Stadtlohner bunkerten Marihuana im Schrebergarten

mlzSchöffengericht

Wenn in der Kleingartenanlage Imming von Gras die Rede ist, denkt der Kleingärtner ans Mähen und Vertikutieren. Auf einer Parzelle aber spürte ein Drogenhund Marihuana unterm Rasenmäher auf.

Stadtlohn

, 23.04.2019, 17:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das war alles andere als eine typische Laubenpieper-Idylle: Fast 150 Gramm Marihuana im Wert von rund 800 Euro und Dealerbedarf hatten ein 26-jähriger Stadtlohner und seine Freunde in einem von ihnen gemieteten Schrebergarten in der Kleingartenanlange Imming an der Kreuzstraße versteckt. Der 26-Jährige musste sich deswegen am Dienstag vor dem Schöffengericht in Ahaus verantworten.

Polizei durchsuchte Laube nach Drogenfund im Auto

Aufgeflogen war der 26-Jährige vor genau einem Jahr, als er zusammen mit seiner Schwester und einem Freund an der Kreuzstraße in eine Fahrzeugkontrolle geriet. „Wir konnten direkt Marihuanageruch wahrnehmen“, erinnerte sich ein Streifenbeamter als Zeuge vor Gericht. Bei den Begleitern des 26-Jährigen wurden die Beamten fündig. Der Freund und die Schwester des Angeklagten müssen sich daher in gesonderten Verfahren verantworten.

Bei dem Angeklagten selbst wurde zunächst kein Rauschgift gefunden. Allerdings wurde nach der Pkw-Kontrolle mit richterlicher Genehmigung die von dem 26-Jährigen gemietete Gartenlaube durchsucht. Dort fanden die Polizeibeamten in mehreren Verstecken Marihuana, Alufolie, Plastiktütchen und eine Feinwaage – „typischer Dealerbedarf“, wie der Richter befand. Ein Drogenspürhund erschnüffelte unter anderem auch unter dem Rasenmäher ein Päckchen Marihuana. Leere Plastiktüten mit Marihuana-Anhaftungen deuteten daraufhin, dass dort zuvor noch andere Drogenmengen gelagert worden waren.

Angeklagter: Dealer lieferte die Drogen in die Laube

Nach anfänglichem Abstreiten räumte der Angeklagte im Prozess ein, etwas mit den Drogen zu tun zu haben. Den Schrebergarten habe er ab 2016 zusammen mit neun Freunden gemietet, nicht als Drogenversteck, sondern als Treffpunkt. Sieben der Freunde würden Marihuana konsumieren. Ein Dealer aus den Niederlanden, dessen richtigen Namen er nicht kenne, habe die Drogen direkt zur Laube geliefert. Er selbst habe nie gedealt, höchsten mal etwas kostenlos an „Kollegen“ abgegeben. Die Drogen im Schrebergarten hätten er und seine Freunde gemeinsam erworben und konsumiert. „Ich selbst habe nur hin und wieder am Wochenende geraucht“, beteuerte der Angeklagte. „Jetzt rauche ich seit einem Jahr nicht mehr. Das ist nichts für mich.“

An der Darstellung des Angeklagten weckte die Zeugenaussage eines 33 Jahre alten Kripo-Beamten erhebliche Zweifel. „Dass es in der Gartenlaube eine fröhliche Selbstbedienung gab, einen unbegrenzten Zugang zu den Drogen für die ganze Clique, dagegen spricht jede Vernunft und jede polizeiliche Erfahrung“, erklärte der Kripo-Beamte. Und er fügte hinzu: „Ich gehe davon aus, dass jemand die Dinge kontrolliert hat.“ Für unglaubwürdig hielt er auch die Darstellung, dass der niederländische Dealer die Drogen nach Stadtlohn geliefert hat. „Das wäre ja ganz etwas Neues, dass ein holländischer Dealer bis nach Deutschland liefert.“

Polizei observierte Kleingartenanlage

Der Kripobeamte und sein Kollege von der Funkstreife sagten vor Gericht aus, dass die Fahrzeugkontrolle kein Zufall gewesen sei. „Anwohner haben sich mehrfach über den Marihuanageruch, Autoverkehr und Drogengeschäfte beschwert“, sagte der 46 Jahre alte Streifenbeamte. Es habe auch „Insiderinformationen“ gegeben. „Darum sind wir in dem Bereich häufiger Streife gefahren.“ Sein Kollege von der Kripo sagte: „Wir haben den Bereich observiert.“ Insgesamt habe sich der Eindruck ergeben, dass immer wenn bestimmte Personen – „und der Angeklagte gehört dazu“ – in der Gartenlaube gewesen seien, sich ein „Ameisenverkehr“ von Drogenkunden entwickelt habe.

Der Staatsanwalt kam am Ende zu dem Schluss, „dass sich der Angeklagte sehr herausgeredet hat“. Die Ausführungen der Polizeibeamten sprächen sehr für einen „kleinen und professionell organisierten Handel. Und der Angeklagte war der Schlüsselinhaber.“ Der Verteidiger hingegen betonte, es habe mehrere Schlüssel zur Laube in verschiedenen Händen gegeben. Die lautstarken Feiern und der Drogenkonsum im Schrebergarten sprächen eher dagegen, dass die Laube ein Dealerstandort gewesen sei. „In dubio pro reo! (Im Zweifel für den Angeklagten) forderte er eine Strafe „an der unteren Grenze“.

Das Urteil des Schöffengerichts: Sechs Monate auf Bewährung. Die Bewährungszeit geht über drei Jahre. Außerdem muss der Angeklagte eine 2000-Euro-Geldbuße an die Drogenhilfe in Gronau und die Kosten des Verfahrens bezahlen, in die Drogenberatung gehen und regelmäßig Kontakt zu einem Bewährungshelfer halten. Der Staatsanwalt hatte neun Monate auf Bewährung gefordert, der Verteidiger drei Monate als ausreichend angesehen.

Richter sieht keine eindeutigen Beweise für Drogenhandel

Die Verurteilung, so erklärte der Richter, erfolge nicht wegen Drogenhandels, sondern wegen gemeinschaftlichen Besitzes einer nicht unerheblichen Menge von Betäubungsmitteln in einem minderschweren Fall. „Es besteht zwar der Verdacht, dass der Angeklagte nicht nur Drogen besessen, sondern auch mit ihnen gehandelt hat. Das lässt sich aber nicht eindeutig und zweifelsfrei beweisen.“ Für den Angeklagten spreche, dass er teilweise geständig und nicht vorbestraft sei. Außerdem arbeite er schon seit zehn Jahren in der Firma, in der er auch seine Ausbildung absolviert habe. „Das ist in diesen Fällen eher die Ausnahme“, so der Richter.

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