Stadt will Panik vermeiden und weist nicht auf Suche nach möglichem Blindgänger hin

mlzSuche nach Blindgänger

Die Vredener Straße ist für Kanalbauarbeiten gesperrt. Kampfmittelräumer suchen dort seit Montag nach einem möglichen Blindgänger. Doch davon sagte die Stadt bisher nichts – mit Absicht.

Stadtlohn

, 24.06.2019, 18:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Vredener Straße ist seit Montagmorgen an der Einmündung zum Schanzring komplett gesperrt. Ein Bagger arbeitet dort langsam vor sich hin. Immer wieder senkt der Baggerfahrer einen meterlangen Bohrer auf die Straße und arbeitet sich in langsam in die Tiefe vor. Nach Straßenbau sieht das nicht aus. So hatte die Stadt Stadtlohn die Arbeiten zuletzt angekündigt.

Stadt will Panik vermeiden und weist nicht auf Suche nach möglichem Blindgänger hin

37 Löcher werden in den Boden gebohrt und dann per Metalldetektor untersucht. Aus den Daten können Fachleute ablesen, ob dort tatsächlich ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg liegt. © Stephan Teine

Tatsächlich: Neben dem Bagger stehen Fahrzeuge eines Unternehmens für Kampfmittelbergung. Die Mitarbeiter vor Ort hüllen sich in Schweigen. Gegenüber der Presse gäben sie keine Auskünfte, sagen sie. Sie verweisen an die zuständige Bezirksregierung in Arnsberg und die städtische Verwaltung.

Verdacht auf Blindgänger soll untersucht werden

Also Nachfrage in Arnsberg: „An der Kreuzung der Vredener Straße mit dem Schanzring gibt es einen Verdachtspunkt auf einen Blindgänger“, erklärt Christoph Söbbeler, Pressesprecher der Arnsberger Bezirksregierung. Anfang des Monats hätte es einen ähnlichen Verdachtspunkt an der Kreuzung Tegederstraße/Schanzring gegeben. Die Untersuchung dort blieb ohne Befund.

Am Montag und Dienstag wird nun der Verdacht an der Vredener Straße untersucht. Dazu bohrt das Unternehmen rund zehn Zentimeter große Löcher in die Straßendecke und ihren Unterbau. Bis zu acht Meter tief wird der Bohrer in den Boden getrieben. „Das ist ein standardisiertes Verfahren“, erläutert Christoph Söbbeler. Insgesamt 37 Löcher werden dazu gebohrt und mit Metalldetektoren untersucht. Aus den Daten können Fachleute dann ablesen, ob ein Blindgänger unter der Vredener Straße liegt oder nicht. Mit Ergebnissen rechnet Christoph Söbbeler zur Mitte der Woche. „Weil dort viele Leitungen verlaufen, sind die Untersuchungen recht schwierig“, erklärt er.

Stadt Stadtlohn will Panik vermeiden und informiert nicht über Blindgängersuche

Doch warum hat die Stadt Stadtlohn nicht vorab über den möglichen Fund und die Suche nach einem Blindgänger informiert? In der Ankündigung der Arbeiten und der Sperrung vom Freitag war lediglich von Tiefbauarbeiten die Rede.

Stadt will Panik vermeiden und weist nicht auf Suche nach möglichem Blindgänger hin

Loch für Loch arbeitet der Bagger sich durch das Untersuchungsgebiet auf der Vredener Straße. © Stephan Teine

„Wir wollten unnötige Sorge und Panik in der Bevölkerung vermeiden“, erklärt Thomas Gausling, Leiter des Ordnungsamtes der Stadt Stadtlohn. Deswegen habe es vorab in der Meldung keinen Hinweis auf den möglichen Fund von Blindgängern gegeben. „Wir wissen ja auch noch gar nicht, ob dort überhaupt etwas liegt“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Aktuell werde lediglich ein Verdachtspunkt untersucht. „Wir gehen nicht von einer unmittelbaren Gefahr aus“, sagt Thomas Gausling.

Tatsächlich beachtet auf der Vredener Straße am Montagvormittag kaum jemand die Arbeiten. Passanten laufen oder fahren unbeirrt vorbei. Ein paar Kinder auf dem Nachhauseweg von der Schule freuen sich darüber, dass die Straße gesperrt ist und sie ohne zu warten über den Zebrastreifen fahren können. Auch vor dem Krankenhaus beachtet niemand die Arbeiten.

Untersuchung in dieser Woche

Thomas Gausling rechnet damit, dass die Untersuchung in dieser Woche abgeschlossen werden kann. Dann soll die Kanalsanierung im Schanzring fortgesetzt werden. Davon ist die Vredener Straße dann nicht mehr betroffen. Die Sperrung dort ist für vier Tage geplant. Ortskundige sollen den Bereich weiträumig umfahren.

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Zur Erinnerung: Im Sommer 2018 war ein und derselbe Baggerfahrer bei Bauarbeiten auf dem Grundstück an der Ecke Vredener Straße/Weststraße an zwei aufeinanderfolgenden Tagen auf zwei 70-Kilo-Blindgänger gestoßen. Das Grundstück liegt keine 100 Meter von dem jetzigen Verdachtspunkt entfernt. Vergangenes Jahr konnten die beiden amerikanischen Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg binnen weniger Stunden entschärft werden. Dennoch wurden damals die Menschen im Radius von rund 100 Metern um den Fundort evakuiert.

Umfangreiche Sanierungen behindern den Verkehr

  • Die Arbeiten an der Vredener Straße, der Josefstraße, des Görkeskamps und des Schanzrings sorgen seit einigen Wochen für Verkehrsbehinderungen. Im Görkeskamp werden die Schachtbauwerke erneuert. Außerdem müssen die maroden Kanäle dort saniert werden – teils in offener Bauweise.
  • Ähnliche Arbeiten stehen im Schanzring an. Dort soll außerdem der Durchmesser der Kanäle vergrößert werden. Ist das abgeschlossen, wird dort auch die Fahrbahndecke erneuert.
  • Im Schanzring werden die Arbeiten laut Stadtverwaltung Stadtlohn noch bis Dezember 2019 dauern.
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