Viele Aufgaben auf dem Acker und im Stall

Stadtlohner Landwirte vor Herausforderungen

Die Stadtlohner Landwirte haben Dirk Große Damhues als ihren Vorsitzenden bestätigt. Der sieht viele Herausforderungen für seinen Berufsstand.

Stadtlohn

, 13.02.2018, 19:27 Uhr / Lesedauer: 3 min
Der neu gewählte Vorstand (v.l.): Heinrich Dalhues, Christoph Völker, Heinrich Steggemann, Frank Robert, Wolfgang Krieger, Vorsitzender Dirk Große Damhues, Frank Vortkamp, Carsten Schülting, Christoph Rülfing, Heinrich Große Liesner und Norbert Steggemann. Auf dem Foto fehlt Josef Icking. Heinrich Watermann und der bisherige stellvertretende Vorsitzende Gerhard Tenhagen kandidierten nicht mehr für den Vorstand.

Der neu gewählte Vorstand (v.l.): Heinrich Dalhues, Christoph Völker, Heinrich Steggemann, Frank Robert, Wolfgang Krieger, Vorsitzender Dirk Große Damhues, Frank Vortkamp, Carsten Schülting, Christoph Rülfing, Heinrich Große Liesner und Norbert Steggemann. Auf dem Foto fehlt Josef Icking. Heinrich Watermann und der bisherige stellvertretende Vorsitzende Gerhard Tenhagen kandidierten nicht mehr für den Vorstand. © Stefan Grothues

Tierseuchen, Flächenfraß, Umweltschutz – die Stadtlohner Landwirte sehen vielen Herausforderungen und Risiken auf sich zukommen. Einen verzagten Eindruck aber machten sie nicht auf ihrer Ortsverbandsversammlung, die sie traditionell am Veilchendienstag in der Gaststätte Breul abhielten.

190 Haupt- und Nebenerwerbslandwirte gehören dem Ortsverband an. Ihr Vorsitzender bleibt Dirk Große Damhues. Einstimmig wählte ihn die Versammlung für eine neue Amtszeit. Er warb für mehr Vertrauen der Gesellschaft gegenüber der Landwirtschaft: „Wir pflegen und hegen den Grund und Boden, der teilweise schon seit Jahrhunderten im Familienbesitz ist. Aber das Misstrauen scheint groß zu sein. Jeder will es besser wissen, was wir zu tun und und zu lassen haben. Manch einer von uns fühlt sich der Enteignung nahe.“ Das sind die Themen, die die Ortsverbandsversammlung bewegten:

  • Flächenfraß: Als „größte Gefahr“ für die Landwirtschaft bezeichnete Dirk Große Damhues den Flächenfraß. -Berater Ludger Rövenkamp von Kreisstelle Borken der Landwirtschaftskammer NRW fasste das Problem in Zahlen: „Allein im Westmünsterland gehen der Landwirtschaft 3,8 Hektar verloren – Tag für Tag.“ Das entspricht einer Größe von rund fünf Fußballfeldern. Bürgermeister Helmut Könning versteht die Sorge der Landwirte, betonte aber vor den Landwirten: „Die Stadt braucht Flächen für Arbeitsplätze und Wohnungen. Das ist Voraussetzung für eine gute Stadtentwicklung.“ Die Interessen seien sorgsam gegeneinander abzuwägen.

  • Hochwasserschutz: Eigentlich sollte der Planfeststellungsbeschluss für das Hochwasserschutzkonzept schon 2017 gefasst werden. Das Konzept sieht auch Überflutungsflächen im Berkeltal zwischen Stadtlohn und Gescher vor. „Das Projekt ist so komplex, dass der Kreis Borken längere Zeit für die Prüfung brauchte“, so Bürgermeister Könning. Seine neue Prognose: „Ende des ersten Halbjahres 2018 soll es was werden“.

