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Stadtlohner Landwirte sind auf jährlich 1,8 Millionen Euro Flächenprämien angewiesen

mlzEU-Agrarförderung

1,8 Millionen Euro zahlt die EU jährlich an die Stadtlohner Landwirte. Die Flächenprämien für Acker- und Grünland sind eine wichtige Einnahmequelle – aber sie sind kein Geschenk.

Stadtlohn

, 17.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Christoph Völker blickt zufrieden übers grün wogende Feld am Gescher Damm. Der Winterweizen steht schon hüfthoch und hat sich gut entwickelt. Der Almsicker Landwirt hat auch die Frühjahrsbestellung seiner Felder abgeschlossen: 14 Hektar Energie- und Zuckerrüben, 21,5 Hektar Weizen und Triticale, 44,5 Hektar Silomais. Geerntet wird im Spätsommer und im Herbst. Wie die Ernte ausfallen wird, ist noch ungewiss. Sicher ist aber die Ernte, die am 28. Dezember eingefahren wird. Dann ist Zahltag der EU.

141 Stadtlohner erhalten im Durchschnitt 12.600 Euro Flächenprämie

141 Stadtlohner erhalten jeweils am 28. Dezember insgesamt rund 1,8 Millionen Euro Flächenprämie, 280 Euro je Hektar. Das macht in Stadtlohn im Durchschnitt rund 12.600 Euro je Begünstigten. Etwa die Hälfte der Zahlungsempfänger kassiert eine vergleichbar kleine Prämie unter 5000 Euro. 53 Stadtlohner Landwirte erhalten eine fünfstellige Summe. Den zwei Spitzenempfängern in Stadtlohn zahlt die EU 115.000 und 128.000 Euro Flächenprämie. Diese Zahlen hat die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung für das Jahr 2017 veröffentlicht.

Wichtige Hilfe bei Durststrecken

Während Christoph Völker im Frühjahr auf dem Feld mit dem Traktor seine Bahnen zog, hat seine Frau Cäcilia im Büro die Antragsunterlagen für die Flächenprämie beackert. Christoph Völker zeigt auf die Flut der Formulare, die vor ihm auf demTisch liegen. „Der Ackerbau macht mir richtig Spaß, das ist mein Hobby. Die Büroarbeit eher weniger“, sagt der 52-jährige Landwirt.

Stadtlohner Landwirte sind auf jährlich 1,8 Millionen Euro Flächenprämien angewiesen

Der Antrag auf die Flächenprämie bringt für Landwirt Christoph Völker und seine Frau Cäcilia jede Menge Papierkram mit sich. © Stefan Grothues

Doch die Direktzahlungen aus Brüssel sind eine wichtige Einnahmequelle für den Almsicker Hof. „Es gibt nicht wenige Landwirte, die den Zahltag am 28. Dezember sehnlich erwarten“, sagt Christoph Völker. Besonders nach einem Dürresommer wie im vergangenen Jahr, der für die Betriebe massive Ernteausfälle, erhöhte Aufwendungen und Durststrecken mit sich brachte.

Prämien sind Ausgleich für hohe Standards

Die Zahlungen der EU sind aus Völkers Sicht kein Geschenk. „Es gibt gute Gründe für die Prämie“, sagt der Landwirt. „Sie ist ein Ausgleich für besonders hohe Standards in Sachen Umwelt, Tierhaltung und soziale Fragen.“ Ohne die Prämien, davon ist Christoph Völker überzeugt, wäre die hiesige Landwirtschaft international nicht konkurrenzfähig. „Ich habe vor einiger Zeit die Ukraine besucht. Gegen die dortigen Betriebe sind wir hier nur Kleingärtner“, so der Almsicker Landwirt. Beim Pflanzenschutz und Tierhaltung gäbe es dort zudem viel geringere Auflagen.

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Christoph Völker ist aber stolz auf die Einhaltung der strengen Auflagen und das damit verbundene hohe Ansehen, das Lebensmittel aus der deutschen Landwirtschaft weltweit besitzen. Völker: „Die Chinesen sind bereit, für Milchpulver deutscher Hersteller den vielfachen Preis zu zahlen. Das ehrt uns Landwirte doch.“ Die Flächenprämie aus Brüssel sei notwendig, um das Überleben einer international wettbewerbsfähigen Landwirtschaft in Deutschland zu sichern. „Die Landwirte in Stadtlohn und im Kreis Borken sind auf die Prämie angewiesen“, sagt Christoph Völker.

Auflagen gelten für Acker und Stall

„Die Antragstellung können die Landwirte ohne Mithilfe der Landwirtschaftskammer kaum bewältigen“, sagt Christoph Völker. Bis auf den Quadratmeter genau müssen unter dem Stichwort „Greening“ Flächennutzungen, ökologisch sinnvolle Zwischenfrüchte oder Untersaaten nachgewiesen werden. „Maismonokulturen sind nicht erlaubt“, sagt er Almsicker Landwirt. „Ich muss mindestens drei Fruchtarten anbauen.“ Die Auflagen betreffen nicht nur die Fläche, sondern auch die Bullen- und Hähnchenmast auf dem Hof Völker.

Stadtlohner Landwirte sind auf jährlich 1,8 Millionen Euro Flächenprämien angewiesen

Mastbulle im Stall von Christoph Völker © Stefan Grothues

Bei den Kontrollen nehmen es die EU-Prüfer ganz genau. „Irrwitzig genau“, sagt Christoph Völker. Nicht nur per Satellitenaufnahmen wird der Anbau genauestens überprüft. „Da fällt schon mal ein Zelt auf, das für die Feier einer Silberhochzeit aufgestellt wurde.“ Alle drei bis vier Jahre machen sich die Prüfer auch vor Ort auf den Höfen ein genaues Bild. „Im letzten Jahr waren die Prüfer auf unserem Hof“, erzählt Völker. Und? „Alles in Ordnung. Wir mussten nur wegen des neuen Radwegs von Büren nach Legden ein wenig nachbessern. Da sind uns einige Quadratmeter verloren gegangen.“ Stimmen Anträge und Wirklichkeit nicht überein, drohen den Landwirten empfindliche Sanktionen.

Christoph Völker indessen schaut zuversichtlich in die Zukunft. Die Ursprünge seiner Familie und des Hofes in Almsick lassen sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Mit dem Ackerbau, der Tierzucht, einer Biogasanlage und Fotovoltaik ist der Betrieb auch für die Zukunft breit und gut aufgestellt. Und ganz wichtig: Der 15-jährige Sohn will in die Fußstapfen seines Vaters treten. „Ohne dass wir ihn gedrängt haben“, betont sein Vater.

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