Valerina Fischer setzt bei ihrer Integrationsarbeit auf die Vielfalt der Kulturen

mlzJugendwerk Stadtlohn

Seit April leitet Valerina Fischer das Integrationsprojekt „Gemeinsam Lernen“ für das Jugendwerk. Die „Neue“ ist so neu gar nicht: In der Jugendarbeit in Stadtlohn ist sie schon Jahre aktiv.

Stadtlohn

, 02.06.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Integrationsprojekt“ ist ein sperriges Wort. Dahinter steckt viel Arbeit und Engagement, die verschiedene Sozialpädagoginnen im Auftrag des Stadtlohner Jugendwerk seit 2014 geleistet haben. Aber auch viel Spaß, wie die „Neue“ an der Projektspitze, Valerina Fischer, beim Pressegespräch in ihrem Büro an der Gartenstraße 3 betont.

Eva Vehring, pädagogische Leiterin des Jugendwerks, der Vorsitzende Andreas te Vrugt und Klaus-Dieter Weßing vom Vorstand sind auch dazugekommen, um Rück- und Ausblick zu halten auf das im Westmünsterland einzigartige Projekt. Und es gibt Erfolge, wie Eva Vehring betont: 2014 war das Vorhaben dank überregionaler Fördermitteln angestoßen worden. „Armutszuwanderung“ lautet das Stichwort, viele Familien aus Rumänien und Bulgarien hatten sich in Stadtlohn angesiedelt. Die Kinder konnten kein Deutsch, kannten sich nicht aus... Es galt, niedrigschwellige Angebote zu machen, die Sprache zu fördern und den Kindern und Jugendlichen den Alltag im Westmünsterland zu erklären. Und dann kamen im Jahr 2015 viele Flüchtlinge.

Valerina Fischer setzt bei ihrer Integrationsarbeit auf die Vielfalt der Kulturen

Vom Jugendwerk-Vorstand machten sich Klaus-Dieter Weßing (l.) und Andreas te Vrugt (r.) und Eva Vehring (2.v.l.) als pädagogische Leiterin des Jugendwerks ein Bild vom Stand der Dinge im Integrationsprojekt, das Valerina Fischer (3.v. l.) seit April leitet. © Anne Winter-Weckenbrock

Das Projekt „Gemeinsam Lernen“ war sehr notwendig damals, und ist es heute auch. „Nur, es ist gesetzter“, vergleicht Eva Vehring. Will heißen: In den ersten Jahren war es ein Kommen und Gehen in den Gruppen des Projekts, es war unruhig. Manche Flüchtlingsfamilien zogen weiter, manche wurden abgeschoben. Das machte die Arbeit nicht einfacher, auch von der emotionalen Seite her.

Einige der damaligen Jugendlichen sind mittlerweile wirklich gut in Stadtlohn angekommen. „Manche haben schon einen Job gefunden, einen Führerschein gemacht und teilweise den Deutschkurs C1 absolviert“, zählt Eva Vehring Erfolge auf. „Ja, das ist schön zu sehen“, schiebt sie nach.

Aber auch insgesamt habe die Integrationsarbeit in Stadtlohn vom Jugendwerk-Projekt profitiert, betont Andreas te Vrugt. Der „Runde Tisch Integration“ sei nicht zuletzt daraus entstanden und verbinde alle, die mit der Aufgabe zu tun haben. „Wir sind alle gut vernetzt“, zeigt Andreas te Vrugt einen Vorteil auf.

Song „Stimme der Jugend“ geschrieben und gesungen

Und Valerina Fischer brennt darauf, die gute Arbeit weiterzuführen. Ideen hat sie, die mit 16 Jahren die ersten Kontakte zum Jugendwerk hatte, schon einige. Die damalige Schülerin der Herta-Lebenstein-Realschule hatte mit ihrer Band zur Eröffnung des Büros der aufsuchenden Jugendarbeit „Lobby“ in Stadtlohn beim Contest mitgemacht, den Song „Stimme der Jugend“ geschrieben – und gesungen. Seitdem ist sie mit dem Jugendwerk verbunden. Sie leitete als erstes ehrenamtlich einen Hip-Hop-Workshop, zusammen mit der Band „Sentina Soul“.

