Ein 24-jähriger Stadtlohner musste sich wegen des Vorwurfs der Körperverletzung und Nötigung vor dem Amtsgericht in Borken verantworten. © Stefan Grothues
Strafprozess

Widersprüchliche Vorwürfe: Stadtlohner wegen sexueller Nötigung angeklagt

Eine 19-Jährige hat einem 24-jährigen Stadtlohner eine schwere Straftat vorgeworfen. Jetzt musste er sich vor Gericht wegen sexueller Nötigung verantworten. Viele Fragen blieben offen.

„Irgendetwas ist passiert. Dessen bin ich mir sicher.“ Das sagte der Vorsitzende Richter des Schöffengerichts Borken am Ende der Beweisaufnahme. Doch in der fast anderthalbstündigen Beweisaufnahme war es in der Gerichtsverhandlung am Mittwochmorgen nicht gelungen, die Geschehnisse eines Samstagsabends im Februar 2020 zu klären.

Blaue Flecken an den Oberarmen belegt

Angeklagt war ein 24-jähriger Stadtlohner. Ihm wurde von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, vor gut einem Jahr eine damals 18-jährige Bekannte aus Gescher sexuell genötigt und dabei auch Gewalt angewendet zu haben. Polizei und eine Ärztin hatten größere blaue Flecken an den Oberarmen dokumentiert, nachdem die junge Frau den Vorfall zur Anzeige gebracht hatte.

Vor Gericht schilderte die heute 19-Jährige das Geschehen so: Sie habe einen Freund besucht, um Playstation zu spielen. Der Angeklagte, den sie noch aus ihrer Schulzeit kannte, sei auch dort gewesen. „Der war komisch drauf und hat mich gekitzelt. Ich wollte das aber nicht und habe Nein gesagt. Das wollte er nicht akzeptieren.“

„Er hat mich die ganze Zeit festgehalten“

Als der gemeinsame Freund nicht im Zimmer gewesen sei, habe der Angeklagte sie völlig entkleidet und an intimen Stellen berührt. „Ich habe die ganze Zeit ,Stopp!‘ gesagt.“ Ob sie denn nicht hätte weglaufen können, fragte sie der Richter. Die Antwort der 18-Jährigen: „Das ging nicht. Er mich die ganze Zeit festgehalten. Aber ich habe ,Hilfe!‘ gerufen.“

Der 24-jährige Angeklagte bestritt das Geschehen vehement. „Das stimmt nicht!“ Aber warum sollte die Zeugin das behaupten? Ob es Streit gegeben haben, wollte der Vertreter der Staatsanwaltschaft wissen. „Ja, das frag ich mich auch: Wieso und weshalb? Ich habe aber keine Antwort auf diese Frage“, sagte der Angeklagte. Seit jenem Februartag und der Anzeige habe er keinen Kontakt mehr zu seinem Freund und auch nicht zu der 18-Jährigen gehabt.

Mutmaßliches Opfer widersprach sich mehrfach

Nach Angaben der 18-jährigen Zeugin und seien auch noch zwei Freudinnen an jenem Tag mit im Zimmer des Freundes gewesen. Aber weder die Freundinnen noch der Freund konnten sich vor Gericht an den Tattag erinnern. Die Ärztin, die die das mutmaßliche Opfer nach der Tat untersucht hatte, erklärte vor Gericht, die Schilderungen der 18-Jährigen seien damals durchaus glaubhaft gewesen.

Nur: Vor Gericht erzählte die junge Frau eine andere Version als bei der Ärztin. Und bei der Polizei hatte sie die Details noch einmal anders geschildert. Mal gab sie an, sie habe sich auf Drängen des Angeklagten selbst entkleidet und dann erst Nein gesagt. Mal schilderte sie, das Geschehen habe auf der Couch stattgefunden, mal auf dem Bett.

Nach weiteren widersprüchlichen Angaben der Zeugin beantragte selbst der Staatsanwalt einen Freispruch: „Wir müssen uns an die Fakten halten. In der Schilderung gibt es erhebliche Diskrepanzen. Was geschehen ist, lässt sich nicht beweiskräftig belegen.“ So sah es auch das Schöffengericht. Der Vorsitzende erklärte nach dem Freispruch: „Was wir gehört haben, reicht nicht aus, um jemanden zu verurteilen.“

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Stefan Grothues

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