Die Stadthalle, Baujahr 1970, ist in die Jahre gekommen. Vor allem im Dachbereich besteht dringender und teurer Sanierungsbedarf. © Markus Gehring
Stadthalle

Statiker skeptisch: In der Stadtlohner Stadthalle liegt manches im Argen

Die Stadthalle bleibt gesperrt. Statiker bezweifeln, dass sie bald wieder geöffnet werden kann. Die Untersuchung ist noch nicht beendet. Sicher aber ist: Die Halle verschlingt viel Geld.

Die Stadtlohner Stadthalle hat in den letzten 50 Jahren viele Gesichter gezeigt: mal ausgelassen fröhlich bei der Prinzenproklamation, mal gediegen feierlich bei einer Jubiläumsgala, mal rockig laut bei Konzerten, mal mucksmäuschenstill wie zuletzt bei den Abiturprüfungen.

Am Mittwochabend hat Manfred Frericks dem Stadtlohner Rat die Gesichter der Stadthalle gezeigt, die sonst im Verborgenen bleiben, die dunkle Seite der Architektur, die Vergänglichkeit. Die Stadt Stadtlohn hatte das Münsteraner Architekturbüro „e4 Architekten“ beauftragt, den Bauzustand der Stadthalle zu begutachten. Das Ergebnis ist alles andere als erfreulich.

Wie schwer sind die Kronleuchter (Archivbild) in der Stadthalle? Und ist die Deckenunterkonstruktion tragfähig? Diese Fragen werden zurzeit von Statiker geklärt.
Wie schwer sind die Kronleuchter (Archivbild) in der Stadthalle? Und ist die Deckenunterkonstruktion tragfähig? Diese Fragen werden zurzeit von Statiker geklärt. © Christian Bödding © Christian Bödding

Manfred Frericks ist Inhaber von e4 Architekten. Der gebürtige Stadtlohner ist genauso alt wie die 1970 eröffnete Stadthalle. Die hat aber offenbar ihre besten Zeiten schon hinter sich, wie die Analyse von Frericks deutlich zeigte. Der Architekt hatte mehrere Fachplaner für Statik, Elektrik, Sanitär und Lüftung hinzugezogen.

Bilder dokumentierten die Mängel

Spröde Fugen, Betonabplatzungen, morsche Parkettpartien, unzureichende Sanitäranlagen, marode Abwasserkanäle, ungeklärter Brandschutz, offene Kabeladern, bröckelnde Treppenstufen – die mit vielen Fotos illustrierte Mängelliste war lang. Vieles lasse sich mit mehr oder weniger Aufwand instand setzen, erklärte Manfred Frericks.

Was dem Experten aber richtige Sorgen bereitet, ist der Blick nach oben: aufs und unters Dach. Zum einen, so Frericks, gebe es nach Niederschlägen zu große Wasseransammlungen auf den Flachdächern, die nur mangelhaft instand gehalten worden seien. „Da liegt einiges im Argen, was die Dauerhaftigkeit der Konstruktion beeinträchtigen kann.“ Das heißt konkret: Wasser dringt in die Dachkonstruktion ein, die Dämmung ist teilweise durchnässt, die Holzschalung leidet unter der Feuchtigkeit.

Genagelte Verbindungen statisch nicht zu berechnen

Die zweite Hauptsorge: Die abgehängte Decke in der Halle hat keine Statik. Niemand kenne das Gewicht der Kronleuchter und der Holzkonstruktion. Die genagelten Verbindungen könnten nicht berechnet werden, die Kontrollgänge in der Konstruktion seien zu risikoreich.

Manfred Frericks: „Zwei Statiker sind unabhängig voneinander zu dem Schluss gekommen, dass die Tragfähigkeit der Unterkonstruktion nicht bestätigt werden kann.“ Das hat, wie bereits berichtet, vor einigen Wochen die Schließung der Stadthalle erforderlich gemacht.

Fast eine halbe Million Euro Investitionsstau

Bürgermeister Berthold Dittmann nannte diesen Schritt am Mittwoch richtig. Die Untersuchungen der Statiker dauern noch an. Der Bürgermeister äußerte die Hoffnung, dass ja die abgehängte Decke vielleicht doch noch bleiben könnte und die Stadthalle bald wieder genutzt werden könnte. Manfred Frericks hat große Zweifel daran: „Beide Fachingenieure gehen eher nicht davon aus.“

Und nun? Das endgültige Ergebnis der statischen Untersuchungen bleibt abzuwarten. Doch wie auch immer sie ausfallen, muss eine Menge Geld investiert werden. In den nächsten zwei bis drei Jahren rechnet Manfred Frericks mit rund 460.000 Euro, die nötig seien, nur um den Investitionsstau zu beseitigen und der Verkehrssicherungspflicht Genüge zu tun. Er fügte hinzu: „Da ist die Funktion und Ästhetik noch außen vorgelassen. Die Halle bleibt alt. Und die laufenden Kosten werden in den nächsten Jahren sicher noch höher werden.“

Neubau oder Sanierung? Politiker müssen bald entscheiden

Mit diesem Gutachten dürfte die politische Diskussion um die Zukunft der Stadthalle bald auf die Zielgerade gehen. Am Mittwoch stand sie noch nicht auf der Tagesordnung. Für Dr. Albert Daniels (FDP) stand schon vor der Vorstellung des Gutachtens fest: „Die Tage der Stadthalle sind gezählt.“ Zurückhaltender äußerte sich Reinhold Dapper (SPD): „Noch ist nicht sicher, dass die Stadthalle weg muss. Es gibt auch gute Gründe, ältere Gebäude zu erhalten, die das Gesicht einer Stadt prägen.“ Aber da kannte er das Gutachten noch nicht.

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Stefan Grothues

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