Rockmusiker Stoppok probt für Deutschlandtournee im Stadtlohner Lokschuppen

mlzStoppok in Stadtlohn

Eine Woche probte Stefan Stoppok mit seiner Band im Stadtlohner Lokschuppen, um sich auf seine Tour vorzubereiten. Mit dem Münsterland verbindet er vor allem trinkfeste Menschen.

Stadtlohn

, 04.03.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Stefan Stoppok (64) ist Rockmusiker und Liedermacher. Seit Jahrzehnten füllt der gebürtige Hamburger Hallen in ganz Deutschland. Mit der Redaktion sprach er wenige Stunden vor dem Auftakt seiner Tour im alten Lokschuppen des Stadtlohner Fotografen Thomas Willemsen – wo er seit einer Woche mit seiner Band für die anstehende Tour probt – über feucht-fröhliche Konzerte in Ahaus und den Shitstorm nach dem Song „Lass alle rein“.

Herr Stoppok, was verschlägt Sie nach Stadtlohn?

Ich kenne Thomas Willemsen – den „Könich“ – schon ewig. Er kommt auch aus Essen, wo ich aufgewachsen bin. In Musikerkreisen kennt man sich dann. Es ist schon so ewig her, dass ich nicht einmal mehr weiß, wo wir das erste Mal aufeinander trafen.

Und Thomas Willemsen hat Ihnen dann seinen Lokschuppen für Proben angeboten?

Ich habe ihn schon öfter in Stadtlohn besucht und irgendwann hat er mir vorgeschlagen, dass ich mich doch hier auf die Tour vorbereiten könnte. Der Lokschuppen ist ein klasse Ort zum Proben. Und es ist immer schön, wenn man nicht in irgendwelche Hotels fahren muss, sondern die ganze Band vor Ort untergebracht ist. Eine wirklich coole Location.

Vor einer Woche haben Sie hier Ihr Quartier aufgeschlagen. Am Abend startet Ihre Tour in der Gelsenkirchener Kaue. Wie liefen die Vorbereitungen?

Für uns waren diese sechs Tage vergleichsweise viel Vorlaufzeit. Ich probe absolut ungern, es ist einfach nervig. Ich stehe viel lieber auf der Bühne. Aber Wolly Ingram, unser Drummer, kommt aus Los Angeles und der braucht immer ein paar Tage, um seinen Jetlag in den Griff zu bekommen. Jetzt hatte er Zeit, sich zu akklimatisieren.

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Ihre Band hat ein straffes Programm vor sich. 21 Auftritte bis zum Ende des Monats. Freuen Sie sich auf einen Ort am meisten?

Aktuell bin ich einfach froh, wenn kein Konzert abgesagt wird wegen des blöden Coronavirus‘ (lacht). Wir haben deswegen schon beschlossen, dass nicht mehr als 1000 Leute kommen. Um zur Frage zurückzukommen: Ich freue mich auf jeden Abend, aber es gibt immer Kleinigkeiten, die den Ort besonders machen. In Gelsenkirchen kocht zum Beispiel immer Annette für uns – das vielleicht beste Catering der Tour.

Am 22. März treten Sie genau an diesem Ort, wo wir gerade sitzen, auf. Schon in der Vergangenheit gaben Sie Konzerte in Ahaus und Stadtlohn. Was sind Ihre Erinnerungen?

Vielleicht hat sich das heute geändert, aber ich erinnere mich daran, dass das Publikum sehr betrunken war (lacht erneut). So viele Betrunkene auf einem Haufen habe ich glaube ich noch nie gesehen. Es war aber immer lustig. Es gab ein Konzert in Ahaus, da hat das Publikum so viel Zeug dazwischen gequatscht, dass es für mich nur eine Lösung gab: mich auf der Bühne mitzubetrinken. Aber den Rückstand konnte ich nicht mehr aufholen. Ansonsten hat mich die Region aber sehr positiv überrascht.

Stefan Stoppok kommt am 22. März zurück nach Stadtlohn.

