Wie die Burgstraße zu ihrem Namen kam

Burgstraße Stadtlohn

An der Burgstraße in Stadtlohn gibt es keine Burg. Zumindest heute nicht mehr. Stadtarchivar Ulrich Söbbing weiß, dass das mal anders war.

Stadtlohn

21.02.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wie die Burgstraße zu ihrem Namen kam

Von einer Burg ist heute auf der Burgstraße nicht mehr viel zu sehen. © Markus Gehring

Wie kaum eine andere Straße hat die Burgstraße in den letzten Jahren durch den Abriss, den Um- und Neubau von Gebäuden ihr Gesicht verändert. Sie bildet den nördlichen Abschluss der Innenstadt, verläuft von der Mühlenstraße bis zum Kalterweg und stellt die wichtigste Stadtlohner Durchgangsstraße in Ost-West-Richtung dar.

Die Burgstraße wird erstmals im ersten Bebauungsplan der Stadt aus dem Jahre 1911 namentlich genannt, befand sich damals allerdings noch weitgehend im Planungsstadium. 1935 endete sie von der Mühle kommend kurz hinter dem Hövel und erschloss das Freibad an der Berkel und den neuen Sportplatz. Auch einige Einfamilienhäuser waren zu dieser Zeit bereits errichtet. Im Wiederaufbauplan kam dem Ausbau der Burgstraße große Bedeutung zu, da sie in Zukunft die Dufkampstraße entlasten sollte.

Burg aus dem Jahr 1152

Schon im Fluchtlinienplan von 1952 wurde dem bestehenden Teilstück eine Straßenbreite von 13 Metern zugewiesen. Die Anlieger, die auf ihre Vorgärten verzichten mussten, wurden mit dem Ufergelände der Berkel entschädigt. Anfang November 1960 wurde die Verlängerung der Burgstraße bis zum Kalterweg dem Verkehr übergeben. Die neue Ortsdurchfahrt übernahm von der Dufkampstraße die Einstufung als Landesstraße.

Wie die Burgstraße zu ihrem Namen kam

© Markus Gehring

Die Burgstraße trägt ihren Namen nach der Burg der Grafen von Lohn, von der noch heute Reste des Burghügels zu erkennen sind. Die erstmals 1152 urkundlich erwähnte Burg wurde von Bischof Werner (1132-1151) errichtet. Nach dessen Tod beanspruchte Gottschalk von Lohn die Burg für sich, doch wurde er von Bischof Friedrich (1152-68) gezwungen, öffentlich zu bekennen, dass er sie sich unrechtmäßigerweise angeeignet habe. Die Verwaltung der Burg wurde ihm jedoch belassen. Bereits 1193 soll die Burg Lohn von Bischof Hermann II. (1173-1203) zerstört worden sein. Die Steine werden ab 1238 zur Befestigung der Burg Bredevoort genutzt.

In beschränktem Umfang wird die Burg an der heutigen Burgstraße jedoch weiter bestanden haben, denn noch 1305 wird sie erwähnt. Mit dem Aussterben der Grafen von Lohn im Jahre 1316 war die Geschichte der Burg endgültig beendet.

Der Burghügel hat sich bis zur Gegenwart erhalten, doch kam es im Laufe der Zeit immer wieder zu Abgrabungen, die seinen Umfang reduzierten. Vom 17. bis 19. Jahrhundert befand sich auf dem Grundstück, das stets im Besitz des Bischofs von Münster blieb, ein Töpferofen, dessen Abwurf sich am Rande des Hügels wiederfindet. Im 20. Jahrhundert wurde das Gelände mit historisierenden Kulissen versehen und als Terrasse eines Gartenrestaurants genutzt. Heute dient es als Spielplatz des Burgkindergartens.

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