Vom Traumhaus, das zum Albtraum wurde

Bauträger-Insolvenz

Albtraum statt Traumhaus: Zweimal treffen wir Beate Porada in den Ruinen ihrer Alterssicherung an. Zweimal im Abstand von zwei Monaten dasselbe Bild: Eine verzweifelte Frau in Gummistiefeln in einem Rohbau, der gerade noch gut zu sein scheint als Materiallager und Pausenraum für die Arbeiter der benachbarten Baustellen.

STADTLOHN

, 24.05.2016, 19:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Der Mann hat alles stehen lassen.“ Gemeint ist der Mann, der den Stillstand auf der Baustelle am Möllenkamp verursacht hat: Der Bauträger, der für Beate Porada und eine Bekannte zwei Wohnungen in einer Doppelhaushälfte bauen sollte. Doch mehr als ein Jahr lang ist nichts passiert, denn die MD Projektbau aus Bocholt meldete im Juli 2015 Insolvenz an.

Die Katastrophe

„Eine Katastrophe“, sagt Beate Porada, „ein Albtraum für jeden Bauherren.“ Da wusste die 46-Jährige noch nicht, dass es noch schlimmer kommen kann. Auf Anraten ihres damaligen Anwalts kündigten die Frauen den Bauträgervertrag fristlos. Ein Fehler. Sie überlege nun, gegen den Anwalt Beschwerde bei der Anwaltskammer zu führen. Wie so oft, steckte der Teufel im Detail. Der Vertrag hatte zwei Teile – einen werksvertraglichen und einen kaufmännischen. Nur der erste hätte gekündigt werden müssen und sollen, wie der Insolvenzverwalter klarstellte. Dass ihr Anwalt das nicht wusste, ist ihr unbegreiflich.

Juristische Fallstricke

Und Motivation, an die Presse zu gehen. „Selbst einem Laien ist nach einer Internetrecherche klar, dass das stimmt, was der Insolvenzberater sagt“, weiß sie inzwischen. Die juristischen Fallstricke einer Bauträger-Insolvenz aber seien den meisten privaten Bauherren wohl kaum bewusst.

Porada ist Buchhalterin bei einem Unternehmen in Solingen. Sie kann mit Zahlen umgehen und war keineswegs blauäugig, als sie den Plan fasste, mit einem Eigenheim auf dem Land für ihr Alter vorzusorgen. Vor Ort sah alles vertrauenerweckend aus. Auch der Bauträger schien vertrauenswürdig, bis zu dem Tag, als er eingestehen musste, dass er zum Teil ohne Baugenehmigung gebaut hatte.

Dass sie sich dann auf den falschen Rat des Anwalts verließ, kostet Beate Porada heute die meisten Nerven. Und Geld: Durch die Kündigung waren so genannte Auflassungsansprüche verloren – notwendig für den Eintrag ins Grundbuch. Diese müsse sie neu erwerben, bestätigte ein neuer Rechtsbeistand. Kosten laut Insolvenzverwalter je 7500 Euro. Hinzu kommen 2000 Euro für den ersten Anwalt und Honorar für den zweiten. Außerdem bestreite der insolvente Bauträger, dass sie 13.000 Euro für den Einbau von Heizung und Sanitäranlagen gezahlt habe. „Der begründet das nicht einmal.“

30.000 Euro teurer als geplant

Unterm Strich wird die 95 Quadratmeter-Wohnung etwa 30 000 Euro teurer als zunächst vertraglich vereinbart – bei einem ursprünglichen Nettokaufpreis von 140 000 Euro kein Pappenstiel. „Das ist alles finanziert“, klagt Porada. Das Darlehen müsse sie in jedem Fall zurückzahlen, auch wenn sie die Ansprüche verliere und nicht weiter bauen dürfe. „Dann habe ich keinen Gegenwert für das Darlehen, dann ist meine Existenz weg.“

Beim letzten Vor-Ort-Termin im April weiß sie noch nicht, wie es weitergeht. Da entdeckt sie, dass sich Fremde an ihrem Baumaterial gütlich getan haben, dass der Hausaufgang für Zigarettenpausen genutzt wird und dass vor ihrem Haus andere Bauträger Material lagern. „Das ist kein Leben in diesem Zustand“, klagt sie damals. „Mittlerweile will ich es gar nicht mehr haben.“

Noch ein Monat ist vergangen: Die Bauherrinnen haben die Summe für die Auflassung gezahlt. Die Eintragung ins Grundbuch steht noch aus, aber: „Wir bauen weiter“, sagte Porada gestern. „Der Elektriker kommt.“ Sie hoffe, bis November fertig zu sein. „Wir wollen auf jeden Fall noch vor Jahresende einziehen.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt