Thomas Redders (29) zeigt, wie jeder sein eigenes Bier brauen kann

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Jeder kennt es, fast jeder trinkt es, selber gemacht hat es aber kaum jemand. Wie jeder Bier zu Hause brauen kann, das erfuhren die Teilnehmer eines Bier- und Brauseminares.

Stadtlohn

, 08.07.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Krombacher, Warsteiner, Veltins, König Pilsener – wer kennt sie nicht. Manche sollen sie sogar lieben, die TV-Biersorten, die gerne gut gekühlt aus den heimischen Kühlschränken genommen werden. Diese bekannten und konsumigen Biere waren beim Bier- und Brauseminar von Thomas Redders am Samstag in Stadtlohn aber nicht im Ausschank.

Beim Biertasting verriet Thomas Redders viel über die von ihm ausgewählten Biere.

Beim Biertasting verriet Thomas Redders viel über die von ihm ausgewählten Biere. © Bernd Schlusemann

Der Student der Brauerei- und Getränketechnologie an der Technischen Universität in Berlin hatte für seine Zuhörer und Mitbrauer acht ausgesuchte Biere eingekauft, über die der 29-Jährige beim Tasting viel erzählen konnte. Nach dem Begrüßungsbier im Elternhaus des Stadtlohners am Nonnenweg setzte Thomas Redders zunächst mit den Seminarteilnehmern eine Maische an. Dabei wurde geschrotetes Getreide mit rund 20 Litern Wasser vermischt und erhitzt.

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Ziel sollte es sein, bis zum Abend ein kaltgehopftes Pale Ale im Gärtank zu haben. Pale Ale, das ist eine Biersorte aus hellem Malz, hopfenbetont und obergärig. Sie ist deutlich heller als das klassische, aus England stammende Ale, erklärt Thomas Redders.

Acht unterschiedliche Biere stellte der Seminarleiter den Teilnehmern vor.

Acht unterschiedliche Biere stellte der Seminarleiter den Teilnehmern vor. © Bernd Schlusemann

Beim Maischen gibt es verschiedene Prozesse, bei denen die Maische immer wieder auf unterschiedliche Temperaturen aufgeheizt wird, um dann wieder zu „Ruhen“. Ziel ist es, dass sich der Zucker im Getreidemalz löst und später mit Hefe für den Gärprozess sorgt. Durch die Hefe wird der Zucker in Alkohol und Kohlensäure umgewandelt.

Verschiedene „saure Biere“ probiert

Nicht nur die Zeiten der Ruhe für die Maische waren Zeiten des Probierens für die Seminarteilnehmer. Thomas Redders stellte seinen Gästen acht „saure Biere“ vor. Dazu gehörten zum Beispiel das „Berliner Weiße“ oder ein belgisches „Gueuze“. Auch ein India Pale Ale (IPA) konnten die Seminarteilnehmer probieren: extrem hopfig und mit viel Alkohol. Ein sogenanntes „Stout“ kam mit Kaffeearomen im Bier daher und auch ein Bier, dass auf Maracuja gelagert wurde, gab es beim Tasting. „Mit war es wichtig, verschiedene Stile zu zeigen, und Biere, die nicht sofort bekannt sind“, so Thomas Redders.

Die Teilnehmer erfuhren viel über die unterschiedlichen Biere.

Die Teilnehmer erfuhren viel über die unterschiedlichen Biere. © Bernd Schlusemann

Zwischendurch erfuhren die Teilnehmer, dass Deutschland der weltweit größte Hopfenanbauer ist oder dass der aus der Werbung bekannte Siegelhopfen nicht in den Dimensionen angebaut wird, wie er für das das durch ihn bekannte Bier beim Brauen benötigt wird. Allerdings: Siegelhopfen sei immer Bestandteil des Brauprozesses.

„Dünnes Radler“ auf Zitronenschalen gelagert

Wenn Thomas Redders für sich privat braut, das verriet er den Teilnehmern, dann braut er auch schon mal mit Himbeeren oder Johannisbeeren. Und: Ein „dünnes Radler“ lagert er auf Zitronenschalen.

Zwischendurch wird eine Probe genommen, um die Verzuckerung der Maische zu prüfen.

Zwischendurch wird eine Probe genommen, um die Verzuckerung der Maische zu prüfen. © Bernd Schlusemann

Für den Brauprozess müsse man, „wenn man es gemütlich macht, etwa einen Tag einplanen“, erklärte Redders. „Das führt zur Wertschätzung des Ganzen“, zog der 29-Jährige den Vergleich zum gekauften Bier, das einfach gut gekühlt aus dem Kühlschrank gezogen wird.

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Thomas Redders erklärte seinen Zuhörern den gesamten Brauprozess in Theorie und Praxis, vermittelte dazu Wissen rund um das Bier. Allerdings konnten die Teilnehmer das gebraute Bier noch nicht probieren.

Bier muss gären und lagern

„Das Bier muss gären und es muss lagern“, erklärte der Bierbrauer. Erst in der übernächsten Woche könne das Bier abgefüllt werden. Und: Nach der Gärung gibt Thomas Redders noch einmal Hopfen dazu. „Das gibt mehr Hopfenaroma, ohne dass es zu bitter wird“, das Bier schmecke ausgewogener.

Thomas Redders (links) mit Teilnehmern seines Bierbrauseminares.

Thomas Redders (links) mit Teilnehmern seines Bierbrauseminares. © Bernd Schlusemann

Ob das so ist, erfahren die Teilnehmer aber erst in etwa zwei Wochen. Wer will, kann dann zum Abfüllen des Bieres kommen. Das wird dann etwa fünf Prozent Alkoholgehalt haben.

Wie war die Resonanz bei den Teilnehmern? Thomas Redders hat von zwei Teilnehmern das Feedback erhalten, dass sie sich als Bierbrauer versuchen wollen. Vielleicht gibt es ja schon bald ein „Stadtlohner Ale“ aus einer privaten kleinen „Brauerei“.

Die Maische, aus der am Ende ein schmackhaftes Bier werden sollte.

Die Maische, aus der am Ende ein schmackhaftes Bier werden sollte. © Bernd Schlusemann

Thomas Redders studiert Brauerei- und Getränketechnologie in Berlin. Gleichzeitig ist er Autor bei den „Hofpenhelden“, einem in Berlin produzierten Biermagazin. Es wurde 2013 gegründet und nennt sich selbst Deutschlands führendes Biermagazin.
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