Der neue Mühlenplatz mit Blick auf das Berkelwehr © Glück Landschaftsarchitektur
Berkelufer

Stadtlohner FDP fordert neues Nachdenken über den Mühlenplatz „ohne Tabus“

Die Planungen für den neuen Mühlenplatz nehmen Gestalt an. Die Politik zeigt sich angetan. Doch die FDP fürchtet eine Kostenexplosion und will eine „Neubewertung des Projekts ohne Tabus“.

Die Bilder machen Lust auf Sommertage an der Berkel ab 2023. Auf der großen Freitreppe vis-à-vis der Berkelmühle sitzen Menschen im Schatten von Bäumen, lesen oder lassen einfach das Berkelwasser an sich vorüberziehen. Das Wehr rauscht. Und wer über den spektakulären Weg über den Steg oberhalb des Wehres geht, der ist schon an der Berkelmühle, wo ein Café auf dem Mühlenplatz zum Verweilen einlädt.

Die Freitreppe unterhalb des Wehrs soll sich zu einem Treffpunkt entwickeln.
Die Freitreppe unterhalb des Wehrs soll sich zu einem Treffpunkt entwickeln. © Glück Landschaftsarchitektur © Glück Landschaftsarchitektur

Landschaftsarchitekt Michael Glück hat die Bilder in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses in der Stadthalle präsentiert – per Video-Live-Schaltung aus Stuttgart. Transparenz, Eleganz, klare Materialität und hohe Aufenthaltsqualität, das sind für Michael Glück die Leitmotive seines Entwurfs, der 2022 umgesetzt werden soll.

„Platz mit einladender Geste“

Der Mühlenplatz wird als öffentlicher Platz an der Berkel entwickelt. Er orientiert sich mit einer Treppenanlage zum Fluss oberhalb des Wehrs und stellt so einen direkten Bezug Stadtlohns zur Berkel her. Michael Glück: „Für die Bürger und Besucher der Stadt entsteht ein öffentlicher Ort am Fluss mit einer einladenden Geste.“

Landschaftsarchitekt Michael Glück stellte per Video-Live-Schaltung aus Stuttgart die Gestaltungspläne für den neuen Mühlenplatz und die Freitreppen an der Berkel vor.
Landschaftsarchitekt Michael Glück stellte per Video-Live-Schaltung aus Stuttgart die Gestaltungspläne für den neuen Mühlenplatz und die Freitreppen an der Berkel vor. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Mit einigen Stufen im Süden der historischen Mühle zur Burgstraße hin wird der Hochwasserschutz für die Mühle gewährleistet. Ein an die Stufen angelagerter Wassertisch dient als Leitlinie und ist verbindendes Element zwischen der Stadt und dem Fluss.

Die für den Hochwasserschutz notwendige Flutmulde wird als „grüne Fuge“ ausgebildet. Sie verläuft westlich der Berkelmühle. Über diese Mulde kann bei Starkregen das Oberflächenwasser von der Burgstraße direkt in die Berkel unterhalb des Wehrs geleitet werden.

Die Freitreppenanlage und die Berkelmühle von der Mühlenbrücke aus gesehen
Die Freitreppenanlage und die Berkelmühle von der Mühlenbrücke aus gesehen © Glück Landschaftsarchitektur © Glück Landschaftsarchitektur

„Das ist eine runde Sache und sieht alles sehr schön aus.“ Mit diesen Worten signalisierte Hermann Lensker (CDU) die Zustimmung seiner Fraktion zu den Plänen und zum Gestaltungshandbuch. Wolfgang Joppe (UWG), sachkundiger Bürger im Bauausschuss, sprach von einem guten Leitfaden. „Das ist ein schlüssiges Konzept, das wir mittragen können.“

Baukosten belaufen sich auf eine Million Euro

Der „Berkelbalkon“ westlich der Mühle, die große Freitreppe und die Berkelpromenade am Nordufer und der neue Mühlenplatz haben allerdings ihren Preis. Die Kostenberechnung zum Mühlenplatz schließt mit Bruttokosten von gut einer Million Euro ab. 400.000 Euro sind als Zuschüsse aus Städtebaumitteln zu erwarten. Zudem können 310.000 Euro über den Hochwasserschutz finanziert werden.

Bei diesen Beträgen wird es nicht bleiben, davon ist die FDP überzeugt. „Das sieht alles sehr gut aus“, räumte Dennis Bausch im Bauausschuss ein. Aber angesichts bisheriger und zukünftiger Kostensteigerungen müsse das Projekt noch einmal neu bewertet werden.

FDP fordert Neubewertung des gesamten Projekts „ohne Tabus“

Bausch: „Wir wollen das Projekt nicht blockieren. Wir sollten uns aber grundsätzlich fragen, ob wir nicht Teilbereiche weglassen oder verschieben, wenn die Kosten aus dem Ruder laufen.“ Der FDP-Ratsherr betonte: „Wir wollen die Verwaltung und die Lenkungsgruppe nicht kritisieren, dass sie die Kosten nicht im Griff hätten. Aber es wäre fahrlässig, wenn wir jetzt nicht darüber nachdenken.“

Der Fraktionsvorsitzende der FDP, Dr. Albert Daniels, hatte in einem schriftlichen Antrag festgestellt: „Wir müssen gemeinsam versuchen, diese Kostenexplosion in den Griff zu bekommen. Hierfür bedarf es einer Neubewertung des gesamten Projektes ohne Tabus.“ Es müsse überlegt werden, ob zwei Freitreppen notwendig sind und „ob wir nicht auf mindestens eine verzichten können, vielleicht sogar auch auf beide.“

Transparente Geländer und klare Formensprache prägen den Gestaltungsentwurf für die Freitreppen-Anlage.
Transparente Geländer und klare Formensprache prägen den Gestaltungsentwurf für die Freitreppen-Anlage. © Glück Landschaftsarchitektur © Glück Landschaftsarchitektur

Darauf wollten sich CDU, UWG, Grüne und SPD aber nicht einlassen. „Wir müssen vieles im Bereich des technischen Hochwasserschutzes umsetzen. Jetzt sollten wir nicht ausgerechnet bei den Maßnahmen sparen, die die Bürger unmittelbar erleben können“, erklärte Hermann Lensker. Die bisherigen Kostensteigerungen seien nicht projektbedingt, sondern der allgemeinen Kostensteigerung geschuldet.

Große Mehrheit bestätigt das Konzept für Mühlenplatz und Freitreppen

Ähnlich argumentierten auch SPD, UWG und Grüne. Otger Harks (SPD): „Die Erlebbarkeit der Berkel ist zentraler Bestandteil des Konzepts. Das müssen wir beibehalten.“ Wolfgang Joppe: „Wir sollten die Gestaltung nicht auseinanderreißen. Die Freitreppe ist für die Bevölkerung da.“ Günter Dirks (Grüne): „Die Pläne sind in sich stimmig. Wir lehnen den FDP-Antrag ab.“

Das tat der Ausschuss dann auch mit 12 zu 2 Stimmen bei einer Enthaltung. Bei der anschließenden Abstimmung über das Gestaltungskonzept gab es 13 Ja-Stimmen von CDU, UWG, Grünen und SPD. Die zwei FDP-Ausschussmitglieder stimmten nicht gegen das Konzept, sondern enthielten sich der Stimme.

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Stefan Grothues

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