Agnes Wissing (76) und Hausleiter Ludwig Wübbelt (60) freuen sich auf Weihnachten im Seniorenzentrum St. Josef – trotz aller Corona-Sorgen. © Stefan Grothues
Coronavirus

Weihnachten im Seniorenzentrum St. Josef zwischen Hoffnung und Sorge

Weihnachten im Seniorenzentrum – zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Mut und Vorsicht, zwischen Abstand und Nähe. Das ist in Coronazeiten so. Nur: Isolation und Einsamkeit soll es nicht geben.

Agnes Wissing strahlt Zuversicht aus. Auch wenn die 76-Jährige im Rollstuhl sitzt und wegen ihrer Lungenerkrankung ein Sauerstoffgerät mit sich führt. Sie sagt: „Ich freue mich auf Weihnachten!“ In ihrer Hausgemeinschaft wartet ein buntes Festtagsprogramm mit Gottesdienst in der hauseigenen Kapelle. Und Agnes Wissing fügt hinzu: „Hier fühle ich mich ja zu Hause.“

Ludwig Wübbelt freut sich: „Das ist ja das schönste Kompliment für uns.“ Seit 22 Jahren leitet der 60-Jährige das Senioren- und Pflegezentrum an der Marienstraße. Zeiten wie diese hat er als Hausleiter noch nicht erlebt. Das Coronavirus hat das Leben vieler Menschen auf den Kopf gestellt. Das der Bewohner und Mitarbeiter in Senioreneinrichtungen aber ganz besonders. Manchmal ist der Druck so groß, dass Ludwig Wübbelt nachts nicht gut schlafen kann.

Verzicht auf die Familie am Weihnachtsfest

Die Last der Pandemie spürt auch Bewohnerin Agnes Wissing. In früheren Jahren hat die 76-Jährige die Weihnachtsfeste immer mit ihrer Familie verbracht. Jetzt hat ihr die Familie gesagt, dass sie die Mutter an den Festtagen nicht zu sich holt. Zu ihrem eigenen Schutz. „Ich musste schon schlucken“, sagt Agnes Wissing. „Aber jetzt bin ich froh, dass meine Familie so entschieden hat. Meine Tochter kommt mich ja besuchen.“

Für Ludwig Wübbelt ist das eine gute Entscheidung. Er zitiert die Kanzlerin: „Jeder Kontakt, der nicht stattfindet, ist gut.“ Und er schränkt gleich ein: „Natürlich muss es aber auch Kontakte geben.“ Es bereitet ihm aber Sorge, dass noch zu viele Besucher ins Seniorenzentrum kommen und zu viele Bewohner die Festtage bei ihren Familien verbringen. „Wir dürfen und wollen uns nicht so isolieren, wie wir das im Frühjahr mussten. Aber die Angehörigen sollten sich gut überlegen, wie viele Besuche nötig und verantwortbar sind.“

Für die Schnelltests fehlt Personal

Daran haben auch die Corona-Schnelltests nichts geändert. Wübbelt: „An Material mangelt es nicht, aber an personellen Kapazitäten zur Durchführung der Tests.“ Und er rechnet vor: „Bei knapp 400 Tests für die 80 Bewohner, die 110 Mitarbeiter und die Besucher sind zusätzlich anderthalb bis zwei Stellen erforderlich.“ Noch könne nicht jeder Besucher getestet werden. Mit Unterstützung von Freiwilligen aus dem Gesundheitszentrum und vom DRK hofft Ludwig Wübbelt aber über die Feiertage eine möglichst hohe Testquote hinzubekommen.

Bislang konnte das Coronavirus aus dem Seniorenzentrum St. Josef herausgehalten werden. „Das klappt nur, weil die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so diszipliniert sind und auf vieles verzichten“, sagt Agnes Wissing, die auch Vorsitzende des gewählten Hausbeirates ist. „Und es wäre fatal, wenn wir diesen Erfolg auf den letzten Metern vor der Impfung verspielen würden“, fügt Ludwig Wübbelt hinzu.

Wann im Seniorenzentrum St. Josef geimpft wird, kann er noch nicht sagen. Aber die vorbereitenden Gespräche haben schon begonnen. Wübbelt geht davon aus, dass sich auch die große Mehrheit des Pflegepersonals impfen lassen wird, wenn auch mancher mit Sorge und aus Pflichtgefühl. Für Agnes Wissing aber ist die Impfung keine Frage: „Ich bin sofort dabei!“

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