235 Schülerinnen und Schüler aus allen Jahrgangsstufen der Herta-Lebenstein-Realschule haben sich an der Juniorwahl beteiligt. © Herta-Lebenstein-Realschule
Juniorwahl

Wenn Schüler wählen dürften: So haben Stadtlohner Jugendliche abgestimmt

Die Wahl ist gelaufen. Aber nicht jede Stimme zählt. Erst ab 18 darf gewählt werden. Schülerinnen und Schüler in Stadtlohn haben eigene Wahlurnen aufgestellt – mit überraschenden Ergebnissen.

„Wen würdest du wählen? Diese Frage ist auf dem Schulhof seit Wochen ein großes Thema“, sagt Marlon Brockherde. Der 15-jährige Stadtlohner hätte am Wahlsonntag genauso wie sein Klassenkamerad Malte Wewer (14) gerne den Bundestag mitgewählt. Doch das dürfen ja nur Erwachsene.

Die beiden Herta-Lebenstein-Realschüler haben zusammen mit ihrem Sozialwissenschaftskurs und Politiklehrer Andreas Walde eine eigene Wahl auf die Beine gestellt. Geöffnet war das „Wahllokal“ in der Aula eine Woche lang in allen Pausen. Dabei wurde genauestens darauf geachtet, dass der Ablauf möglichst genau wie bei der echten Wahl stattfindet. Eingebettet ist das Projekt in die bundesweite „Juniorwahl“, unter der Schirmherrschaft des Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble.

Grüne schneiden bei den Schülern nicht gut ab

235 Herta-Lebenstein-Realschüler haben ihre Stimme abgegeben. Die Wahlbeteiligung lag bei 48,9 Prozent, sagt Malte Wewer. Marlon Brockherde betont: „Viele jüngere Schüler haben nicht gewählt, bei den älteren war die Wahlbeteiligung deutlich größer.“ Und das ist das Gesamtergebnis der Herta-Lebenstein-Realschule, bei dem die CDU klar vorne liegt: CDU 26,2 Prozent, SPD 20,5 Prozent, Grüne 13,1 Prozent, FDP 13,5 Prozent, Linke 3,5 Prozent, AfD 4,8 Prozent.

In den Klassen 9 und 10 der Herta-Lebenstein-Realschule ergibt sich allerdings ein ganz anderes, überraschendes Bild. Dort haben die Liberalen die Nase vorne vor der SPD, den Grünen und der CDU auf Platz vier.

In vielen Umfragen unter Jugendlichen sind die Grünen sehr viel stärker. Ist das Thema Klimaschutz für Stadtlohner Schülerinnen und Schüler nicht so wahlentscheidend? „Doch“, sagt Marlon Brockherde nach vielen Schulhofgesprächen. „Aber viele wollen da einen Mittelweg zwischen Grünen und CDU.“

An der Losbergschule gibt es noch die klassischen Volksparteien

Auch die Losbergschüler haben eine Schulwahl organisiert. Hier haben CDU und SPD noch den Status von Volksparteien. Auch die Liberalen liegen hier wie an der Realschule noch vor den Grünen: CDU 36,6 Prozent, SPD 30,8 Prozent, Grüne 8,2 Prozent, FDP 13,1 Prozent, Linke 2,6 Prozent, AfD 4,7 Prozent.

Geschichtslehrer Alexander Westerhausen und die Medienscouts der Losbergschule haben viel Herzblut in das „Wählenüben“ gesteckt. „Das ist ein guter Weg, das demokratische Bewusstsein zu stärken in fragilen Zeiten“, so Westerhausen. Und Zehntklässlerin Sibel Dibrani sagt: „Ich finde, dass auch Jugendliche ab 16 wählen dürfen sollten. Wir wollen miteinbezogen werden.“

So sieht es auch der komplette Sozialwissenschaftskurs der Herta-Lebenstein-Realschule. Marlon Brockherde: „Ich glaube nicht, dass ein 18-Jähriger eine bessere Wahlentscheidung treffen kann als ein 16-Jähriger.“

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Stefan Grothues

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