Zwei Meter Abstand sind beim Überholen von Radfahrern im Außenbereich Pflicht. Wenn sich hinter dem Radfahrer ein Stau bildet, muss der Radfahrer anhalten und die Autos passieren lassen. © Stephan Rape
Abstandsregeln

Stadtlohner beklagt „Größenwahn“ von Radfahrern auf Wirtschaftswegen

Bernhard Nitschke wohnt im Außenbereich. Ihn ärgert der „Größenwahn“ vieler Radfahrer auf den Wirtschaftswegen. Für die Polizei sind die neuen Abstandsregeln ganz unmissverständlich.

„Immer diese Radfahrer …“, Bernhard Nitschke muss selber ein wenig schmunzeln, als er diesen Filmtitel erwähnt. Die Filmkomödie aus dem Jahr 1958 mit Heinz Erhardt, Hans-Joachim Kulenkampff und Wolf Albach-Retty kennt der heute 82 Jahre alte Stadtlohner Senior noch aus seinen Jugendtagen.

Bernhard Nitschke beklagt ein immer raueres Klima zwischen Radfahrern und Autofahrern.
Bernhard Nitschke beklagt ein immer raueres Klima zwischen Radfahrern und Autofahrern. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Das Anliegen ist Bernhard Nitschke aber durchaus ernst. „Die Fahrradfahrer werden immer aggressiver“, sagt Nitschke aus Autofahrersicht. „Ich fahre selbst auch noch Fahrrad, aber ich versuche, mich mit den Autofahrern zu verständigen.“

„Abstandsregelungen sind weltfremd“

Schuld an den „allzu selbstbewussten Radfahrern“ sind die aus Nitschkes Sicht „weltfremden Abstandsregelungen“, die seit dem vergangenen Jahr im Gesetz verankert sind.

„Wir wohnen im Außenbereich, daher gilt die Zweimeter-Abstandsregel“, sagt Bernhard Nitschke und rechnet vor: „Unsere Wirtschaftswege sind rund 3,20 Meter breit mit einer unbefestigten Bankette und Graben. Mein Auto ist 1,70 Meter breit, Erntemaschinen bis zu drei Meter. Das kann alles nicht funktionieren. Was hat sich der Verkehrsminister nur dabei gedacht?“

Klima zwischen Autofahrern und Radfahrern wird rauer

Das Klima zwischen den Verkehrsteilnehmern auf dem Lande sei mit der neuen Regelung rauer geworden, meint Bernhard Nitschke und erzählt: „Schon von Weitem werden mir energische Handzeichen gegeben, noch langsamer zu fahren, obwohl nicht einmal 50 km/h fahre. Demonstrativ fahren die Radfahrer bis zuletzt nebeneinander. Und wenn ich nicht stehen bleibe: Stinkefinger. Größenwahn scheint bei vielen Radfahrern Einzug gehalten zu haben.“

Bernhard Nitschke betont, dass er das nicht alleine so sieht. „Meine Nachbarn beklagen das auch.“ Und was sagt die Polizei dazu? „Wir hören gelegentlich Beschwerden – aber von beiden Seiten“, sagt Polizeisprecher Frank Rentmeister. Autofahrer beklagen sich über das Fahrverhalten der Radfahrer. Und die Radfahrer bemängeln die Nichteinhaltung der Mindestabstände durch Autofahrer.

Beim Überholen innerorts 1,50 Meter Abstand, außerorts 2 Meter

Frank Rentmeister sagt: „Die Regeln sind wie sie sind, aber sie werden gelegentlich falsch ausgelegt.“ Rentmeister erklärt sie noch einmal: „Autofahrer müssen beim Überholen innerstädtisch 1,50 Meter Abstand halten, außerorts 2 Meter.“ Das gelte aber nur für den Überholvorgang, nicht bei entgegenkommenden Radfahrern.

Wenn der Mindestabstand beim Überholen nicht eingehalten werden könne, dürfe der Autofahrer eben nicht überholen. Sollte sich hinter dem Radfahrer aber ein Stau entwickeln, so Rentmeister, gelte der Paragraf 5 der Straßenverkehrsordnung: „Wer ein langsameres Fahrzeug führt, muss die Geschwindigkeit an geeigneter Stelle ermäßigen, notfalls warten, wenn nur so mehreren unmittelbar folgenden Fahrzeugen das Überholen möglich ist.“ Mit anderen Worten: Der Radfahrer muss anhalten und Platz machen, um den Autos die Vorbeifahrt zu ermöglichen.

Und was gilt, wenn sich Radfahrer und Autofahrer auf engen Wirtschaftswegen begegnen? Das, so Frank Rentmeister, sei immer von der Situation abhängig. „Wenn die Dinge nicht eindeutig klar sind, dann gilt immer der Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung.“ Und der lautet: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. Wer am Verkehr teilnimmt, hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.“

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Stefan Grothues

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