Stadtlohner hatte Drogen im Kühlschrank und eine Machete unterm Sofa

mlzStrafprozess

Amphetamin im Kühlschrank, Kokain im Wohnzimmer, eine Machete unterm Sofa und ein Schlagring im Nachtschränkchen – ein 23 Jahre alter Stadtlohner hat sich in echte Schwierigkeiten gebracht.

Stadtlohn

, 17.06.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wegen Waffenbesitzes und Drogenhandel musste sich am Dienstag ein 23 Jahre alter Stadtlohner vor dem Schöffengericht in Ahaus verantworten. Die Polizei hatte am 13. Februar 2019 bei einer Durchsuchung der Wohnung des jungen Mannes knapp 40 Gramm Amphetamin im Kühlschrank sowie geringen Mengen Cannabis, die Designer-Droge MDMB und Kokain gefunden.

Unterm Sofa entdeckten die Polizeibeamten zudem eine Machete mit einer 28 Zentimeter langen Klinge, im Schlafzimmer einen Schlagring, ein Springmesser, einen als Taschenlampe getarnten Elektroschocker und eine Schreckschusspistole. Doch das Bild das der Angeklagte vor Gericht abgab, passte gar nicht zum Klischee eines gewaltbereiten Drogendealers.

Angeklagter hatte bislang unbescholtenen Lebenslauf

Auf der Anklagebank saß ein aufgeräumter junger Mann mit abgeschlossener Handwerkerausbildung und lückenlosen Berufsweg und ohne Vorstrafen. Doch mit 16, 17 Jahren, so erzählte er vor Gericht, habe er mit dem Konsum von Marihuana begonnen. „Das war meine Einstiegsdroge“, sagte der 23-Jährige. Dabei blieb es aber nicht. Beim Club-Besuch am Wochenende putschte er sich mit Amphetaminen auf, hin und wieder auch mit der harten Droge Kokain.

Und er verkaufte fast ein Jahr lang Marihuana an seinen heute 30-jährigen Arbeitskollegen. Der sagte am Dienstag als Zeuge über den Angeklagten aus: „Im Kollegenkreis hat er gesagt: ,Ich kann euch alles besorgen, Drogen und Waffen.“ Das habe er als Prahlerei empfunden. Aber immerhin bat der 30-Jährige seinen jüngeren Kollegen später unter vier Augen, ihm Marihuana zu besorgen.

Von Februar 2018 bis Februar 2019 verkaufte der Angeklagte seinem Kollegen wöchentlich vier Gramm Marihuana zum Preis von 10 Euro je Gramm. Der Einkaufspreis für den Dealer: 7,30 Euro. Seine Bezugsquelle wollte der Angeklagte vor Gericht nicht nennen.

Kollege verriet Dealer wider Willen

Dass die Polizei ihm auf die Spur kam, ist einem Zufall zu verdanken. Weil er psychische Probleme hatte, offenbarte ein Bekannter seinen Drogenkonsum einer Vertrauensperson. „Ich dachte, das, was ich ihr über den Drogenkauf gesagt hatte, würde vertraulich sein.“

Doch die Polizei erfuhr auf diese Weise von dem Drogenhandel. Bei der Hausdurchsuchung fand sie dann die Waffen und die Drogen. Die in der Wohnung gefundenen Drogen, so beteuerte der Angeklagte, seien ausschließlich für den Eigenkonsum bestimmt gewesen. Der Richter hat Zweifel, betonte aber, dass sich das Gegenteil nicht beweisen lasse.

Der Angeklagte betonte, dass er inzwischen den Drogen abgeschworen habe und seinen Führerschein wiedererlangen wolle. Dafür würde er auch halbjährlich Haarproben abgeben, um nachzuweisen, dass er drogenfrei lebe.

Jugendliche Waffenschwärmerei

„Aber was sollte der Quatsch mit den Waffen?“, wollte der Richter wissen. Die Antwort des Angeklagten: „Ich hab die vom Design her toll gefunden.“ Nie und nimmer habe er die Waffen gebrauchen wollen. Der Richter klärte ihn darüber auf, dass auf Waffenbesitz beim Drogenhandel eine Mindeststrafe von fünf Jahren stehe. In diesem konkreten Fall aber ließ das Gericht diesen Vorwurf mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft fallen, weil es sich wohl eher um ein „jugendtümliches Verhalten“ gehandelt habe.

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Wegen des gewerbsmäßigen Handelns mit Drogen verurteilte das Gericht den 23-Jährigen zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Der Angeklagte muss in dieser Zeit nachweisen, dass er drogenfrei lebt. Außerdem muss er eine Geldbuße in Höhe von 2500 Euro zahlen. „Sie sind ganz knapp an einer erheblichen Haftstrafe vorbeigeschrammt“, sagt der Richter. Gleichzeitig sah er aber auch eine gute Perspektive für den jungen Mann, der beteuerte: „Beides kommt mir nicht mehr in die Wohnung, keine Waffen und keine Drogen.“

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