Stefan Stoppok kommt am 22. März zurück nach Stadtlohn. © Lokomotiv Fotografie

Inwiefern?

Ich finde es spannend, dass es hier noch einen so starken Mittelstand gibt. Wo gibt es denn sonst noch mehrere eigenständige Modehäuser in der Innenstadt? Den Menschen geht es hier offenbar noch ganz gut.

Apropos ganz gut: Ihr neues Album ist auf Platz vier in die Charts eingestiegen. Die Texte sind sehr gesellschaftskritisch. Glauben Sie, damit haben Sie den Nerv der Zeit getroffen?

Wir haben eine sehr spezielle Zeit. Es gibt entweder die Leute, die völlig abgestumpft sind oder die Leute, denen es auf den Sack geht, was in der Welt abgeht. Als Künstler sollte man Probleme benennen und Kritik in eine Form gießen, die nicht mit dem Zeigefinger daher kommt. Meine Texte enthalten immer einen ironischen Blick.

Beim Song „Lass sie rein“ – in dem sie klar sich für die Aufnahme von Flüchtlingen und Seenotrettung aussprechen – ist das anders...

Da haben Sie recht. Das ist überhaupt nicht ironisch gemeint. Die Aussage „Lass sie rein“ lag mir auf dem Herzen. Denn irgendwann ist das Mittelmeer voll mit Leichen. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir in Zukunft nicht mehr in diesen festen Grenzen weiterleben werden. Wir können die Probleme wie Armut und Krieg nicht verdrängen, auch wenn viele Menschen in Deutschland Angst haben. Ich habe aber keine Angst und sehe stattdessen eine Chance darin.

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In den sozialen Netzwerken ernteten Sie für das Lied nicht nur Zuspruch, um es mild zu formulieren...

Man konnte ja ahnen, was kommen wird. Es ist erstaunlich, wie planbar ein solcher Shitstorm ist. Die Kommentare, die da im Sekundentakt aufploppten, waren teilweise hanebüchen. Das Video hatte auf Youtube mehr Dislikes als Aufrufe. Hauptsache Hass, Hass, Hass. Irgendwann hatten wir genug, haben Kommentare deaktiviert und auch die Polizei eingeschaltet. Das weckte schon Erinnerungen an die 1920er-Jahre; nur mit neuen Propaganda-Instrumenten.

Gab es auch in der echten Welt Kommentare?

Auch einige Fans wollten darüber reden, aber auf eine konstruktive Art. Es wurde nie beleidigend. Und dann ist es auch ok.

Zurück zu Ihrem neuen Album „Jubel“. Auf Spotify und Amazon wurde es bereits Zehntausende Male abgespielt. Wie stehen Sie eigentlich zu den Streaming-Plattformen?

Ich sehe das sehr kritisch. Aber die großen Konzerne haben es geschafft, auch diese Branche zu übernehmen. Das Geld kommt nicht mehr dort an, wo das Produkt geschaffen wird, sondern bei Zwischenhändlern. Der Kuchen muss wieder anders verteilt werden. Egal ob bei Landwirten oder Künstlern. Sonst bricht die Gesellschaft irgendwann auseinander. Wir müssen zusammen aufstehen.

Warum bieten Sie Ihre Songs trotzdem auf den Plattformen an?

Wir haben lange überlegt, ob wir uns da ganz rausnehmen sollen. Aber die Konsequenz ist, dass man viel weniger Menschen erreicht. Und als Musiker macht man schließlich Musik, damit man gehört wird.

Info:

Stoppok und Band kommen im Rahmen ihrer Jubel-Tour am 22. März nach Stadtlohn in den Lokschuppen, Bahnallee 19. Tickets gibt es im Vorverkauf für 30 Euro, an der Abendkasse für 36 Euro im Bürgerbüro der Stadt Stadtlohn, im Lokschuppen und Online. Einlass ist um 19 Uhr, Konzertbeginn um 20 Uhr.
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