„Eigentlich wollte ich ja Hebamme werden“, erzählt die 26-Jährige lächelnd. Aber über ihr Fachabitur an der Lise-Meitner-Schule am Standort Stadtlohn und ihr Sozialpädagogik-Studium an der Fachhochschule Münster kam es dann anders. Denn all die Jahre war sie in ihrer Heimatstadt in der Jugendarbeit aktiv, absolvierte auch beim Jugendwerk ihr Jahrespraktikum. Allein sechs Mal ist sie schon bei der Italienfahrt des Jugendwerks mitgefahren. Andere Praktika führten sie zu Wohngruppen der evangelischen Jugendhilfe, wo minderjährige unbegleitete Flüchtlinge betreut werden. „Valerina ist ja ein Glücksgriff für uns“, schwärmt Eva Vehring mit Blick auf die Vita ihrer Kollegen geradezu.

„Girl Power“ an der Losbergschule

Konkret arbeitet Valerina Fischer mit Losberschülerinnen in der Gruppe „Girl Power“ und unterstützt die Lehrkräfte in der Hilgenbergschule im Fach „Deutsch als zweite Fremdsprache“. Ein Fußballprojekt am Montagabend kommt dazu. Darüber hinaus steht „Sozialraumerkundung“ an. Das schöne pädagogische Wort umschreibt, dass Valerina Fischer mit Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund Verschiedenes unternimmt, damit diese Stadtlohn und den deutschen Alltag kennenlernen. „Ihr kocht ja nur“, laute ein verbreitetes Vorurteil, sagt Eva Vehring und schüttelt den Kopf. „Aber beim Kochen wird Sprache gelernt, und wenn wir Einkaufen gehen...“, erläutert Valerina Fischer.

Valerina Fischer setzt bei ihrer Integrationsarbeit auf die Vielfalt der Kulturen

Valerina Fischer ist „zurück im Spiel“ beim Jugendwerk Stadtlohn. Die frisch gebackene Sozialpädagogin leitet das Integrationsprojekt „Gemeinsam Lernen“. © Anne Winter-Weckenbrock

Die 26-Jährige hat viel Freude an ihrer Arbeit, das ist ihr im Gespräch anzumerken. „Man kann sich aus allen Kulturen das Beste nehmen“, sagt sie. Ihr Vater sei Italiener, „deswegen kenne ich das“. Mit Temperament geht sie an ihre Aufgabe und appelliert, dass keiner Angst haben solle: „Vielfältigkeit macht so viel aus!“ Ihr Ziel sei, dass sich „die Kulturen mischen“. Wie kommen die Jugendlichen aus dem Projekt mit den Jugendlichen zusammen, die in Stadtlohn aufgewachsen sind? Das Jugendhaus „Jump in“ ist eine gute Adresse dafür.

Dieses lernen die Projekt-Jugendlichen erst einmal in der eigenen Gruppe kennen, der nächste Schritt sind nachmittägliche Besuche – wenn auch andere Jugendliche da sind. Hemmschwellen und Berührungsängste abbauen heißt das Ziel von Valerina Fischer. Auf beiden Seiten. „Begegnung schaffen“, ergänzt Eva Vehring.

Bei einem Trendsporttag Begegnung ermöglichen

Das geht zum Beispiel bei den geplanten Adventure-Tagen mit Klettern und selbst gemachten Escape-Spiel, oder klappt auch gut bei Tanzangeboten oder Events wie „The Move“. Valerina Fischer hat eine konkrete Idee: Einen Trendsporttag würde sie gerne anbieten. Denn über den Sport sind schnell Kontakte geknüpft. Auch das „Fest der Kulturen“ am 15. September steht fest auf ihrem Plan. Den können sich alle Stadtlohner schon im Kalender anstreichen und dann bei den Jugendwerk-Angeboten in der Innenstadt vorbeischauen. Valerina Fischer würde es freuen.

Integrationsprojekt „Gemeinsam Lernen“

  • Seit 2014 wird das Integrationsprojekt „Gemeinsam Lernen“ vom Stadtlohner Jugendwerk angeboten.
  • Das Projekt umfasst eine 30-Stunden-Stelle und wird zu 85 Prozent vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe und zu 15 Prozent vom Jugendwerk, das wiederum von Stadt und Kirchengemeinden in Stadtlohn getragen wird, finanziert.
  • Das Projekt ist zurzeit bis 2022 gesichert.
  • Im Jugendwerk sind drei hauptamtliche Mitarbeiter, eine Schulsozialarbeiterin und eben die Leiterin des Integrationsprojekts beschäftigt.
Lesen Sie jetzt