Sternsinger in Stadtlohn sammeln Spenden und bekommen dafür auch Ablehnung zu spüren

mlzSternsinger Stadtlohn

Fast 200 Kinder haben sich am Samstag als Sternsinger in Stadtlohn auf den Weg gemacht. Neben viel Freude über so viel Engagement haben einige von ihnen auch Ablehnung erfahren.

von Christin Lesker

Stadtlohn

, 05.01.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ihr seid ein Segen für alle Kinder, für die ihr heute Spenden sammelt“, mit diesen Worten eröffnet Kaplan Jonas Hagedorn am Samstagmorgen den Entsendegottesdienst der Sternsinger in Stadtlohn. Doch das schienen nicht alle besuchten Stadtlohner so zu sehen.

Die Reihen der St.-Otger-Kirche sind an diesem Morgen voll mit Kindern und Erwachsenen. Wohin man schaut, blitzen auffällig gestaltete, goldene Kronen. Unter ihren roten und lilafarbenen Gewändern haben sich die Sternsinger warm eingepackt und der eine oder andere lässt sich noch schnell das Gesicht schwarz anmalen, bevor es los geht.

200 Sternsinger in 60 Gruppen in Stadtlohn unterwegs

Die fast 200 Kinder haben sich zu gut 60 Gruppen zusammen geschlossen. Von der Leitern der Messdiener St. Otger werden die Gruppen mit einer Karte vom zugeteilten Gebiet, einer Spendenbox, einem Sternsinger-Dienstausweis und natürlich einem Stern ausgestattet.

Sternsinger in Stadtlohn sammeln Spenden und bekommen dafür auch Ablehnung zu spüren

Paul, Johann, Katharina und Emma (v.l.) bildeten eine Gruppe. Katharina war mit sieben Jahren die Jüngste der Gruppe und übernahm den Sternträger-Job. © Christin Lesker

Schon während des Gottesdienstes gibt es mehrmals großen Applaus und einen Segen für die vielen Sternsinger, die sich trotz Regen und Kälte auf den Weg machen. Dann ziehen die Gruppen hochmotiviert in alle Richtungen los.

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Sternsinger in Stadtlohn werden teilweise regelrecht weggejagt

Nach gut zwei Stunden ist es Zeit für eine Stärkung im Warmen. Im Pfarrzentrum warten Hot Dogs und Nachtisch auf die fleißigen Freiwilligen. Viele kommen mit einem breiten Grinsen in den großen Saal des Otgerus-Hauses und berichten mit leuchtenden Augen von den vielen Spenden, die sie schon gesammelt haben und von den kleinen Aufmerksamkeiten, die sie von den Menschen in den Häusern bekommen. Andere erzählen etwas enttäuscht, wie wenig Leute die Tür öffnen.

Sternsinger in Stadtlohn sammeln Spenden und bekommen dafür auch Ablehnung zu spüren

Mittagspause im Otgerus-Haus. Die Messdienerleiter verteilten Hot Dogs an die fleißigen Sternsinger. © Christin Lesker

Manche reagieren sogar richtig unfreundlich und verjagen die Sternsinger regelrecht. „Ein Mann hat uns die Tür geöffnet und sofort abgewimmelt. Er meinte, er spendet nicht für die katholische Kirche oder den Vatikan, die hätten genug Geld“, erzählt Pia Dücker, die als Erwachsene von Haus zu Haus zieht. Man habe sich gar nicht anhören wollen, warum die Sternsinger unterwegs sind und wofür die Spenden gesammelt werden.

Anerkennung für die Sternsinger gewünscht

„Ich bin nur froh, dass sich das keine Kinder anhören mussten“, findet ihre Freundin Johanna Eickholt. „Egal wie man zur Kirche steht, es gibt Kinder, die verhungern, und für die machen wir uns heute auf den Weg, deshalb würde ich mir wünschen, dass die Menschen freundlich sind.“

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Alina Wassing aus der Messdiener-Leiterrunde findet solche ablehnenden Reaktionen besonders für die Kinder sehr schade und meint: „Man muss nicht viel geben, aber man sollte wertschätzen, was die Kinder an diesem Tag leisten.“

Viele positive Begegnungen für die Sternsinger in Stadlohn

Diesen wenigen negativen Begegnungen stehen jedoch umso mehr schöne gegenüber. „Ganz viele, vor allem ältere Menschen, sind total nett und freuen sich riesig“, berichtet Annie Cohaus mit einem Strahlen im Gesicht, als sie mit ihrer Gruppe zum Mittagessen ins Pfarrzentrum kommt. Wie viele andere ist sie schon seit mehreren Jahren dabei.

Sternsinger in Stadtlohn sammeln Spenden und bekommen dafür auch Ablehnung zu spüren

Annie, Clara, Auri und Lotta (v.l.) freuten sich über ausgedruckte Fotos. Nachdem die Mädchen an seiner Tür gesungen haben, hat ein Mann die Fotos sofort entwickeln lassen und im Otgerus-Haus vorbei gebracht. © Christin Lesker

Am Tisch tauschen sich die Freundinnen über den Spaß und die Erinnerungen an die letzten drei Jahren aus. Andere Kinder berichten von alten Damen, die Tränen in den Augen haben, weil sie sich so über die Sternsinger freuen.

Messdiener organisieren die Sternsinger-Aktion

Für die Organisation der Sternsinger-Aktion ist vor allem ein Organisations-Team der Messdiener-Leiterrunde verantwortlich. Sie kümmern sich um die Koordination, die Verpflegung, die Spenden und den Transport der Kinder. Für die gesamte Leiterrunde ist das jedes Jahr eine „coole Aktion“, findet Julia Wolbert. „Man kann an diesem einen Tag durch sein Ehrenamt so viel erreichen und es macht auch einfach Spaß.“

Sternsinger in Stadtlohn sammeln Spenden und bekommen dafür auch Ablehnung zu spüren

Rieke (l.) und ihre Freundinnen nach dem Entsendegottesdienst. Sie freuten sich auf das Sternsingen ihrem Gebiet. © Christin Lesker

„Solche Aktionen bringen uns als Gruppe immer weiter zusammen“, ergänzt Merle Voßkamp. Eine Gruppe der Leiterrunde hat sich bereits am Freitag als Sternsinger auf den Weg durch das Industrie-Gebiet gemacht. Neben Jonas Hagedorn und den Messdienern helfen noch weitere Ehrenamtliche, ohne die das Projekt nicht möglich wäre.

Spenden gehen nicht nur in den Libanon

Auf den Armbändern, die jedes Kind umgebunden bekommt, steht das Motto der Sternsinger-Aktion: „Segen bringen, Segen sein“ Wenn sie mit Kreide „20*C+M+B+20“ an die Hauswand schreiben, bringen die Sternsinger den Segen Gottes in die Stadtlohner Häuser und durch die Spenden, die sie dabei sammeln, sind sie ein Segen für die Kinder im Libanon, die vom Krieg betroffen sind und denen mit den Spenden geholfen wird.

Neben dem deutschlandweiten Spendenprojekt für den Libanon spendet die Gemeinde Stadtlohn in diesem Jahr auch an die kleine Schule Sonnenstrahl, das Urwaldkrankenhaus in Litembo, eine Armenküche in Peru und Pater Beda in Brasilien.

In diesem Jahr haben die Sternsinger in Stadtlohn und Büren insgesamt 26.186 Euro Spenden gesammelt.

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