Bislang war nach dem Krankenhaus-Zusammenschluss nur der Verlust der Geburtsabteilung für das Stadtlohner bekannt geworden. Jetzt liegt ein umfassendes Medizinkonzept für den Nordkreis vor.

Stadtlohn

, 31.10.2018, 20:28 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die in der vergangenen Woche bekanntgewordene Verlegung der Geburtshilfe von Stadtlohn nach Ahaus hat bei den Stadtlohnern und bei den Krankenhaus-Mitarbeitern hohe emotionale Wellen geschlagen. Am Mittwoch hat das Klinikum Westmünsterland in zwei getrennten Mitarbeiterversammlungen in Ahaus und Stadtlohn ein umfassendes Konzept für die Aufgabenverteilung zwischen den Krankenhäusern in Stadtlohn und Ahaus vorgestellt und darüber anschließend in einer Pressekonferenz informiert.

Stadtlohn gibt den Kreißsaal ab und stärkt die kardiologische Abteilung

Auf der Pressekonferenz des Klinikums Westmünsterland (v.l.): Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Ehling und Geschäftsführer Ludger Hellmann. © Stefan Grothues

Welche Aufgaben werden zwischen den Krankenhaus-Standorten in Stadtlohn und Ahaus neu verteilt?

Stadtlohn gibt die Geburtshilfe, die Gastroenterologie und die Orthopädie nach Ahaus ab. Diese Abteilungen bilden künftige Schwerpunkte im Ahauser St.-Marien-Krankenhaus. Im Gegenzug werden in Stadtlohn neue Schwerpunkte gebildet: die Kardiologie, die Diabetologie und die Pneumologie. Die entsprechenden Abteilungen des Ahauser Krankenhauses werden nach Stadtlohn verlegt.

Wann treten die Veränderungen in Kraft?

Einen genauen Fahrplan gibt es noch nicht. „Wir werden noch einige bauliche Voraussetzungen schaffen müssen“, erklärte Klinikum-Sprecher Tobias Rodig. Daher werde die Zusammenlegung der Abteilungen nicht vor dem zweiten Quartal 2019 umgesetzt. Eine Ausnahme ist die Zentralisierung der Orthopädie und Endoprothetik in Ahaus. Die soll bereits Anfang 2019 erfolgen, wenn Dr. Ulrich Rebers, der Chefarzt des Orthopädischen Zentrums in Stadtlohn, in den Ruhestand tritt. Diese Stelle wird nicht neu besetzt. In Stadtlohn wird es aber weiterhin und dauerhaft ambulante Sprechstunden der Orthopädie geben, betonte Klinikums-Geschäftsführer Ludger Hellmann.

Stadtlohn gibt den Kreißsaal ab und stärkt die kardiologische Abteilung

„Ich bin stolz, dass uns dieser Schritt gelungen ist“, sagte Berthold te Vrügt, Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung Maria-Hilf Stadtlohn. © Stefan Grothues

Was bleibt unverändert?

In Stadtlohn bleiben die Allgemein- und Unfallchirurgie, die Anästhesie, die Radiologie und die Innere Medizin unverändert bestehen. In Ahaus bleiben die Allgemein - und Viszeralchirurgie, die Anästhesie, Radiologie, Urologie, die Innere Medizin und die Unfallchirurgie. Unverändert bleiben auch die Aufgaben des Vredener St.-Marien-Hospitals: Innere Medizin, Geriatrie und Rheumatologie.

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Was bedeutet das für die Mitarbeiter?

Kein Arbeitsplatz entfällt. Etwa 20 Ahauser Mitarbeiter der Kardiologie, der Diabetologie und der Pneumologie werden künftig vom Ahauser Krankenhaus ins Stadtlohner Krankenhaus versetzt. Genauso viele Mitarbeiter des Stadtlohner Krankenhauses aus den Bereichen Geburtshilfe, Gastroentologie und Orthopädie werden ihren Arbeitsplatz künftig in Ahaus haben.

Stadtlohn gibt den Kreißsaal ab und stärkt die kardiologische Abteilung

Begrüßten die Neustrukturierung: Prof. Dr. Norbert Roeder, Bürgermeisterin Karola Voß (Ahaus) und Bürgermeister Helmut Könning (Stadtlohn). © Stefan Grothues

Was bedeutet das für die Stadtlohner Patienten?

„Niemand muss für eine Blinddarm- oder Gallenoperation nach Ahaus“, sagt Ludger Hellmann, Geschäftsführer des Klinikums Westmünsterland. Das Stadtlohner Krankenhaus wird für alle Stadtlohner Patienten erste Anlaufstelle bleiben. „Wir gewährleisten die Basisversorgung, stellen die Diagnosen und leiten mit unserer ärztlichen Expertise die Patienten an die richtigen Fachabteilungen innerhalb des Klinikums Westmünsterland weiter“, sagt Dr. Allessandro Cuneo, Ärztlicher Direktor des Stadtlohner Krankenhauses.

Warum sind einige Aufgaben zwischen den Krankenhäusern neu verteilt worden?

Durch den Beitritt des Stadtlohner Krankenhauses zum Klinikum Westmünsterland im Sommer 2018 ergeben sich für den Nordkreis neue Möglichkeiten der Aufgabenverteilung und Spezialisierung. Und die sei von Bund und Land gefordert, so Klaus Ehling, Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums Westmünsterland. Ehling: „Die ganz große Überschrift dabei ist die Qualität der medizinischen Versorgung.“ Die Krankenhausstruktur müsse dem medizinischen Fortschritt, den Veränderungen in der Demographie und dem Kostendruck Rechnung tragen.

Was sagt der Experte dazu?

Prof. Dr. Norbert Roeder hat den Restrukturierungsprozess begleitet. Er sagt: „Wenn ich mich als Krankenhaus nicht mit den neuen Anforderungen auseinandersetze, dann bin ich weg.“ Die geplante Neustrukturierung der medizinischen Versorgung im Nordkreis bezeichnet Roeder als „ganz großen Wurf“. Unter dem Strich werde den beteiligten Standorten „nichts weggenommen, sondern dazugegeben – nämlich mehr Qualität.“ Die werde durch Konzentration und Spezialisierung gesichert.

Wie haben die Mitarbeiter reagiert?

Über 300 Mitarbeiter des Stadtlohner Krankenhauses haben am Mittwoch an der Mitarbeiterversammlung im Otgerus-Haus teilgenommen. Die Stimmung sei emotional gewesen, berichten Teilnehmer. Es habe große Betroffenheit wegen der Schließung des Kreißsaals in Stadtlohn geherrscht. Berthold te Vrügt, Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung Maria-Hilf Stadtlohn, wertete das als positives Zeichen der tiefen Verbundenheit mit dem Standort Stadtlohn. Die Entscheidung sei nicht leicht gefallen, „aber sie ist sachlich begründet, sie ist nicht das Ergebnis eines Würfelspiels, sondern das Ergebnis einer genauen Analyse.

Was sagen die Politiker?

„Der Verlust der Geburtshilfe ist ein schmerzhafter Verlust für Stadtlohn. Der Schritt stärkt aber den Standort. Das ist gut für die Patienten und für die Stadt“, erklärte Stadtlohns Bürgermeister Helmut Könning am Mittwoch auf der Pressekonferenz. Seine Ahauser Amtskollegin Karola Voß erklärte: „Das Klinikum sichert den Menschen im Nordkreis ein sehr gutes medizinisches Angebot. Die Neustrukturierung stärkt das Angebot für die Region. Die Wege sind vielleicht etwas weiter als in der Großstadt, aber sie sind genauso schnell zurückzulegen.“

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