Turbinenhäuschen der Berkelmühle ist jetzt nur noch Geschichte

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Die Berkelmühle bleibt, das Turbinenhäuschen ist Geschichte. In dieser Woche ist der Anbau mitsamt Zulaufkanal abgerissen worden. Im Mai beginnen die Rohbauarbeiten zum Erhalt der Berkelmühle.

Stadtlohn

, 05.03.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jahrhunderte lang haben Öl-, Getreide- und Sägemüller in Stadtlohn die Kraft des Berkelwassers genutzt. Unter dem lauten Hämmern des Hydraulikhammers eines Abrissbaggers sind in dieser Woche die letzten architektonischen Einrichtungen für die Wasserkraftnutzung verschwunden: Das Turbinenhäuschen und der Zulaufkanal aus Beton sind abgerissen worden.

Ohne Turbinenhäuschen und Zulaufkanal ist die Abdichtung des Gebäudes technisch einfacher zu verwirklichen, hatten die Bauexperten nach eingehenden Untersuchungen festgestellt. Aus den gleichen Gründen hat sich schon vor einem Jahr der Bauausschuss der Stadt Stadtlohn einstimmig gegen einen Wiederaufbau des Turbinenhäuschens ausgesprochen.

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Die Abrissarbeiten sind Auftakt für die Sicherung des Gebäudes. „Im Mai beginnen die Rohbauarbeiten an der Berkelmühle. Das Dach wird erneuert, die Außenhaut überarbeitet und der Treppenturm gebaut“, erklärt Gerd Große-Frericks vom Fachbereich Planen, Bauen und Umwelt der Stadt Stadtlohn.

900-jährige Mühlengeschichte

Turbinenhäuschen und Zulaufkanal erinnerten an die stolze und weit zurückreichende Mühlengeschichte. Schon um das Jahr 1150 herum dürfte die Mühle beim Bau der Burg Lohn gestanden haben. Erstmals urkundlich erwähnt wird die Wassermühle allerdings erst 1364.

Laut einer Inschrift wurde sie im 18. Jahrhundert von Grund auf renoviert. Damals hatte sie noch drei unterschlägige Wasserräder. Damit wurden drei Mahlgänge und eine Sägemühle angetrieben. Außerdem ging das Gebäude 1803 in den Besitz des Fürsten zu Salm-Horstmar über.

So sah das Turbinenhaus der Berkelmühle aus.

So sah das Turbinenhaus der Berkelmühle aus. © Stefan Grothues

Ein Brand im Sommer 1913 zerstörte die alte Berkelmühle komplett. Kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges genehmigte der Bürgermeister den Wiederaufbau. Wo früher drei schmale Wasserräder aus Holz waren, gab es danach nur ein einziges breites Rad, das dennoch drei Mahlgänge gleichzeitig antrieb. Die neu errichtete Mühle wurde 1945 durch Bomben völlig zerstört.

Bis 2018 wurde Strom erzeugt

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte die Mühle zu den ersten Bauten der Stadt, die wieder aufgebaut wurden, um den Mühlenbetrieb aufrecht zu erhalten. Zu diesem Zeitpunkt verschwand auch das Mühlenrad und es wurde auf die technisch modernere Turbine umgestellt. Bis 2018 wurde hier noch elektrische Energie erzeugt.

Wäre es nicht möglich, auch in Zukunft mit einer Turbine klimafreundlichen Berkelstrom zu erzeugen? Nein, sagt Gerd Große Fericks. „Aus Artenschutzgründen müssen wir im Bereich des Wehrs eine Fischtreppe bauen. Dadurch fließt ein großer Teil des Wassers ab. Es bleibt zu wenig Wasser, um hier effizient Strom erzeugen zu können.“

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Das Wehr wird im Jahr 2021 erneuert. Dann wird auch die Fischtreppe gebaut. Nach dem Bauzeitplan soll anschließend bis 2023 das Mühleninnere für Gastronomie, SMS-Stadtmarketing und das Haus der kleinen Forscher umgebaut werden.

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