Draußen fühlt sich Tina Söbbing am wohlsten, wie hier im Zion-National Park in Utah im Dezember 2020. © Tina Söbbing
Tina Söbbing

Ultramarathons in kalifornischer Wildnis: Tina Söbbing ist Mountain-Runnerin

Vom flachen Münsterland zog es Tina Söbbing aus Stadtlohn ins kalifornische Gebirge. Dort lebt die 39-Jährige heute in einem Vorort von San Diego und widmet ihre Freizeit dem Trail-Running.

Tina Söbbing hat ihn wahr gemacht, ihren ganz persönlichen amerikanischen Traum. Seit 2008 lebt die gebürtige Stadtlohnerin in San Diego in Südkalifornien. „Ich liebe mein Leben hier“, sagt die 39-Jährige, die kein ganz alltägliches Hobby hat. Tina Söbbing ist eine Mountain Runnerin, die sogenannte Trails rennt. „Ich laufe die Berge rauf und runter“, sagt die energetische Extremsportlerin lachend.

Und weildsie sympathische Wahl-Kalifornierin mit münsterländischen Wurzeln sich schnell langweilt, geht sie dabei oft an ihre persönlichen Grenzen. Bis zu 50 Meilen, circa 80 Kilometer, legt sie dabei zurück, erklimmt Höhen von mehr als 2000 Metern, nimmt an Ultramarathons teil. „Der Körper kann so viel mehr als wir selber denken“, ist Söbbing überzeugt. Das Laufen fordere auch ihren Kopf, insbesondere, weil sie sich immer neue Strecken sucht.

Hund ist in Rente

Kaum einer ihrer amerikanischen Freunde kann da mithalten und sogar Hundeseniorin Amy, die mit ausgewandert ist, bleibt inzwischen lieber zu Hause, wenn ihr Frauchen bis zu elf Stunden lang die Berge unsicher macht. Diese extremen Langstrecken läuft die 39-Jährige aber nicht jeden Tag. „Ich habe einen selbst erstellten Trainingsplan“, sagt sie. Über drei Wochen erhöhe sie die Distanz, lasse es dann zwei Wochen etwas ruhiger angehen und gebe dann wieder Vollgas.

Tina Söbbing ist ganz in ihrem Element beim Trail Running im heimischen San Diego.
Tina Söbbing ist ganz in ihrem Element beim Trail Running im heimischen San Diego. © Tina Söbbing © Tina Söbbing

Zwei Ruhetage in der Woche seien nötig, um ihre Muskulatur zu schonen, denn von Verletzungen bleibt auch die Ultra-Marathonläuferin nicht verschont. „Gerade zwickt es mich schon wieder“, muss sie im Gespräch mit der Redaktion gestehen. Da helfe nur eine Ruhepause, die ihr so gar nicht leichtfällt. „Ich kann nicht den ganzen Tag auf der Couch liegen“, sagt sie – schon Böses ahnend, aber noch gut gelaunt wie immer.

Ein paar Tage ohne Laufen seien für einen Bewegungsjunkie wie sie schwer auszuhalten: „Da fühlt man sich fett und steif.“ Gewichtsprobleme kennt sie hingegen nicht. „Ich esse total viel“, erzählt sie. Schaffe sie ihre Mindest-Kalorienzahl einmal nicht, merke sie am nächsten Tag direkt eine Leistungsminderung.

Aufstehen um 4.30 Uhr

An ihrer neuen Heimat liebe sie die atemberaubende Wildnis und Weite, die sie auch gerne als Backpackerin erkundet, wenn sie gerade mal nicht rennt. „Das hat man in Deutschland nicht“, stellt sie fest.

Nach Deutschland zieht es sie deshalb nicht zurück, nur ihre Familie vermisse sie. Durch mindestens zwei Telefonate pro Woche halte sie aber regelmäßigen Kontakt. Auch die Zeitverschiebung von neun Stunden sei da kein Problem, weil sie eine Frühaufsteherin ist. „Ich stehe um 4.30 Uhr auf“, so Tina Söbbing. Eben ein Morgenmensch.

Tina Söbbing und Hund Amy haben den Gipfel von Südkaliforniens höchstem Berg erklommen. Der San Gorgonio Mountain ist 3505 Meter hoch.
Tina Söbbing und Hund Amy haben den Gipfel von Südkaliforniens höchstem Berg erklommen. Der San Gorgonio Mountain ist 3505 Meter hoch. © Tina Söbbing © Tina Söbbing

Wie passend, dass sie in den frühen Morgenstunden auch die optimalen Bedingungen zum Laufen vorfindet. „Da ist es noch kühl“, erklärt sie. In der Mittagshitze mache es ihr keinen Spaß. Außerdem: „Ich liebe es, wenn ich morgens schon was geschafft habe.“

Deutsche und amerikanische Staatsbürgerin

Dass sie nicht um 8 Uhr am Schreibtisch sitzen muss, sei bei ihrem Hobby schon praktisch. „In Amerika ist man da flexibler“, so die Auswanderin, die neben der deutschen auch die amerikanische Staatsbürgerschaft hat. Die sogenannte Beibehaltungsgenehmigung macht es möglich. „Ich musste dafür einen Aufsatz schreiben, warum ich die deutsche Staatsangehörigkeit behalten möchte“, erinnert sich die Deutsch-Amerikanerin, die nach mehr als vier Jahren zu Weihnachten mal wieder nach Deutschland reist.

Ob da die Chance auf Schnee im Flachland besteht? Den liebt die Kalifornien-Auswanderin nämlich ähnlich sehr wie Hund Amy, der wie sein Frauchen in Deutschland geboren wurde und auf jeder Reise mit dabei war. Einen Widerspruch zum sonnigen kalifornischen Süden sieht Tina Söbbing dabei nicht. „Hier kann man alles haben“, fasst sie die Vielfalt der Landschaft, die Trail Running ebenso ermöglicht wie Windsurfen und Sonnenbaden am Strand, zusammen. „Im Winter liegt in den Bergen auch Schnee.“ Dann erklimmt sie als Bergsteigerin auch den höchsten Gipfel, denn Grenzen existieren für das Multitalent nur in unserer Vorstellung.

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