  • Afrikanische Schweinepest(ASP): Über die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest von Weißrussland nach Westen seit 2011 berichtete Kreisveterinär Dr. Manfred Ulrich. „Auf einen Impfstoff können wir noch nicht bauen.“ Es gelte dennoch die Devise: „Wir müssen ASP-frei bleiben“. Denn die Seuche hätte eine „verheerende Wirkung“ auf den Fleischexport. „Der Handel könnte zusammenbrechen. Ulrich sieht zwei Wege des Schutzes. Die Wildschweinbstände dürften als Überträger „nichts ins Uferlose“ wachsen. Da sei eine Zusammenarbeit mit den Jägern gefragt. Und die Landwirte müssten ihre Bestände durch Zutrittsbeschränkungen schützen.

  • Rinderherpes: Zwei Milchviehbetriebe und drei Mastbetriebe im Kreis Borken waren 2017 vom BHV1-Virus befallen. Darunter waren auch zwei Stadtlohner Betriebe. Es habe keine Alternative zur Schlachtung gegeben, so Kreisveterinär Dr. Manfred Ulrich. „Das war ein schwerer Schlag für die Landwirte-Familien.“ Die Bestände seien inzwischen wieder neu aufgestallt worden. Sie seien jetzt virenfrei.

  • Trinkwasserschutz: Das Trinkwasser in Stadtlohn ist sehr gut, erklärte Bürgermeister Helmut Könning. Er lobte die gute Zusammenarbeit der SVS-Versorgungsbetriebe und der 36 Landwirte in Sachen Trinkwasserschutz. Im Trinkwasserschutzgebiet in Hundewick werden 414 Hektar von Landwirten bewirtschaftet. Sie haben sich vertraglich zu Einschränkungen bei Düngung und Pflanzenschutz verpflichtet. Die Beprobung der Flächen hätte jüngst mit guten Ergebnissen gezeigt, dass sich die Landwirte an die Auflagen halten, erklärte Ludger Rövenkamp von der Landwirtschaftskammer. Er machte zugleich aber deutlich, dass außerhalb des Trinkwasserschutzgebietes „noch ein langer steiniger Weg“ vor der Landwirtschaft liege, die Nitratbelastung so weit zu senken, dass „wir wieder im grünen Bereich sind“.

  • Wirtschaftswege: Die Stadt will ein Wirtschaftswegekonzept erstellen. Darin soll festgelegt werden, welche Wege wichtig sind und welche weniger wichtig. Daran soll sich künftig der Ausbauzustand orientieren. An der Kategorisierung sollen die Landwirte beteiligt werden, betonte Bürgermeister Helmut Könning. Zurzeit warte die Stadt auf einen Förderbescheid für die Auftragsvergabe. Für die Unterhaltung der Wirtschaftswege sind in diesem Jahr 150.000 Euro eingeplant.

  • Stromtrasse Die geplante unterirdische Amprion-Stromtrasse berührt Stadtlohner Gebiet in Wenningfeld. Bürgermeister Helmut Könning und der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, Ludger Schulze Beiering, waren sich einig, dass ein Flächenausgleich verzichtbar sei. Ein Ausgleich würde die landwirtschaftlichen Flächen nur weiter verknappen.

  • Genossenschaft: Martin Duesmann-Artmann, Geschäftsführer der Raiffeisen Hohe Mark Hamaland stellte den neuen, 1200 Tonnen fassenden Flüssigdüngertank am Standort Stadtlohn vor.

  • Marketing: Dirk Breul, ebenfalls Geschäftsführer der Raiffeisen Hohe Mark Hama-land, kündigte an, dass die Genossenschaft sich mit einem Euro pro Tonne Futtermittel an einer Marketing-Offensive der Landwirte beteiligen werde. Die Teilnahme für die Landwirte ist freiwillig, betonte WLV-Rechtsberaterin Maria Leveling-Hoppe. Die Landwirte werden beim Futterkauf gefragt, ob sie sich mit dem Obulus beteiligen wollen.
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