Um die Siedlung Rosendahl-Höven an einem Tag an das Glasfasernetz zu bringen, begannen die Arbeiter am Mittwochmorgen unter Scheinwerfern und schlossen sie am Abend im Dunkeln ab. © privat
Glasfaserausbau

Stadtlohner Glasfaser-Spezialist bringt Siedlung an einem Tag ans Netz

Was sonst acht Wochen braucht, gelang hier an einem Tag: Die Stadtlohner Firma R & R Heming und ihre Partner brachten Rosendahl-Höven ans Glasfaser-Netz. Der Anlass war eine Wette.

Neun Kolonnen, zehn Projektleiter, insgesamt 120 Tiefbauer und Glasfaser-Techniker, 20 Mini-Bagger und weiteres schweres Gerät, drei Kilometer Gräben mit Leerrohren und Glasfaser-Kabeln. In Rosendahl-Höven setzten drei Firmen am vergangenen Mittwoch Manpower und Technik ein, die sie sonst für Großprojekte einsetzen.

Die drei Firmen brachten die Siedlung am Mittwoch ans Glasfaser-Netz.

An einem Tag schafften das die Stadtlohner Firma R. & R. Heming, der Rosendahler Glasfaser-Anbieter Muenet und die Tiefbauer von Flex-Infra aus Moers. Gewöhnlich brauchen zwei bis drei Kolonnen dazu bis zu acht Wochen.

72 Haushalte zeigten Interesse

Grund der Eile war eine selbst gestellte Herausforderung: Als Muenet-Gründer Patrick Nettels und Robert Heming den Glasfaser-Ausbau im letzten Jahresabschnitt planten, fiel ihnen die Hövener Siedlung auf. Die Anschlüsse bis dort hin existierten schon. Heming und Nettels arbeiten bereits seit sechs Jahren gut zusammen und Heming, Geschäftsführer der Stadtlohner Kommunikationstechnik-Firma, warf in den Raum: „Das Dorf mach ich dir an einem Tag.“ Nettels stellte sich der Herausforderung.

Muenet hatte einiges vorbereitet. Nach ersten Anfragen aus der Siedlung um die Kirche St. Marien hatte der Netz-Anbieter letztlich 72 interessierte Haushalte in und um die Siedlung gefunden.

Als Tiefbauer holte Heming die Firma Flex-Infra ins Boot und die Planung konnte beginnen. Vier Wochen strickte ein Planungsteam von 10 Personen Zeitpläne, holte Einschätzungen ein und überzeugte die Mitarbeiter. Dabei bestanden, so Heming, zwei große Risiken.

Durch Planung zwei großen Risiken vermieden

Das erste Risiko war die Corona-Lage. Dazu mussten die Kolonnen getrennt von aneinander arbeiten. Jede Kolonne hatte eigene Dixi-Toiletten. Die Küche musste sie getrennt versorgen und das sowohl münsterländisch deftig wie auch halal. Gut 20 Nationalitäten waren am Mittwoch in Höven unterwegs.

Das zweite Risiko wäre eine leck gebaggerte Gasleitung. In diesem Fall hätten die Arbeiten sofort gestoppt werden müssen. Alle Leitungen der Siedlung mussten die Planer im Blick haben, ob Strom, Wasser, Gas oder Kabel aus Bundespost-Zeiten.

Dazu meldete Heming die Arbeiten bei der Datenbank ALIZ an und wartete vier Wochen ab, ob sich Betreiber anderer Leitungen melden. Heming beneidet hier die Niederländer. Dort greifen Bauleiter vor Ort über ein Tablet direkt auf das zentrale Portal KLIC zu, um die Leitungsnetze einzusehen.

Doch in Höven beschädigten die Arbeiter keine Gasleitung und sogar das Wetter spielte mit. Dies war am Ende auch hilfreich für das Wiederverfüllen und Verdichten des Bodens.

Gute Stimmung vom Dunklen bis ins Dunkle

Um 6 Uhr begannen die Arbeiten unter Scheinwerfern. Jede Kolonne führte immer wieder einen eigenen Arbeitsgang durch: Die einen nahmen Pflastersteine auf, andere hoben Gräben aus, manche legte Leerrohre, andere führte Glasfaser-Kabel per Luftstrom hindurch. Weitere Arbeiter splissten die Hauptleitung in Nebenleitungen und schossen vom Gehweg aus mit der Bodenrakete Hausanschlüsse unter den Hövener Vorgärten hindurch bis zu den Hauswänden.

Projektleiter waren unterwegs, koordinierten die Arbeit und holten Hilfe, falls Probleme auftauchten. „Die Leerrohre waren kaum in der Erde, da wurden schon die Glasfaser-Kabel eingeblasen“, berichtet Nettels.

Zunächst herrschte ein nervöse Stimmung. „Nach einer guten Stunde, als es richtig voran ging, hat man in entspannte Gesichter geguckt“, erinnert er sich. Der Tiefbau war vor der geplanten Zeit fertig. Der letzte Spleiß fand nach Mitternacht statt. Um 1.30 Uhr enthielt der letzte Haushalt sein Endgerät.

Sowohl Heming wie auch Nettels berichten stolz über die Aktion und ihre Vorbereitung. Nettels würde so etwas aber nicht noch einmal machen, es sei zu teuer und nicht effizient. Heming jedoch würde noch einmal so vorgehen, zum Beispiel wenn eine kritische Straße nicht sehr lang gesperrt werden kann. Er weiß jetzt, dass es klappt.

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.