Vor dem Friedhof sollen neue Stellplätze entstehen

mlzParkplatznot am Friedhof

Am Friedhof sollen in drei Abschnitten insgesamt 20 neue Stellplätze geschaffen werden. Das wird viele Friedhofsbesucher freuen. Es gibt aber auch einen Leidtragenden.

Stadtlohn

, 02.11.2018, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Wort „chaotisch“ passt eigentlich so gar nicht zur letzten Ruhe. Doch diese Beschreibung fiel am Dienstagabend im Bausausschuss gleich mehrere Male, als es um die Parkplatzverhältnisse am Friedhof ging. Die Lessingstraße ist eng, es fehlen Stellplätze. Bei Beerdigungen geht es oft nicht vor oder zurück.

155.000 Euro Kosten

Nina Martinko vom Ingenieurbüro Martinko hat im Auftrag der Stadt Verbesserungsvorschläge erarbeitet und sie jetzt den Politikern vorgestellt. Insgesamt könnten nach den ersten Überlegungen 20 neue Parkplätze entstehen. Außerdem sollen Barierren und Stolperstellen für Menschen mit Gehbehinderungen beseitigt werden. Bis auf drei Kiefern und einige Sträucher soll der Baumbestand nicht angetastet werden.

Nina Martinko stellte ihre Vorschläge in drei Abschnitten vor.

Abschnitt 1: In Höhe Friedhofskapelle wird eine neue Ausweichmöglichkeit für den Gegenverkehr geschaffen werden. Weiter stadteinwärts werden auf der Friedhofsseite vier neue Stellplätze geschaffen. Für Fußgänger wird eine neue Fahrbahnquerung farblich markiert. Die marode Rinne, die eine Stolperfalle darstellt, soll erneuert werden. Geschätzte Kosten im Abschnitt 1: 62.000 Euro.

Vor dem Friedhof sollen neue Stellplätze entstehen

An dieser Engstelle soll die Lessingstraße verbreitert werden. Dafür müssen rechts in Höhe der Aussegnungshalle drei Kiefern weichen. © Stefan Grothues

Abschnitt 2: Weiter in Richtung Kita Zauberwald wird die Fahrbahn verbreitert. Auf der dem Friedhof gegenüberliegenden Seite werden fünf neue Parkplätze geschaffen. Geschätzte Kosten im Abschnitt 2: 31.000 Euro.

Vor dem Friedhof sollen neue Stellplätze entstehen

Die marode Rinne in Höhe der Aussegnungshalle wird erneuert. Ansonsten kann die bestehende Asphaltdecke erhalten bleiben. © Stefan Grothues

Abschnitt 3: Im Bereich des Kunstklärwerks sieht Nina Martinko ein „großes Potenzial“. Durch eine Beseitigung des Tores und Öffnung der Zufahrtstraße für den Radverkehr könnten im Bereich des jetzten Radwegs elf Stellplätze geschaffen werden – auf Dauer vielleicht auch mehr. Geschätzte Kosten im Abschnitt 3: 62.000 Euro.

Von den Plänen im Abschnitt 3 ist Norbert Then gar nicht begeistert. Der Künstler nutzt das Kunstklärwerk seit 18 Jahren als Atelier und Veranstaltungsort für Ausstellungen und Konzerte. Eigentümer des Gebäudes und der Fläche aber ist die Stadt Stadtlohn. „Ich würde das Areal gerne längerfristig in Erbpacht übernehmen. Ich brauche Planungssicherheit.“

Vor dem Friedhof sollen neue Stellplätze entstehen

Der Künstler Norbert Then mit seinen „Traumfängern“ im Atelier Kunstklärwerk © Stefan Grothues

Norbert Then sagt aber auch: „Ich brauche die Ruhe und Abgeschiedenheit, die das Grundstück jetzt bietet. Es würde mir sehr weh tun, wenn sich das ändern würde.“ Then fürchtet, dass er nach einer Verlegung des Tores quasi „hinterm Zaun“ leben würde. „Wenn das im öffentlichen Interesse wäre, würde ich das auch klaglos hinnehmen. Aber es werden ja nur elf Parkplätze geschaffen, die die Situation am Friedhof ja nicht wirklich verbessern“, sagt Then. Bei Beerdigungen bleibe das Parkchaos erhalten, der Zauber des Kunstklärwerk-Areals aber werde mit Sicherheit Schaden nehmen.

Vor dem Friedhof sollen neue Stellplätze entstehen

Das Kunstklärwerk in Stadtlohn ist das Refugium des Metallkünstlers Norbert Then, das er regelmäßig auch für Gäste öffnet. © Sylvia vom Hofe

Im Ausschuss dagegen wurden Nina Martinkos Vorschläge als „sehr gute Überlegungen“ (Otger Harks, SPD) und als „vernünftige Maßnahme“ (Cäcilia Völker, CDU) bewertet, die „seit Jahren nötig“ (Erwin Plate, UWG) seien. Josef Wansing (CDU) erklärte: „Es besteht dringender Handlungsbedarf.“ Bernd Schöning (FDP) ist überzeugt davon, „dass die Öffnung des Kunstklärwerk-Areals auch für den Künstler Norbert Then Vorteile bieten würden.“

Otger Harks machte aber auch deutlich, dass die Überlegungen am Ende keine Patentlösung böten: „Bei großen Beerdigungen werden auch künftig die Parkplätze nie ausreichen.“

Bürgermeister Helmut Könning will nun noch einmal das Gespräch mit dem Künstler Norbert Then suchen, um eine für alle verträgliche Lösung zu finden. Am 20. November will der Bauausschuss erneut über das Thema beraten.

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