Kleiderstube St. Otger hilft seit 36 Jahren mit Kleidung und Spenden

mlzEhrenamtspreis

Die Stadt Stadtlohn hat die Kleiderstube St. Otger mit dem Ehrenamtspreis ausgezeichnet. 25 Frauen bieten Kleidung aus zweiter Hand an und helfen mit dem Erlös auch, aber nicht nur vor Ort.

Stadtlohn

, 20.10.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hier ist für jeden etwas dabei: Beim Betreten der Kleiderstube St. Otger in der Töpferstraße sieht man Kleidung, Kleidung und nochmals Kleidung. Kleider, Hemden, Jacken, Pullover, Anzüge und Schuhe finden sich in großer Zahl auf der etwa 300 Quadratmeter großen Fläche. Auch Kleidung für Kinder ist in allen erdenklichen Größen vorhanden. „Warum soll man Kleidung wegwerfen, wenn man damit noch etwas anfangen kann?“ fragt Marianne Segbers, eine ehrenamtliche Mitarbeiterin der ersten Stunde.

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Dieses Motto gilt in der Kleiderstube seit fast 36 Jahren. Im November 1984 riefen zwölf Stadtlohner Frauen das Projekt ins Leben. Für dieses Engagement wird die Kleiderstube in diesem Jahr mit dem Ehrenamtspreis der Stadt ausgezeichnet, den sie sich mit der DLRG teilt. Mittlerweile zählen 25 Frauen zum Team. „Der Zusammenhalt mit den Frauen ist toll“, freut sich Gertrud Brillert. Seit 2010 teilt sich die Kleiderstube mit dem Verein „Tischlein deck dich“ das Gebäude.

Große Spendenbereitschaft

Gertrud Brillert, ebenfalls seit Beginn dabei, erinnert sich an die Anfangszeit: „Wir haben in einem Raum der alten Realschule am Kalterweg angefangen. Damals kamen die ersten Flüchtlinge nach Stadtlohn.“ In Gescher war kurz zuvor eine vergleichbare Einrichtung geschlossen worden, von der die Stadtlohnerinnen Kleidergestelle übernehmen konnten.

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An drei Tagen in der Woche kann jeder Kleidung aus zweiter Hand zum kleinen Preis einkaufen. „Jacken kosten zum Beispiel zwischen fünf und acht Euro“, erklärt Marianne Segbers. „Die Stadtlohner bringen uns Sachen mit guter Qualität vorbei, wir sortieren das hier und verkaufen die Sachen“, beschreibt sie das Prinzip. Von der großen Spendenbereitschaft zeugen die vollen Kleiderständer.

Bedarf hat seit 2015 zugenommen

„Die Kleiderstube wird gut angenommen. Einige stehen schon vor der Tür, wenn wir kommen. Immer ist die Zeit zu knapp“, stellt Gertrud Brillert fest. 15 bis 20 Kunden kommen pro Woche immer. Dazu kommen die Kleidungsspender. Derzeit dürfen aufgrund der Corona-Beschränkungen nur vier Leute gleichzeitig die Kleiderstube betreten, dennoch bleiben die Besucherzahlen stabil.

Das Angebot in der Kleiderstube St. Otger ist groß.

Das Angebot in der Kleiderstube St. Otger ist groß. © Bastian Becker

Gerade im Zuge der Flüchtlingswelle 2015 habe der Bedarf noch einmal deutlich zugenommen. „2015 konnte sich jeder Flüchtling kostenlos bei uns einkleiden“, erinnert sich Marianne Segbers an ein ereignisreiches Jahr.

Die Kleiderstube St. Otger ist am Dienstag (9-12 und 15-18 Uhr), Mittwoch (15 bis 18 Uhr) und Freitag (16-18.30 Uhr) geöffnet. In den Schulferien ist die Kleiderstube geschlossen. Es wird darum gebeten, Kleidung nicht in Säcken, sondern in offenen Kartons abzugeben.

Den Überblick über die Anzahl der Kleidungsstücke haben die Frauen längst verloren. „Früher haben wir eine Strichliste geführt“, blickt Gertrud Brillert zurück. Heute sei das bei der großen Menge nicht mehr möglich. „Es dauert lange, die Kleidung zu sortieren“, berichtet Marianne Segbers aus dem Alltag. Gerade haben die Mitarbeiterinnen der Kleiderstube die Sommerkleidung aussortiert.

Unterstützung verschiedener Projekte

„Der Erlös aus dem Verkauf bleibt in Stadtlohn“, betont Marianne Segbers. Schulen, Kindergärten, Hospiz, der Reitverein Fortuna und einige andere Einrichtungen in der Stadt haben im Laufe der Zeit bereits von den Spenden aus der Kleiderstube profitiert.

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Seit 30 Jahren unterstützt die Kleiderstube ein Schulprojekt in Ghana. Kleidungsspenden mit geringerer Qualität werden über die KAB St. Georg in Vreden nach Belarus weitergeleitet. Die 750 Euro für den Ehrenamtspreis will die Kleiderstube auf jeden Fall auch spenden. Das genaue Ziel wollen die Frauen noch besprechen.

„Ich hoffe, dass wir weiter vielen Leuten helfen können. Die Kleiderstube ist in Stadtlohn eigentlich schon eine Institution“, meint Marianne Segbers nachdenklich.

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