Tochter stahl mit Freundin Tausende Euro aus Geldversteck des Vaters

mlzJugendstrafprozess

48.000 Euro hatte ein Stadtlohner privat deponiert. Weil seine Tochter und ihre Freundin 11.000 Euro aus dem Versteck gestohlen haben sollen, standen die jungen Frauen am Montag vor Gericht.

Stadtlohn

, 30.09.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich ging es um den Diebstahl von Geld, von viel Geld. Im Hintergrund aber ging es auch um zerrissene Familien, um Gewalterfahrungen, eine verkorkste Vater-Tochter-Beziehung und um Rache. So stellten es jedenfalls zwei junge Frauen dar, heute 17 und 19 Jahre alt, die sich am Montag vor dem Jugendrichter verantworten mussten.

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Laut Anklage sollten die beiden in Stadtlohn aus einem privaten Geldversteck des 49 Jahre alten Vaters der 19-Jährigen in der Zeit von September 2017 bis April dieses Jahres 11.000 Euro gestohlen haben. Im Kern räumten beide Angeklagten den gemeinschaftlichen Diebstahl ein. „Ja, ich stehe dazu“, sagte die 19-Jährige vor Gericht.

Fünf Mal hatten sie und ihre Freundin aus dem Gelddepot 500-Euro-Scheine entnommen. „Es waren aber insgesamt höchstens 5000 Euro“, so die 19-Jährige. Das könne man ja an ihrem Konto sehen. Die beiden Freundinnen hatten das Geld aufs Girokonto eingezahlt, um kleinere Geldscheine ausbezahlt zu bekommen. „Mit 500-Euro-Scheinen kann man im Geschäft ja nicht bezahlen.“

Gestohlenes Geld für „Konsumzwecke“ ausgegeben

Jetzt ist das Geld weg. Die beiden jungen Frauen gaben das Geld nach den Worten des Staatsanwalts „für Konsumzwecke“ aus, unter anderem für ein Smartphone, das die Polizei inzwischen eingezogen hat. Geld und Konsum waren aber nicht das einzige Motiv. „Ich wollte dieser Person eins auswischen, sie hat es verdient. Das, was mir angetan wurde, ist mit Geld gar nicht zu bezahlen“, sagte die 19-Jährige und meinte mit „dieser Person“ ihren Vater.

„In unserer Familie war Gewalt immer die beste Lösung“, fügte sie erklärend hinzu.“ Sie sei als Kind hin und her geschoben worden und zeitweilig bei ihrer Tante aufgewachsen. „Für meinen Vater war die Arbeit immer wichtiger als ich.“ Wegen der Gewalt in der Familie habe sie sich schon als Zwölfjährige hilfesuchend an die Polizei und an das Jugendamt gewandt.

Tochter: Im Geldversteck war Schwarzgeld

2016 zog ihr Vater mit der Mutter ihrer Freundin zusammen. Die Freundin und Mitangeklagte erklärte sich voll und ganz solidarisch mit der 19-Jährigen: „Sie ist für mich wie eine Schwester.“ Darum hätten sie die Diebstähle auch gemeinschaftlich begangen.

Bei der polizeilichen Vernehmung hatten die beiden entschuldigend angegeben, bei dem Geld handele es sich ja schließlich nur um Schwarzgeld. Der Richter stellte im Prozess unmissverständlich klar: „Die Herkunft des Geldes spielt heute keine Rolle. Sie dürfen auch kein Schwarzgeld stehlen.“ Die unklare Herkunft des Geldes sei Thema in einem anderen Verfahren.

80 Sozialstunden verhängt

Der Richter wertete das Geständnis der beiden Angeklagten, die bislang frei von Vorstrafen sind, als strafmildernd. Auch erkannte er an, dass die beiden nicht allein aus Habgier gehandelt hätten, sondern subjektiv aus „durchaus nachvollziehbaren Gründen“. In Übereinstimmung mit dem Staatsanwalt verhängte er innerhalb des Jugendstrafrechts eine erzieherische Strafe: Jeweils 80 Sozialstunden müssen die beiden jungen Frauen innerhalb der nächsten sechs Monate ableisten. Von einer Geldauflage sah er angesichts der Einkommensverhältnisse der Angeklagten ab.

Der geschädigte Vater, der als Zeuge geladen war, wurde wegen des Geständnisses der beiden Angeklagten nicht mehr gehört. Er rief nach dem Urteil in den Saal: „Und wie bekomme ich mein Geld wieder?“ Der Richter antwortete lakonisch. „Da müssen Sie sich selbst drum kümmern.“ Diese Frage sei keine Frage des Strafprozesses, sondern müsse in einem zivilrechtlichen Verfahren geklärt werden. Der Vater der 17-jährigen Mitangeklagten rief dem Diebstahlopfer zu: „Du darfst ja auch nicht schwarzarbeiten.“ Der 49-Jährige reagierte kopfschüttelnd: „Das war überhaupt kein Schwarzgeld!“

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