Das Wasser stieg am Mittwoch unaufhörlich auf dem Zeltplatz der DJK in Hönningen an der Ahr. Am Abend erreichten die Fluten den DJK-Pavillon (rechts im Bild). Das war für die DJK-Betreuer das Zeichen zum Aufbruch. © DJK
Hochwasserkatastrophe

Stadtlohner DJK-Betreuer entfliehen der Flutkatastrophe „kurz vor knapp“

„Kurz vor knapp“ flohen am Mittwochabend 25 Stadtlohner DJK-Ferienlager-Betreuer aus Hönningen vor der Hochwasserkatastrophe. Nicht alle Zelte konnten gerettet werden. Die Lage ist unklar.

Marc Klein-Günnewick ist am Donnerstag noch fassungslos. Der stellvertretende Leiter des Stadtlohner Ferienlagers in Hönningen verfolgt in den Nachrichten die dramatischen Bilder der Hochwasserkatastrophe im Eifelstädtchen Schuld, wo in der Nacht zum Donnerstag Wassermassen mehrere Häuser zum Einsturz gebracht haben. Menschen sind gestorben, viele werden vermisst.

Betreuer verließen am Mittwochabend Zeltgelände an der Ahr

Noch am Mittwochabend waren Marc Klein-Günnewick und rund 25 Betreuerinnen und Betreuer des Stadtlohner Ferienlagers quasi vor Ort. Hönningen liegt wie Schuld an der Ahr, nur etwa acht Kilometer flussabwärts. Auch in Hönningen trat die Ahr über die Ufer, aber nicht mit den katastrophalen Folgen wie im Nachbarort.

Da das DJK-Ferienlager in Hönningen abgebrochen wurde, blieben viele Lebensmittel über. Die spendete das Abbauteam am Mittwoch vor Ort dem wohltätigen Verein
Da das DJK-Ferienlager in Hönningen abgebrochen wurde, blieben viele Lebensmittel über. Die spendete das Abbauteam am Mittwoch vor Ort dem wohltätigen Verein „Markt für Leib und Seele“. Vierter von links: Lagerleiter Norbert Vos, der als einziger Stadtlohner im Katastrophengebiet blieb. © DJK © DJK

Lagerleiter Norbert Vos ist als einziger Stadtlohner in Hönningen geblieben. Telefonisch erreichbar war er bis Donnerstagmittag nicht. „Ich habe es immer wieder versucht. Aber das Handynetz in der Eifel ist ja gestört“, sagt Marc Klein-Günnewick. Was ihn beruhigt: „Norbert hat beim Hausmeister eine sichere Unterkunft. Und Hönningen ist durch seine Lage zur Ahr nicht so schlimm getroffen wie Schuld.“

Kinder und Jugendliche waren schon am Dienstag in Sicherheit

Die gute Nachricht für die Stadtlohner: Das Ferienlager wurde rechtzeitig abgebrochen, nachdem Wetterexperten bereits am vergangenen Wochenende vor dem Starkregen gewarnt hatten. Alle 70 Kinder und Jugendlichen aus Stadtlohn erreichten am Dienstagabend wohlbehalten ihre Heimatstadt. 30 Betreuer aber blieben für Aufräumarbeiten in der Eifel, ein Großteil von ihnen bis Mittwochabend.

„Das war kurz vor knapp“, sagt Marc Klein-Günnewick. Von der sich anbahnenden Katastrophe ahnten die Stadtlohner zu dem Zeitpunkt ja noch nichts. „Eigentlich wollten wir über Schuld zurückfahren. Doch die Straße war schon gesperrt. Wir mussten uns einen neuen Weg suchen. Auch andere Straßen waren gesperrt, Felder überflutet“, sagt Marc Klein-Günnewick.

Teile der Ausrüstung in den Fluten zurückgelassen

Schon den ganzen Mittwoch hatte es ohne Unterlass stark geregnet. Die sonst friedliche Ahr, die unmittelbar am Zeltplatz der Stadtlohner vorbeifließt, hatte sich am Nachmittag in einen reißenden Fluss verwandelt. Dann stieg das Wasser minütlich. Marc Klein-Günnewick: „Um halb fünf haben wir eine Krisensitzung abgehalten. Um Viertel vor sieben stand das Wasser direkt an unserem Pavillon. Sonst fließt der Fluss in 30 bis 40 Meter Entfernung. Da wussten wir: Jetzt wird es höchste Zeit.“

Das große Gemeinschaftszelt konnten die Stadtlohner nicht mehr rechtzeitig abbauen. Ab Mittwochnachmittag wurde es von den Fluten umspült.  Ob es jetzt noch steht, sei fraglich, sagt Marc Klein-Günnewick.
Das große Gemeinschaftszelt konnten die Stadtlohner nicht mehr rechtzeitig abbauen. Ob es jetzt noch steht, sei fraglich, sagt Marc Klein-Günnewick. © DJK © DJK

Noch waren nicht alle Zelte abgebaut. Das große Schützenfestzelt stand schon mitten im Wasser. Kühlanhänger, Zeltanhänger und weiteres Equipment mussten die Stadtlohner zurücklassen. „Materielle Schäden sind zweitrangig. Wichtig war, dass wir alle heil dort rausgekommen sind“, sagt Marc Klein-Günnewick.

Freilichtbühne in Schuld war beliebtes DJK-Ausflugsziel

Wie es jetzt auf dem Zeltplatz aussieht, weiß der stellvertretende Lagerleiter nicht. Er befürchtet das Schlimmste. „Das Wasser ist mit Sicherheit weiter gestiegen. Ein Totalverlust unserer Ausrüstung ist nicht auszuschließen“, so Marc Klein-Günnewick. Auch der Pavillon dürfte überflutet sein.

Ein weggespültes Auto in der Ahr: Im Landkreis Ahrweiler, in dem auch Hönningen liegt, richtete das Hochwasser immense Schäden an.
Ein weggespültes Auto in der Ahr: Im Landkreis Ahrweiler, in dem auch Hönningen liegt, richtete das Hochwasser immense Schäden an. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Aber das ist seine kleinste Sorge angesichts der Opfer und großen Zerstörungen in Schuld. „Sachschäden lassen sich irgendwie ersetzen“, sagt Marc Klein-Günnewick. Sein Mitgefühl gilt vor allem den Menschen in Schuld. Die Gemeinde kennen die Stadtlohner DJKʼler nur zu gut. Alljährlich haben sie dort mit den Ferienlagerkindern die Freilichtbühne besucht.

„Wir verfolgen jetzt, was weiter in der Eifel passiert“, sagt Marc Klein-Günnewick. „Alle unsere Betreuer stehen bereit, um die Aufräumarbeiten auf unserem Zeltplatz in Angriff zu nehmen. Aber wir wollen keinen blinden Aktionismus. Wir müssen abwarten, bis sich die Lage dort entspannt hat.“

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Stefan Grothues

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