Agnes Vogtt ist nach dem Impftermin erleichtert. Impfpate Mathias Redders hat die 86-jährige Stadtlohnerin in das Impfzentrum Dülmen begleitet, das der Kreis Coesfeld auf dem Gelände der Sportwagen-Manufaktur Wiesmann eingerichtet hat. © privat
Corona-Impfung

Stadtlohner Impfpaten nutzen freie Impftermine auch in Nachbarkreisen

Die Impfpaten in Stadtlohn schreiben eine Erfolgsgeschichte. Die Nachfrage nach Hilfe ist groß. Die Ehrenamtlichen haben schon viele Impftermine reservieren können – und das nicht nur in Velen.

Vor 30 Jahren war die Stadtlohnerin Agnes Vogtt schon einmal hier in den Hallen der Automanufaktur Wiesmann in Dülmen. Damals holte sie einen Sportwagen für ihre Tochter ab. Am Montag gab es für die heute 86-jährige Agnes Vogtt nur einen Pieks in den Oberarm, der sich jedoch als mindestens so kostbar erweisen könnte. Schließlich rettet die Corona-Impfung Leben.

Der entscheidende Pieks in den Oberarm: Agnes Vogtt erhält die Coronaschutzimpfung.
Der entscheidende Pieks in den Oberarm: Agnes Vogtt erhält die Coronaschutzimpfung. © Mathias Redders © Mathias Redders

Der Stadtlohner Impfpate Mathias Redders hat der Seniorin bei der Online-Anmeldung geholfen und sie am Montag in das Impfzentrum nach Dülmen begleitet. „Alles lief reibungslos, wir waren zusammen drei, vier Stunden unterwegs“, erzählt Mathias Redders.

Der 65-Jährige, der selbst erst vor wenigen Monaten in den Ruhestand ging, hat zusammen mit anderen Stadtlohnern eine Gruppe von Impfpaten ins Leben gerufen. Sie helfen Seniorinnen und Senioren bei der Terminsuche und übernehmen auf Wunsch auch die Fahrdienste.

Terminreservierung in Nachbarkreisen vom Ministerium erlaubt

Dabei blicken die Stadtlohner Impfpaten auch über den Tellerrand des Kreises Borken hinaus. „Wir haben Termine nicht nur im Impfzentrum in Velen, sondern auch in Dülmen oder sogar Herne abgemacht. Anders waren die Termine zeitnah nicht zu bekommen“, sagt Mathias Redders.

Dieses Vorgehen habe das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium ausdrücklich erlaubt, erklärt Ellen Bulten, Sprecherin des Kreises Borken auf Anfrage. Bulten: „Impfwillige aus NRW können sich in allen 53 Impfzentren des Landes Termine reservieren und sich auch dort impfen lassen.“

Impffahrten über die Kreisgrenze sollen Ausnahme bleiben

Mathias Redders betont aber: „Empfehlenswert ist es aber auch sicher nur, wenn man entsprechend begleitet wird. In der ersten Phase der Terminfindung haben wir genommen, was wir kriegen konnten.“ Fahrten außerhalb des Kreises Borken wollen die Impfpaten aber nicht zum Regelfall werden lassen. Redders: „Wir versuchen jetzt auch, die Termine von Herne nach Velen zu verlegen.“

Durchgängig zeige sich, so Mathias Redders, dass wenn der Termin erst mal feststeht, die Senioren „weitestgehend beruhigt sind“, auch wenn sie teilweise bis Mitte April für den ersten Termin warten müssen. In diesen Fällen helfen die Impfpaten auch mit ihrem Angebot, vorab schon früher betreut und auf die wichtigsten Schutzmaßnahmen hingewiesen zu werden.

Termine für alle Interessenten gefunden

„Uns ist es gelungen, für alle Interessenten, die sich bis letzte Woche gemeldet haben, einen Termin zu bekommen“, freut sich Mathias Redders. „Es ist immer noch nicht ganz einfach, man muss halt eben Geduld haben.“ Der IT-Experte Harald Robers, ein ehemaliger Lehrer der Herta-Lebenstein-Realschule, hat für die Impfpaten eine spezielle Anwendung mit allen relevanten Informationen entwickelt, die ständig aktualisiert wird.“

Agnes Vogtt beim Vorgespräch mit der Impfärztin im Impfzentrum in Dülmen. Auch dort können über 80-Jährige aus Stadtlohn geimpft werden.
Agnes Vogtt beim Vorgespräch mit der Impfärztin im Impfzentrum in Dülmen. Auch dort können über 80-Jährige aus Stadtlohn geimpft werden. © Mathias Redders © Mathias Redders

Insgesamt hatten die Impfhelfer in Stadtlohn über 40 Anfragen. Davon wird jetzt etwa die Hälfte der zu Impfenden umfassend betreut, von der Kontaktaufnahme durch den Impfpaten über das Angebot für präventive Maßnahmen bis hin zur Prüfung der Vollständigkeit der Unterlagen. Und natürlich die Hin- und Rückfahrt zum Impfzentrum mit einer „Nachbereitung“ bei einer Tasse Kaffee.

Angebot der Impfpaten ist kostenfrei

Mathias Redders betont, dass sich niemand Sorgen über finanzielle Aspekte der Impfung und der Impfbegleitung machen muss. Wie die Impfung selbst sei auch das Angebot der Impfpaten „selbstverständlich völlig kostenfrei – mit Ausnahme der schon angesprochenen Tasse Kaffee“.

Das Angebot der Impfpaten soll für Stadtlohner Senioren weiter aufrechterhalten werden. Schon jetzt zeichne sich allerdings ab, dass sich die Lage insgesamt doch etwas entspannt, hat Mathias Redders beobachtet. Er vermutet aber, dass es noch „eine gewisse Dunkelziffer“ von Impfwilligen gebe, die davon ausgehen, dass jemand zu ihnen nach Hause kommt und sie nicht selbst aktiv werden müssen.

Darum bieten die Impfpaten Apotheken, Arztpraxen und allen anderen Einrichtungen, die mit Seniorinnen und Senioren in Kontakt kommen, an, sich mit Einverständnis der Betroffenen direkt bei den Impfpaten zu melden. Kontakt: Mathias Redders, Tel. (0160) 5 08 31 31.

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Stefan Grothues

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