Vorbestrafter Stadtlohner muss nach Randale im Polizeirevier hinter Gittern

Landgericht Münster

Nach Randale im Polizeigewahrsam ging ein 27-Jähriger in Berufung. Doch auch das Landgericht verurteilte den mehrfach Vorbestraften.

von Klaus Möllers

Stadtlohn

, 15.02.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit erhobenen Fäusten hat ein 27-Jähriger aus Stadtlohn im Polizeigewahrsam Beamte bedroht und sie beleidigt. Das Gebaren des angetrunkenen Mannes ging so weit, dass beide Polizisten im Nachhinein Strafantrag und einer von ihnen eine Zivilklage wegen Beleidigung gestellt hat.

Beide Seiten schilderten jetzt am Landgericht Münster, warum die Situation aus ihrer Sicht derart eskalierte. Dort wurde die strafrechtliche Seite des Vorfalls neu verhandelt. Das Amtsgericht Ahaus hatte den Stadtlohner wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung zu sieben Monaten Haft (ohne Bewährung) verurteilt. Der ging in Berufung.

Unstrittig ist, dass Polizisten den 27-Jährigen in einer Mai-Nacht 2018 volltrunken auf dem Gehweg an der Dufkampstraße antrafen. Der Mann war so betrunken, dass er sich nicht mehr selbst helfen konnte. Die Polizei nahm ihn mit aufs Revier in Ahaus, „zum Schutz der eigenen Person“, wie einer der Polizisten erklärte. „Wir machen das, damit die Leute nicht unter die Räder kommen“, sagte er.

Polizisten beschimpft und bespuckt

Am Morgen gegen sechs Uhr wollte der Stadtlohner raus aus der Zelle. Dabei beschimpfte er die Polizisten mit Worten wie „Hurensohn“, „Wichser“ und „Drecksbulle“. „In der Verfassung konnten wir ihn nicht entlassen“, erklärte einer der Beamten. Gegen neun Uhr wollte der Mann wieder raus, spuckte dem Polizisten durch das Sichtfenster der Zelle ins Gesicht, wieder gab es Beleidigungen. An der geöffneten Zellentür baute sich der 27-Jährige vor den Polizisten provozierend auf und sagte: „Wenn ich rauskomme, finde ich Euch und mache Euch kaputt.“ Da soll er noch „alkoholisiert“, wenn auch nicht mehr volltrunken gewesen sein. „Wir werden öfter beleidigt, aber das hatte schon eine besondere Qualität“, so der Polizist.

Vor Gericht zeigte sich der 27-Jährige uneinsichtig. Er habe am Abend zuvor „dummerweise ein bisschen Alkohol getrunken“. Am Morgen habe er aber nur bei seiner Arbeitsstelle anrufen wollen. „Wenn ich noch einmal gefehlt hätte, wäre mir gekündigt worden“, sagte er. Doch die Polizei habe ihm das sein Handy nicht wiedergegeben. Die Beamten stellten die Sache anders dar: Als der Mann das Handy bekam, habe er es an die Zellenwand geschlagen, statt zu telefonieren. Seine Arbeitsstelle verlor er später tatsächlich.

Keine Ausbildung zu Ende gebracht

Der Stadtlohner wirkte durchweg angespannt. Er habe bisher keine Ausbildung zu Ende bringen können. Allerdings wurde er schon mehrfach verurteilt: Unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Diebstahls, Fahren im Vollrausch ohne Führerschein sowie Betruges. Wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes bekam er zwei Jahre und acht Monate als Jugendstrafe. Das Landgericht verurteilte ihn nun zu vier Monaten Haft (ohne Bewährung) für den Vorfall auf der Wache. Dadurch – so sagte es der Staatsanwalt – müsse er nun wohl mehrere Strafen verbüßen: „Sie hatten drei laufende Bewährungen.“ Wegen Körperverletzung, Beleidigung sowie Nötigung.

Die Berufungen würden nun sehr wahrscheinlich widerrufen.

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