Trinkwasserverluste sind nicht nur auf Rohrschäden zurückzuführen

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Trinkwasser ist ein kostbares Gut. Tausende Liter aber versickern täglich im SVS-Gebiet durch schadhafte Rohre ungenutzt im Boden. Das beklagte die FDP im Rat – allerdings mit veralteten Zahlen.

Stadtlohn

, 29.06.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Trinkwasserknappheit hat in den letzten Dürresommern die Stadtlohner immer wieder beschäftigt. Darum forderte der FDP-Fraktionsvorsitzende Bernd Schöning in der jüngsten Ratssitzung eine Strategiedebatte, die im Herbst mit dem Geschäftsführer der SVS-Versorgungsbetriebe im Rat geführt werden soll.

Schöning sprach dabei auch kritisch mögliche „Streuverluste“ im Trinkwassernetz der SVS, die sich durch schadhafte Rohre ergeben. Bernd Schöning: „Durchs Internet geistern die Zahlen von sechs bis acht Prozent Streuverlust“. Das würde bedeuten: Jährlich verlieren die SVS in ihrem Netz 180.000 bis 240.000 Kubikmeter Trinkwasser.

Verluste im SVS-Netz unter dem Bundesdurchschnitt

Schon in der Ratssitzung zweifelte der SPD-Fraktionsvorsitzende Otger Harks die von Schöning genannten Zahlen an. Auf Anfrage unserer Redaktion widersprach auch der SVS-Geschäftsführer Thomas Spieß den von Schöning genannten Zahlen. „Wir sind auf einem guten Weg und haben die Wasserverluste in den letzten Jahren minimieren können“, sagt der SVS-Geschäftsführer.

Wasserrohrbruch 2017: SVS-Geschäftsführer Thomas Spieß und Wassermeister Markus Hörbelt begutachten am Südlohner Weg den Schaden. Seit 2017 konnten die Wasserverluste deutlich verringert werden.

Wasserrohrbruch 2017: SVS-Geschäftsführer Thomas Spieß und Wassermeister Markus Hörbelt begutachten am Südlohner Weg den Schaden. Seit 2017 konnten die Wasserverluste deutlich verringert werden. © Michael Schley

In Zahlen bedeutet das: Im letzten Jahr lag der Wasserverlust im rund 400 Kilometer langen Trinkwasserversorgungsnetz für 12.000 Haushalte in Stadtlohn, Vreden und Südlohn nach Angaben von Thomas Spieß bei 3,7 Prozent. Spieß: „Das ist ein guter Wert. Damit liegen wir deutlich unter dem Durchschnitt der Wasserversorger in Deutschland.“

In der Tat. Nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), das bundesweit über 1900 Unternehmen vertritt, schwankte in Deutschland der durchschnittliche Wasserverlust in den letzen Jahren zwischen 5,3 und 6,6 Prozent des Bruttowasseraufkommens. Anfangs des Jahrtausends waren es bundesweit sogar 7,3 bis 8,6 Prozent.

Trinkwassernetz ist 400 Kilometer lang

Noch im Jahr 2017 habe der Wasserverlust deutlich über den aktuellen Werten gelegen, so Thomas Spieß. „Damals könnten wir schon die sechs bis acht Prozent Verlust erreicht haben.“ Ein Grund: Im Juni 2017 war am Südlohner Weg die Hauptleitung, die die Stadt mit dem Wasserwerk in Hundewick verbindet, geborsten, vermutlich aufgrund von Materialermüdung und Erdbewegungen.

Das ist aber nur ein Störfall von von vielen. Eine Bedrohung der Rohrleitungen sind Eigenheimbesitzer, die mit Minibaggern in ihren Gärten aktiv werden, um zum Beispiel Zaunfundamente zu legen. Ein Großteil der Rohrbrüche gehen nach SVS-Angaben auf deren Kappe. Deswegen empfehlen die SVS-Versorgungsbetriebe allen dringend, vor Tiefbauarbeiten einen Blick in die Leitungspläne zu werfen.

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Doch auch der gesunkene Verlustwert von 3,7 Prozent bedeutet einen täglichen Verlust von über 300.000 Litern Wasser. Spieß: „Jeder Tropfen zählt für uns. Das Trinkwasser ist ein begrenzt vorhandenes Lebensmittel und wird für uns immer wertvoller.“ Darum legten die SVS auch ein großes Augenmerk auf die Leckortung und schnelle Behebung von Rohrleitungsschäden. Abschnittsweise Nullpunktmessungen helfen bei der Leckortung. Ein hundertprozentig dichtes Netz könne es aber nicht geben, ebenso wenig eine ständige lückenlose Kontrolle der Dichtheit. Spieß: „Wir achten aber ständig auf mögliche Auffälligkeiten und werden dann sofort aktiv.“

Im Übrigen, so Spieß, seien die Wasserverluste nicht nur auf Rohrschäden zurückzuführen. Schließlich fänden ja regelmäßig auch Rohrspülungen statt und auch im Wasserwerk selbst werde Betriebswasser gebraucht. Und es gibt noch einen weiteren Wasserverbrauch, der am Zähler vorbeirauscht: Löschwasserentnahmen aus dem öffentlichen Netz durch die Feuerwehr in Stadtlohn, Südlohn und Vreden werden ebenfalls als Wasserverlust verbucht.

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