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Als DJ Scheffwell begeistert Nico Scheffer längst nicht mehr nur das Partyvolk im Münsterland. Seine Musik ist jetzt auch in den Top 100 der internationalen Charts zu finden.

Stadtlohn

, 09.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Nico Scheffer ist ein höflicher und zurückhaltender junger Mann. Jedenfalls an diesem Dienstagnachmittag beim Gespräch in einem Stadtlohner Café. Da wirkt er ganz wie der Groß- und Einzelhandelskaufmann-Azubi, der er gerne ist. Aber der 20-Jährige kann auch ganz anders.

Stadtlohner DJ Scheffwell schafft Sprung in die internationalen Charts

Nico Scheffer abseits der großen Bühne © Stefan Grothues

Als DJ Scheffwell reißt er mit großer Geste die Arme in die Höhe, dirigiert selbstbewusst sein 1000-köpfiges Publikum, hüpft so lange auf der Bühne, bis die Menge mitgeht. „Dicke Mucke“, kommentiert hinterher einer, der dabei war. „Mega geil, Nico!“, gratuliert ein anderer. Nico Scheffer ist Scheffwell: DJ und Producer.

Das war vor anderthalb Wochen. Da hat der junge Stadtlohner beim Karpaten-Festival in Ottenstein aufgelegt und die Massen begeistert. Im August steht Scheffwell beim Dodgeball-Turnier in Stadtlohn an den Turntables. „Für mich ein echter Glücksfall, dass ich hier zwei Großevents vor der Haustür habe“, sagt Nico Scheffer. Eine echte Starthilfe. Doch Nico Scheffers Blick geht längst übers Münsterland hinaus.

Von der Schulparty in die Electronic-Dance-Charts

Begonnen hat alles vor fünf Jahren, als der damals 15-jährige Nico auf einer Schulparty an der Herta-Lebenstein-Realschule erstmals vor Publikum auflegte. Vielleicht haben es Vater Karsten und Mutter Stefanie Scheffer es ihrem Sohn ja in die Wiege gelegt. „Mein Vater ist ja Polizist von Beruf, aber in seiner Freizeit war er als DJ in Stadtlohn unterwegs – damals noch mit einem Koffer voller CDs. Und meine Mutter tanzte immer schon bei der Dodgeball-Party in der ersten Reihe.“

Aus dem Hobby wurde eine echte Leidenschaft. Im vergangenen Jahr gewann Nico Scheffer in einer Online-Abstimmung einen Auftritt beim großen Spring Break in Kroatien. „Was seither passiert ist, das ist einfach mega“, sagt Nico Scheffer und zählt auf: „Plattenverträge, Auftritte beim Woodstoig Festival bei Stuttgart und beim Music-Snow-Festival in Leipzig sowie drei Platzierungen in den internationalen Charts“. Und dann flatterte ihm ein neuer Vertrag fürs nächste Spring Break in Kroatien ins Haus „wie aus dem nichts, ganz ohne Online-Wettbewerb“, sagt Nico Scheffer. Er freut sich über das positive Feedback. Und über die Ehre, mit den ganz Großen der Branche auf einem Festival aufzulegen: Felix Jähn zum Beispiel. Oder Salvatore Ganacci.

Musik aus Stadtlohn wird auch in LA gespielt

Kontakte, das weiß Nico Scheffer längst, sind das A und O in der Branche. „Da ergeben sich Ideen für gemeinsame Produktionen, für Auftritte.“ Eifrig rührt der junge DJ auch die Werbetrommel auf Instagram und auf Youtube, um sich und seine Musik bekannt zu machen, um Markenpflege zu betreiben. Und das zeigt Wirkung; mal in der Nähe, mal in der Ferne: „In Gescher wollten sich Kinder unbedingt mal mit Scheffwell fotografieren lassen“, sagt Nico Scheffer lachend. „Und einmal hat mir einer geschrieben, dass er meine Musik immer auf dem Weg zu Arbeit hört – und zwar in Los Angeles.“

Song mit Musiker aus Nashville produziert

Übers Internet entstand auch ein ganz besonderes Projekt mit dem amerikanischen Sänger Nathan Brumley aus Nashville. „Er hat zu einer meiner Melodien einen Text geschrieben. Dann haben wir es gemeinsam produziert. ,Wake up‘ ist sogar radiotauglich“, sagt Nico Scheffer, der sich das Komponieren am Keyboard selber beigebracht hat. Scheffwells bislang größter Erfolg „Next Level“ ist auf Spotify schon über 25.000 Mal gestreamt worden. Bei Beatport, einem Online-Musikdienst für elektronische Tanzmusik, schaffte „Next Level“ sogar den Sprung auf Platz 16. „Reich wird man dabei aber nicht“, sagt Nico Scheffer. „Selbst dann nicht, wenn ich zwei Millionen Streams hätte. Die Margen sind einfach zu klein.“

Liveauftritte sind das Größte

DJs leben von ihren Liveauftritten. Und das nicht nur wirtschaftlich. „Auf der Bühne zu stehen ist das Größte. Das ist der reinste Nervenkitzel, wenn du es schaffst, tausend Leute auf dem Dancefloor zu begeistern“, sagt Nico Scheffer. Er sagt auch: „Ich bin erst 20, da geht noch was“. Und er benennt seinen Traum ziemlich konkret: „Ich will in den nächsten fünf Jahren auf die Hauptbühnen der ganz großen Festivals: Parookaville in Weeze, World Club Dome in Frankfurt oder New Horizon auf dem Nürburgring ...“, sagt Scheffwell mit glänzenden Augen.

Stadtlohner DJ Scheffwell schafft Sprung in die internationalen Charts

Scheffwell feiert mit seinen Fans auf dem Karparten-Festival. © Nico Scheffer

Doch dann bremst Nico Scheffer sein Alter Ego Scheffwell. Er möchte mit beiden Beinen auf dem Teppich bleiben. Und er bleibt bescheiden: „Ohne meine Eltern, meine Oma, die mein Equipment in den Anfängen finanziert hat, ohne meinen Onkel, der mir immer beim Transport geholfen hat, und ohne meine Freunde würde ich das gar nicht schaffen.“ Und dann ist er auch wieder der Kaufmanns-Azubi, der seinen Job bei Folien Lücke richtig gerne macht. „Das soll auch so bleiben“, sagt Nico Scheffer. „Aber man weiß ja nie, was alles noch so passiert.“

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