Der Deutz bekommt auf dem Flugplatz ordentlich zu tun und eine Gruppe Kinder empfängt mich jubelnd in Wendfeld. In der Bauerschaft bin ich mit meinem Traktor eine echte Attraktion.

Stadtlohn

, 11.09.2019, 14:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Einmal soll der Deutz auf dieser Tour richtig arbeiten. Dafür habe ich mir den Flugplatz zwischen Stadtlohn und Vreden ausgesucht.

Norbert Hetkamp, Geschäftsführer am Flugplatz, übernimmt die Organisation und hat auch gleich eine Idee. Ich soll mich bei Dieter Gehling melden. Der Fluggerätemechaniker aus Südlohn betreibt dort seit 1998 die Flugzeugwerkstatt.

Ich knattere mit dem Deutz mitten auf den Flugplatz, vorbei an der großen Tankstelle und dem Flugzeug der Fallschirmspringer, das an diesem sonnigen Nachmittag unablässig seine Runden dreht. Vor dem Tor steht ein großes gelbes Agrarflugzeug. Eine PZL-106 Kruk. „Das ist ja praktisch auch ein Traktor“, sagt Dieter Gehling.

Rangieren wird nicht mein größtes Hobby

Ich rangiere rückwärts vor die Kruk, verpasse ein paar Mal die Deichsel, schaffe es aber schließlich doch, das Flugzeug an den Haken zu nehmen. Ganz sachte schleppe ich ein paar Meter vorwärts, halte dann aber doch schnell wieder an. Die fast 15 Meter Spannweite sind mir dann doch etwas ungeheuer.

Rückwärts schieben wir die Maschine wieder auf ihre Parkposition. Allerdings per Hand. Sicher ist sicher. Nicht, dass ich noch eine Macke in den restaurierten Flugzeug-Oldtimer fahre.

Probesitzen in sowjetischem Weltkriegsjäger

Dieter Gehling nimmt mich noch für eine kleine Führung mit in die Flugzeughalle. Dort stehen unter anderem ein Wasserflugzeug, eine zweimotorige Propellermaschine und eine Yak-9, ein sowjetischer Jäger aus dem Zweiten Weltkrieg. Der ist gerade auf der Durchreise zu einer Flugshow nach Stuttgart. Der Ölkühler muss allerdings noch überholt werden.

Schwere Traktor-Arbeit auf dem Rollfeld und Kinderbelustigung auf einem Hof in Wendfeld

Redakteur Stephan Teine darf im Cockpit der Yak-9 probesitzen. Ausnahmsweise ist der Sitz des Deutz deutlich bequemer. © Stephan Teine

Ich darf für einen Moment in die enge Pilotenkanzel klettern, lasse mir die vielen Schalter und Hebel erklären. Viel Platz ist dort nicht. „Das ist eben ein Jäger und keine gemütliche Passagiermaschine“, sagt der Pilot lachend, als ich wieder auf den Boden zurückkraxele.

Ich knattere wieder durch das Tor und mache mich auf den Weg nach Wendfeld. Familie Wolters hatte mich eingeladen. Ich dürfe gerne vorbeikommen und dort auch übernachten.

Verwinkelte Wege füren von Wenning- nach Wendfeld

Die Wirtschaftswege zwischen Wenningfeld und Wendfeld ziehen sich ein bisschen und sind auch recht verwinkelt. Das erklären mir auch Maria und Thomas Wolters, als ich an ihrem Haus in Sichtweite zum alten Nato-Turm ankomme. „Wir sind zwar Stadtlohner, orientieren uns aber meistens fürs Einkaufen in Richtung Wüllen oder Vreden“, sagt Maria Wolters.

Seit 1840 lebt die Familie Wolters dort in Wendfeld. Den Hof erhalten sie zwar, bewirtschaften die Felder aber nicht mehr selbst. „Das hat noch mein Vater aufgegeben“, erklärt Thomas Wolters. Selbst den Hof zu übernehmen, sei für ihn und seine beiden Geschwister nie ein Thema gewesen. Er wurde lieber Ingenieur.

Große Kinderschar tobt rund um das Haus

Rund um das Haus der Familie tobt gerade eine ganze Schar Kinder. Hermann (10), Ludger (7) und Christine (4) Wolters haben gerade Freunde zu Besuch. Mit Titus Harmann, Keke und Mads Milewski sowie Noah Kömmelt bauen sie gerade an ihrer Hütte. Ein Überbleibsel aus dem Gaxel-Lager 2018, das inzwischen auf beachtliche drei Stockwerke angewachsen ist. Zwischendurch sind sie auch immer wieder mit verschiedenen kleinen Fahrzeugen unterwegs und mähen die Seitenstreifen des Wegs zum Nato-Turm. „Wir ernten Heu“, erzählt Hermann Wolters schwer beschäftigt.

Schwere Traktor-Arbeit auf dem Rollfeld und Kinderbelustigung auf einem Hof in Wendfeld

Titus Hamann, Keke Milewski, Christine Wolters, Hermann Wolters, Mads Milewski, Ludger Woltes und Noah Kömmelt wollten sich in Wendfeld am Dienstagabend den Deutz von Redakteur Stephan Teine ganz aus der Nähe ansehen. © Stephan Teine

Als sie den kleinen Deutz erobern können und mit mir zusammen eine Runde um den Nato-Turm drehen dürfen, sind Ernte und Bauarbeiten natürlich schnell vergessen.

Nach dem gemeinsamen Grillen bringt Maria Wolters die Besucher wieder nach Hause. Wir bleiben noch eine Weile auf der Terrasse sitzen, unterhalten uns, bevor ich mich in mein Zelt verkrümel.

Wecker klingelt unchristlich früh

Früh um 7 Uhr klingelt mein Wecker. Für mich eine eher unchristliche Zeit. Hermann Wolters sitzt da aber schon seit einer Viertelstunde im Großraumtaxi, das ihn zur Losbergschule bringt. Auch Henrika (13), die älteste Tochter der Wolters und ihr kleiner Bruder Ludger sind schon auf dem Sprung zum Bus.

Schwere Traktor-Arbeit auf dem Rollfeld und Kinderbelustigung auf einem Hof in Wendfeld

Die Jungs mit ihrer Hütte. Mittlerweile ist das Gebilde aus Paletten und jeder Menge Schrauben schon über drei Stockwerke hoch. © Stephan Teine

Ludger erreicht ihn. Henrika kommt wenige Minuten später wieder zurück. „Bus verpasst, das hab ich mir schon gedacht“, sagt Maria Wolters, schnappt sich die kleine Christine und fährt beide nach Stadtlohn. Henrika zur Herta-Lebenstein-Realschule, die Kleine in den Don-Bosco-Kindergarten. „Das bringt das Leben im Außenbereich eben mit sich“, sagt sie und zuckt mit den Schultern. Tauschen würde sie trotzdem nicht mit einem Leben in der Stadt.

Für mich geht die Zeit bei den Wolters‘ schon zu Ende. Ich packe meine Siebensachen, baue das Zelt ab und mache mich wieder auf den Weg.

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