Höchste Konzentration ist erforderlich, wenn Siegfried Goldhagen mit der Arbeit an einer Figur beginnt. © Christiane Hildebrand-Stubbe
Weihnachtstradition

Weihnachtliche Handwerkskunst: Krippen made in Stadtlohn

Schon im Sommer hat Siegried Goldhagen Weihnachten vor Augen. Dann beginnt der 72-Jährige mit den Vorbereitungen für seine neuen Krippen. Vom Gebäude bis zu den Figuren ist alles Handarbeit.

Für Siegfried Goldhagen steht bereits in der warmen Jahreszeit Weihnachten vor der Tür. Dann nämlich startet er mit den Planungen für seine neuen Krippen und -figuren. Von Maria und Josef mit dem Jesuskind bis hin zu den drei Königen und den eigentlichen Krippen – sie alle entstehen in der Werkstatt des Stadtlohners. „Holz war immer schon mein Hobby“, sagt Siegfried Goldhagen, der eigentlich gelernter Metzger ist. Aber: „Im Grunde bin ich Allrounder.“

Handwerklicher Allrounder

Wer das Wohnhaus der Familie an der Bakenstraße 13 besucht, wird sich schnell davon überzeugen. Zwar weist ein großes Schild vor dem Haus auf die saisonalen „Produkte“, sprich die Krippen des Hausherrn hin, Zeugnisse seiner handwerklichen Fertigkeiten gibt es aber dort noch viele mehr zu entdecken.

Aber der Reihe nach: Zurzeit nämlich liegt das Hauptaugenmerk auf dem Bau von Krippen und dem Schnitzen der dazu gehörigen Figuren. Ein Kirchgänger sei er zwar nicht, sieht sich aber durchaus der Tradition verpflichtet. „Ich war ja auch 40 Jahre lang der Nikolaus“, sagt er.

Das Handwerkszeug, das für die feine Schnitzarbeit erforderlich ist.
Das Handwerkszeug, das für die feine Schnitzarbeit erforderlich ist. © Christiane Hildebrand-Stubbe © Christiane Hildebrand-Stubbe

Und auf das vorweihnachtliche Werkeln im größeren Stil kam er eher zufällig. Nach seinem aktiven Berufsleben war er nämlich noch bis zum vergangenen Jahr für die Wartung der Kesselanlage bei Hülsta in Ottenstein zuständig. Ein ehemaliger Arbeitskollege entdeckte die besonderen Fähigkeiten von Siegfried Goldhagen, als der ihm eine selbst gebaute Krippe zeigte. Die war allerdings rein für den privaten Gebrauch gedacht. „Ich habe mich dann überreden lassen“, erklärt der Krippenbauer. Bei der einen weiteren blieb es nicht, da immer mehr Anfragen kamen.

Rohlinge aus Bayern

Seitdem wurde der Keller der Familie mit Beschlag belegt. Mit Materialien und alldem, was für ein authentisches Krippen-Ambiente erforderlich ist. Das notwendige Handwerkszeug hatte er schon und ergänzte es. Während die Häuser komplett Eigenbau sind, bekommen die Figuren durch die Hand von Siegfried Goldhagen ihr endgültiges Aussehen.

Eine komplette Krippe aus der Goldhagen-Werkstatt.
Eine komplette Krippe aus der Goldhagen-Werkstatt. © Christiane Hildebrand-Stubbe © Christiane Hildebrand-Stubbe

„Die Rohlinge bekomme ich aus Bayern“, erzählt er. Diese zuerst noch sehr groben hölzernen Stücke – aus Linde oder Birke – spannt der Hobby-Schnitzer dann in eine Schraubzwinge ein und beginnt mit dem „Feintuning“. Dann werden Gesichter und Kleider fein heraus gearbeitet, bis sie dem Qualitätsanspruch Siegfried Goldhagens Stand halten. Eine Arbeit von Stunden. Gerade hat er ein Schaf in der Mache und setzt behutsam mit dem Schnitzmesser an. „Je kleiner, desto vorsichtiger muss man arbeiten“, betont er. Nur ein kleiner Ausrutscher und die komplette Figur ist hin. Am Anfang habe er häufiger mal „Ausschuss“ produziert. Das hat sich aber mit zunehmender Tätigkeit und Erfahrung gegeben.

Herausforderung und Training

Auf jeden Fall ist es eine Arbeit, die höchste Konzentration und feinmotorische Fähigkeiten erfordert. Für Siegried Goldhagen ist es aber Herausforderung und Training zugleich. Seit zwei Jahren ist der 72-Jährige nämlich an Parkinson erkrankt und nutzt das Schnitzen auch als unkonventionelle Ergotherapie.

Siegfried Goldhagen und sein „Krippen-Personal
Siegfried Goldhagen und sein „Krippen-Personal“. © Christiane Hildebrand-Stubbe © Christiane Hildebrand-Stubbe

Sieben Krippen sind bereits fertig, zwei weitere sind noch in Arbeit. Alle werden nach den individuellen Vorstellungen der Auftraggeber gefertigt. Nur in einem gibt der Erbauer klare Vorgaben: „Ich mag keine bunte Figuren.“ Also behalten sie alle, zehn bis 20 Zentimeter groß, ihr natürliches Aussehen, das nur durch Antikwachs „patiniert“ wird.

So sehen die Schafe aus, wenn Siegfried Goldhagen die Arbeit beendet hat.
So sehen die Schafe aus, wenn Siegfried Goldhagen die Arbeit beendet hat. © Christiane Hildebrand-Stubbe © Christiane Hildebrand-Stubbe

Nicht alle Interessenten aber wünschen sich das Komplett-Paket, manche sind nur auf der Suche nach einer einzelnen Figur. Die kosten zwischen 16 und 28 Euro, die Krippen 120 bis 200 Euro. Übrigens seien es zunehmend junge Leute, die sich für eine Krippe entscheiden, hat Siegfried Goldhagen festgestellt.

Die Gartenlandschaft der Familie Goldhagen. Alles Marke Eigenbau.
Die Gartenlandschaft der Familie Goldhagen. Alles Marke Eigenbau. © Christiane Hildebrand-Stubbe © Christiane Hildebrand-Stubbe

Ah ja, wenn die Krippen-Saison zu Ende ist, hat er noch jede Menge anderer Ideen. Ob Gartenhütte, Windmühle am Teich oder andere Bauten rund um das Haus Goldhagen, sie alle zeugen von dem großen Allround-Talent ihres Besitzers. Von Fliesen legen bis Maurerarbeiten, Siegfried Goldhagen hat sich alles selbst angeeignet. Wie eben auch das Krippen-Handwerk.

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