Ein Obstbaum für jedes Baby? In Stadtlohn erhalten Neugeborene demnächst einen Gutschein für einen Obstbaum oder einen anderen Baum. © picture-alliance/ dpa
Baumgutscheine

Stadtlohner Babys erhalten Gutschein für einen eigenen „Geburtsbaum“

Ein Baum für jedes Baby: Stadtlohn schenkt künftig jedem Neugeborenen einen Gutschein für einen Baum, der dann im eigenen Garten oder auf städtischen Flächen gepflanzt werden kann.

„Wir wollen die neuen Erdenbürger in Stadtlohn willkommen heißen und gleichzeitig etwas Gutes für die Umwelt tun.“ Mit diesen Worten fasste der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Markus Könning einen Vorstoß seiner Fraktion im Haupt- und Finanzausschuss zusammen. Die Idee der CDU: „Jedes neugeborene Kind aus Stadtlohn bekommt von der Stadt einen Obstbaum – beziehungsweise einen entsprechenden Gutschein geschenkt.“

Vorschlag findet breite Unterstützung

Dieser Vorschlag stieß in der jüngsten Sitzung des Ausschusses auf viel Zustimmung aus allen Fraktionen. „Der Antrag ist gut, wir unterstützen das. Wir sehen den ökologischen Aspekt und den Symbolcharakter“, sagte beispielsweise Angelika Kessels (FDP). Ähnlich äußerten sich auch die Sprecher der anderen Fraktionen.

Auch aus Sicht der Verwaltung ist das Verschenken von Obstbäumen anlässlich der Geburt eines Kindes „grundsätzlich eine nette Idee“. Doch die Verwaltung sah auch Probleme im Detail: Etliche der jährlich rund 200 Familien verfügten möglicherweise nicht über den Platz, einen Baum auf privatem Grund zu pflanzen.

Verwaltung warnt vor hohen Kosten für Streuobstwiesen

Wenn die Stadt Stadtlohn eine landwirtschaftliche Fläche nutzen würde, um dort eine Streuobstwiese anzulegen, wäre für 200 Obstbäume eine Fläche von zwei Hektar erforderlich. Die Kosten für den Flächenerwerb bezifferte die Verwaltung auf rund 200.000 Euro im Jahr.

Und dabei sei der hohe Pflegeaufwand noch nicht einmal inbegriffen. „Das ist wirtschaftlich kaum vertretbar“, so die Verwaltung in ihrer Sitzungsvorlage. Hinzu käme, dass das Obst aus einer Streuobstwiese mit 100 Obstbäumen kaum sinnvoll verwertet werden könne.

„Möglicherweise ist ein Stadtlohn-Gutschein ein besseres Begrüßungsgeschenk, weil dieser vom Beschenkten universell eingesetzt werden kann“, gab die Verwaltung zu bedenken.

Symbolcharakter war dem Ausschuss wichtig

Doch davon wollten die Politikerinnen und Politiker nichts wissen. Ihnen war der ökologische und symbolische Aspekt wichtig. Es müssten ja nicht unbedingt Obstbäume sein, sagte Reinhold Dapper (SPD). Aber ein Baum solle es schon sein. Karl Herbstmann (UWG) betonte, es dürfe keine finanzielle Belastung der Stadt durch aufwendige Pflege von Obstbaumwiesen entstehen.

Richard Henrichs (Grüne) sprach sich dafür aus, Geburtsbäume auch entlang von Straßen und Wegen im öffentlichen Raum zu pflanzen, weil sie dort als Schattenspender für das Stadtklima eine wichtige Rolle spielen könnten.

Am Ende beschloss der Ausschuss einstimmig, dass jedes neugeborene Kind aus Stadtlohn einen Gutschein für einen Obstbaum oder einen anderen Baum geschenkt bekommt.

Gegen Stimmen aus der UWG beschloss der Ausschuss ferner, dass wenn kein Platz im eigenen Garten ist, die Geburtsbäume auch auf städtischen Flächen gepflanzt werden können. Der Ausschuss ging mehrheitlich davon aus, dass dieser Fall eher die Ausnahme sein werde.

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Stefan Grothues

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