die Möglichkeit, ihre Bruthöhlen zu bauen. Auf dem Weg zur Teufelsschlucht sind die uralte Hudebuche, der Bildstock am Hof Kleverth unter der mächtigen, jetzt leider etwas leidenden Eiche besondere Blickfänge.

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Ein Spaziergang durch den Bockwinkel von Klärwerk in Stadtlohn bis zur Teufelsschlucht in Vreden ist ganzjährig ein Erlebnis. Jetzt im Herbst aber ist die schönste Verbindung zwischen Stadtlohn und Vreden allen Spaziergängern besonders zu empfehlen. Selbstverständlich auch mit Kindern, wenn Sie ihnen vorher erklären, was sie an der Hünenburg nicht sehen werden.

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