Stadtlohner Mönch lebt in Washington

Alter Orden in Neuer Welt

Die Ordensleute der Karmeliten schätzen Stille und Einkehr. Den Stadtlohner Rolf Nepomuk Willemsen aber führte der Orden in das pulsierende Herz der USA, nach Washington DC. Das ist kein Widerspruch. Denn schließlich sehen die Karmeliten das Gebet als Grundlage für den Dienst am Menschen.

STADTLOHN

, 15.01.2016, 18:28 Uhr / Lesedauer: 2 min
Rolf Nepomuk Willemsen (l.), hier vor dem Weißen Haus, ist vor fünf Jahren in die USA ausgewandert. Am Sonntag feiert er in St. Otger seine Heimatprimiz. privat

Rolf Nepomuk Willemsen (l.), hier vor dem Weißen Haus, ist vor fünf Jahren in die USA ausgewandert. Am Sonntag feiert er in St. Otger seine Heimatprimiz. privat

Am vergangenen Sonntag hat der 39-Jährige aus Stadtlohn in Washington sein Ordensgelübde abgelegt und lebenslang Armut, Gehorsam und ehelose Keuschheit versprochen. Wie aber hat Willemsen den Weg in den über 800 Jahre alten Orden gefunden? Und wie in die Neue Welt?

Als Student der Sozialarbeit in Bamberg lernte er 1998 zum ersten Mal den Orden von Karmel kennen. Der damalige Studentenpfarrer gehörte dem Orden an. Willemsen: "Von Anfang an gefiel mir, dass die Karmeliten das Gebet als Ausdruck der Freundschaft mit Gott verstehen und dass Zeiten der Zurückgezogenheit und Stille dazu dienen sich dem Willen Gottes zu öffnen. "

Bereits 2002 wurde der Stadtlohner Karmelit in der deutschen Provinz des Ordens - aber nur für fünf Jahre. "Ich war mir jedoch damals nicht mehr sicher, ob dies tatsächlich der Weg ist, zu dem Gott mich beruft." Doch auch nach seinem Austritt blieben persönliche Freundschaften mit Karmeliten aus den USA bestehen. "Ich entdeckte neu, dass es für mich eine Zukunft in der Gemeinschaft geben kann, wenn auch in den USA."

Wiedereintritt

2011 siedelte Willemsen in die USA über. Nach einjähriger geistlicher Begleitung hatte er sich dazu entschieden, seinen Beruf als Sozialarbeiter in der Wohnungslosenhilfe in Offenburg aufzugeben, um wieder in den Karmelitenorden einzutreten.

In den USA sind die Karmeliten vor allem in der Pfarrseelsorge, in Schulen und in Exerzitienhäusern tätig. Rolf Nepomuk Willemsen selbst studiert zurzeit noch Theologie an der Katholischen Universität von Amerika in Washington.

"Ich lebe im Ausbildungshaus des Ordens zusammen mit 15 Mitbrüdern aus allen Teilen der Welt. Nebenbei arbeite ich in der Studentenseelsorge", berichtet Willemsen.

In den vergangenen zwei Jahren war er bereits als Lehrer an einer Schule des Ordens in Tucson, Arizona eingesetzt. "Dort habe ich einen Eindruck davon gewinnen können, wie der Alltag später ausschauen könnte." Im Mai wird Willemsen zum Diakon geweiht. In der Nähe von New York wird er dann Erfahrungen in der Pfarrseelsorge sammeln. Voraussichtlich folgt 2017 die Priesterweihe.

Mit Stadtlohn verbunden

Seiner Heimatstadt Stadtlohn bleibt Willemsen verbunden. "Auch heute noch komme ich immer wieder gerne in die Heimat, um meine Familie und Freunde zu besuchen." Ansonsten hält ihn die Familie auf dem Laufenden - von Kirche über Kommunalpolitik bis hin zum Karneval. "Trotz der Entfernung fühle ich mich so gut verbunden", sagt Rolf Nepomuk Willemsen.

Und das Ordensleben ist keine strenge Klausur: "In meiner Freizeit gehe ich schon mal mit Freunden aus - die Amerikaner werden immer besser im Bierbrauen."

 

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