Unverpackt gibt’s nicht – aber Gemüse im Netz, Glasflaschen und Aufschnitt in Mehrwegdosen

mlzUnverpackt-Läden

„Unverpackt“ einkaufen? In Münster möglich, im Westmünsterland noch nicht. Vielmehr stößt die Idee bei Geschäftsleuten auf wenig Gegenliebe. Ein Grund: die Probleme mit der Hygiene.

Stadtlohn, Ahaus, Legden, Südlohn

, 30.10.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In Münster gibt es ihn schon in zwei Ausführungen – in ländlichen Regionen und auch im Kreis Borken hat sich das Vorhaben bisher kaum durchgesetzt: das Modell des Unverpackt-Ladens. Ein Geschäft, bei dem der Kunde Lebensmittel wie Getreide, Nudeln, Nüsse und Co sowie auch Haushaltsprodukte wie Waschmittel oder Seife in selbst mitgebrachte Behälter abfüllen kann.

Wir haben bei Anbietern in der Region nachgefragt: Wie stehen sie zu „Unverpackt“, inwieweit bieten sie es an, oder planen sie es einzuführen?

„Wir begrüßen die Konzepte von Unverpackt-Läden, möchten es aktuell bei uns im Hofladen aber nicht umsetzen“, sagt Ulrike Heidemann, die beim Biohof Lesker in Stadtlohn für den Bereich Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

„Wichtiger für uns ist es, an allen Stellen der Lieferkette, vom Feld bis zum Kunden, auf überflüssige Verpackungen zu verzichten und wo es nur geht ressourcenschonende Lösungen zu nutzen“, betont sie.

Wirklich weniger Verpackungsmaterial?

Verpackungen vermeiden und den Einkauf in eigenen Dosen nach Hause bringen: Was nach einer guten Idee klingt, hat wohl auch seine Schwächen. Auf den ersten Blick wirkt es wie eine Vermeidung von Verpackungsmaterial, wenn Lebensmittel und Produkte für Küche und Bad in großen Boxen gelagert werden.

Aber: „Oftmals werden beispielsweise Nudeln in Fünf-Kilogramm-Gebinden an Unverpackt-Läden geliefert. Diese sind mit schwerer Folie verpackt und somit wird mehr Verpackung benötigt, als wenn man zum Beispiel einzelne Nudelpackungen anbietet“, nennt Ulrike Heidemann ein Beispiel.

Biohof mit Lieferservice

Im Hofladen bei Lesker lassen sich beispielsweise Obst und Gemüse unverpackt kaufen und es werden kleine Boxen angeboten, in die man seine Eier hineinlegen kann. Außerdem können Kunden des Biohofs eigene Behälter zum Wurst- und Käseeinkauf mitbringen. „Zudem liefern wir über unseren Lieferservice unverpacktes Obst und Gemüse und andere Lebensmittel in grünen Mehrwegkisten direkt zu unseren Kunden“, berichtet die Marketing-Chefin.

Unverpackt gibt’s nicht – aber Gemüse im Netz, Glasflaschen und Aufschnitt in Mehrwegdosen

Beim Biohof Lesker können Dosen erworben werden, in denen man Eier mitnehmen kann. © Markus Gehring

Eine weitere Baustelle beim Konzept „Unverpackt-Laden“ hat Wolfgang Arndt ausgemacht. „Man muss sich fragen, ob die Leute bereit sind, einen höheren Preis für die Produkte zu bezahlen und regelmäßig eigene Verpackungen mitzubringen“, meint der Geschäftsführer des Reformhauses Arndt, das Filialen in Ahaus und Borken hat.

Unverpackt-Laden in Gescher

Deshalb denkt Wolfgang Arndt, dass sich das Konzept von unverpackten Lebensmitteln eher in Großstädten umsetzen ließe, da dort die Nachfrage größer sei als auf dem Land.

Trotz dieser Bedenken wird in Gescher, in den Räumen der ehemaligen Hirsch-Apotheke mitten in der Innenstadt, demnächst ein Unverpackt-Laden starten. Am 30. November – dem Samstag vor dem ersten Advent – öffnet das Geschäft „Kostbar – unverpackt“ seine Türen. Inhaberin wird Sabrina Dankelmann sein. Vor kurzem gewann die Geschäftsfrau mit ihrer Idee den ersten Preis beim „Gründerstein Unternehmer Award“.

Unverpackt gibt’s nicht – aber Gemüse im Netz, Glasflaschen und Aufschnitt in Mehrwegdosen

Beim Biohof Lesker in Stadtlohn lassen sich über den Lieferservice Mehrwegkisten mit sämtlichen Lebensmitteln bestellen. © Markus Gehring

„Hygieneaspekt empfinde ich als schwierig“

Auch wenn die Idee noch nicht vollständig auf Gegenliebe stößt, setzt sich der Nachhaltigkeitsaspekt in einigen Teilen von Läden durch. Beim neuen Edeka in Legden können Kunden seit kurzem Fleisch und Wurst in Mehrweg-Dosen kaufen, die sie beim nächsten Einkauf wieder mitbringen können. „Die Dosen an der Fleischtheke werden gut angenommen und sie werden im großen Umfang gekauft“, stellt Geschäftsführer Willy Steiner nach den ersten Tagen fest.

Unter dem Strich hält der Geschäftsführer das Konzept von Unverpackt-Läden für nicht sinnvoll. „Gerade den Hygieneaspekt empfinde ich als schwierig – vor allem, wenn man neben Lebensmitteln auch noch andere Produkte wie Waschmittel oder Pflegeprodukte anbietet. Zudem schränkt das Konzept die Auswahl extrem ein – ein großes Sortiment lässt sich damit nicht abdecken.“

Würde sich ein Unverpackt-Laden im Westmünsterland lohnen?

Franz-Josef Rickers aus Südlohn sieht das aus Kundensicht anders. „Wenn es einen solchen Laden hier geben würde, würde ich ihn sicher besuchen“, sagte er. Über den Südlohner Steinmetzmeister hatten wir 2017 berichtet, weil er im Südlohner Edeka-Markt mit eigenen Kunststoffdosen Fleisch und Aufschnitt kaufte. Betreiberin Anja Beyer hat zwischenzeitlich eingeführt, ein Tablett über die Theke zu reichen und darauf die mitgebrachten Kunststoffdosen entgegenzunehmen, um den Hygienestandard zu wahren.

„Meines Wissens und nach Rücksprache mit den Verkäufern vor Ort bin ich nicht der einzige, der das nutzt“, sagte Franz-Josef Rickers im Telefonat mit der Redaktion. Grundsätzlich müsse man bedenken, dass man einen „unverpackten“ Einkauf immer planen und stets alles dabei haben müsse, betont der Südlohner.

Spontan geht er wohl nicht mehr einkaufen: „Ich habe seit vier oder fünf Jahren keine Plastiktüte mehr genutzt“, betont er. Auch versuche er, bei Händlern vor Ort zu kaufen. „Weil man dort die Ware sehen kann und mit den Händlern sprechen kann.“ Ob sich ein Unverpackt-Laden im Westmünsterland lohnen würde? „Schwierig einzuschätzen“, sagt der Südlohner.

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