Was Verbraucher wollen und Landwirte können

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Die Kluft zwischen Wunschliste von Verbrauchern und landwirtschaftlichen Realitäten – so hätte der Titel der Jahresversammlung von Stadtlohns Landwirten lauten können.

Stadtlohn

, 06.03.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es gab „freie Platzwahl“ an diesem Dienstagmorgen in der Gaststätte zum Breul, wie Dirk Große Damhues launig anmerkte. Und der Vorsitzende der Landwirtschaftlichen Ortsverbands Stadtlohn suchte nach Gründen, dass nur rund 30 Mitglieder (von 187) gekommen waren: Vielleicht sei doch der Termin am Karnevalsdienstag nicht glücklich, oder die Tatsache, dass immer weniger Vollerwerbsbetriebe im Verband vertreten seien, oder vielleicht liege es an den „schweren“ Themen der Tagesordnung.

Schwere Themen auf der Tagesordnung

Davon gab es allerdings reichlich. Damhues legte vor: Dürresommer mit schrumpfenden Grundfuttervorräten, Afrikanische Schweinepest, Düngeverordnung. Immer wieder aber ging es ihm um die politische Dimension: „Egal, was wir tun, wir stehen ständig in der Kritik.“ Seine Grundsatzfrage: „Wollen die Verbraucher auf eine Lebensmittelproduktion im eigenen Land verzichten?“ Einzige positive Randnotiz: Stadtlohn habe den Etat für Wirtschaftswege erhöht.

Ortsverbandsvorsitzender Dirk Große Damhues

Ortsverbandsvorsitzender Dirk Große Damhues © Christiane Hildebrand-Stubbe

Landwirtschaft als stabiler Wirtschaftsfaktor

Ein Ball, den Bürgermeister Helmut Könning aufnahm. Er bestätigte die Anhebung um 50.000 auf jetzt insgesamt 200.000 Euro gerne. Neben weiteren aktuellen Themen wie Hochwasserschutzkonzept und Fusion der Krankenhäuser sprach Könning in Richtung Landwirte aber auch den städtischen Bedarf an Flächen für die Stadtentwicklung an. Der Bürgermeister sprach von der Landwirtschaft als „stabilem Wirtschaftsfaktor in der Kommune“, den Rat und Verwaltung sehr schätzten.

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Als düsteres Bild zeichnete Ludger Schulze Beiering die Zukunft der Landwirtschaft und sah einen weiteren „großen Umbruch“ voraus. Eines seiner Beispiele aus dem immer weiter wachsenden Vorschriften-Katalog war die neue Düngeverordnung von 2017, die bereits im November 2018 schon wieder überarbeitet worden sei. Angesichts einer Dünge-Beschränkung auf 130 Kilo Stickstoff mache er sich große Sorgen, wie dann zum Beispiel vier Grasschnitte möglich seien. „Wir können die Pflanzen nicht mehr ernähren.“

Kritik am ambivalenten Verbraucher-Verhalten

Auch Schulze Beiering ging kritisch mit der Haltung der Verbraucher um, die sich zwar vieles wünschten, aber nicht bereit seien, dafür auch zu bezahlen: „Die Menschen wünschen sich zwei Landwirtschaften, eine fürs Gemüt und eine für den Geldbeutel.“ Vieles aber von dem, wie es gewünscht werde – von Tierwohl bis Ökologie – sei wirtschaftlich einfach nicht hinzubekommen. Der WLV-Kreisverbandsvorsitzende ärgerte sich darüber, dass nachweislich die Grundwasser-Qualität besser geworden sei, es werde aber immer noch der Eindruck erweckt, dass die Nitrat-Werte zu hoch seien.

Ludger Schulze Beiering informierte aus Sicht des Kreisverbandsvorsitzenden.

Ludger Schulze Beiering informierte aus Sicht des Kreisverbandsvorsitzenden. © Christiane Hildebrand-Stubbe

Die afrikanische Schweinepest ist auch für die Stadtlohner Bauern ein angstbesetztes Thema. Die wichtigste Vorsorge seien hier Hygiene und Schießen. Deutschland sei übrigens das einzige Land in der EU, so Schulze Beiering, das bereits bei einem Verdachtsfall beim Wild Maßnahmen für den Hausschweine-Bestand veranlasse.

Und die Mitglieder im Saal schienen mit Dirk Große Damhues und ihm einig bei deren Einschätzung, dass das politische Gewicht auch für die Landwirtschaft immer schwerer werde. Wie beim Feinstaub. Schulze Beiering: „Dass der überhaupt nicht gefährlich ist, weiß man doch.“

Ängste und Herausforderungen, aber keine Lösungen

Schulze Große Beiering sprach von großen Ängsten und Herausforderungen für die Landwirtschaft, sah aber auch keine Lösungen, nur, dass alles wohl nicht besser werde. Das Prinzip höher, weiter, schneller, also die Aufstockung der Betriebe, sah er für den Kreis Borken mit seinem hohen Tierbestand allerdings an seiner Grenze. Heißt: „Es spitzt sich zu.“ Sein Rat an die Landwirte: einen kühlen Kopf vor allem bei Investitionen bewahren.

Für die Mitglieder des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Stadtlohn ging es am Dienstagmorgen um brennende Themen.

Für die Mitglieder des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Stadtlohn ging es am Dienstagmorgen um brennende Themen. © Christiane Hildebrand-Stubbe

Fabian Klönne von der WLV-Geschäftsstelle widmete sich der Praxis mit den Themen Hofübergabe, Bauen, Leitungsbau und Dürrehilfe, und Dr. Ulrike Janßen-Töpken, Stellvertretende Geschäftsführerin der Kammer-Kreisstelle Borken, richtete ebenfalls den Blick auf aktuelle Themen. Wie die Dürrehilfe. Hier sei man, angesichts immer neuerer Vorgaben bei der Antragsbearbeitung – 103 sind es im Kreis Borken – „kein Stück weiter“.

Mehr ökologisch genutzte Fläche

Weiter sei man im Kreis allerdings bei der Biodiversität: „500 Hektar werden ökologisch genutzt.“ Insgesamt sah auch sie die Landwirtschaft einem „echten Papierkrieg“ ausgesetzt. Allerdings gab sie den Landwirten auch mit auf den Weg, sich an Spielregeln zu halten, wie bei den festgelegten Abständen beim Düngen und Spritzen von Pflanzenschutzmitteln: „Sie stehen auch selbst in der Verantwortung, dass bestimmte Bilder nicht in den Medien erscheinen.“

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