Wie Mädchen selbstbewusst der Opferfalle entkommen

mlzSelbstverteidigungskurs

Im Selbstverteidigungskurs lernen Mädchen, falsche Zurückhaltung abzulegen. Trainerin Martina Beier zeigt ihnen Tricks und Kniffe, die weh tun.

von Susanne van den Bosch

Stadtlohn

, 19.02.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Keine falsche Zurückhaltung! Martina Beier und ihr Trainingspartner Kai van Look ermutigen die Mädchen, ihre ganze Kraft in den Tritt oder Schlag zu legen. Es geht um ihre eigene Sicherheit.

Caroline Böckerhoff, Lehrerin am Geschwister-Scholl-Gymnasium, hat den Selbstverteidigungskurs für die Mädchen der 7., 8. und 9. Klassen initiiert. 15 Schülerinnen konnte sie zur Teilnahme motivieren. „Eigentlich viel zu wenige“, meint Martina Beier. „Es passiert soviel auf unseren Straßen, da kann es nicht schaden, auf Übergriffe jeder Art vorbereitet zu sein.“

Im theoretischen Teil des Kurses wird den Mädchen deutlich gemacht, dass auch ihre Körpersprache, wie zum Beispiel gestreckte Schultern oder gerader Blick, potenziellen Tätern die Lust nehmen kann, anzugreifen.

Täter nicht duzen

Wird man am Arm festgehalten, soll man sich nicht wegdrehen, sondern sich dem Täter zuwenden, ihm in die Augen schauen und den Arm aus der Umklammerung drehen. Darüber hinaus, so Martina Beier, sei es wichtig, den Angreifer nicht zu duzen, sondern laut und deutlich zu schreien: „Lassen Sie mich in Ruhe!“ So werde es für andere Passanten deutlich, dass das kein freundschaftliches Gerangel ist. „Es ist auch hilfreich, wenn man auf andere Menschen zu geht und sie mit direkter Ansprache um Hilfe bittet“, sagt Martina Beier.

Abwehrmaßnahmen

Darüber hinaus zeigt sie den Teilnehmerinnen auch einige Tricks, wie man sich aus einer bedrängenden Situation befreien kann. Eine Bedrängnis ist dann gegeben, wenn ein Angreifer den Abstand einer Armeslänge unterschreitet. In diesen Fällen, so Martina Beier, sei es absolut zulässig, sich zur Wehr zu setzen, indem man zum Beispiel dem Täter mit beiden Händen auf die Ohren klatscht, oder mit der ganzen Hand den Kopf nach hinten drückt. Auch Knie und die Füße könnten in solchen Fällen zum Einsatz kommen. Sehr schmerzhaft sei es auch, wenn man mit dem Mittelfinger die Stelle hinter dem Ohrläppchen eindrückt. Bei allen diesen Abwehrmaßnahmen ist es wichtig, dass die Mädchen dem Täter entschlossen entgegentreten. „Ein Täter sucht Opfer und keine Zicken!“, sagt Martina Beier.

Unerwartete Angriffe

Der Kursus dauert eineinhalb Tage. Am zweiten Tag finden Rollenspiele statt, bei denen die Mädchen völlig überraschend aus dem Hinterhalt „angefallen“ werden und das zuvor Gelernte in die Tat umsetzen müssen. Die „Täter“, Tim Essing und Kai Baumeister, sind Jiu-Jitsu-Schüler von Martina Beier und eigentlich durch Sicherheitsschuhe mit Stahlkappe und Suspensorium gut gegen die Abwehr der Mädchen geschützt. Während Tim Essing die Mädchen des Kursus nur „dumm anmachte“, musste Kai Baumeister als plötzlich auftauchender „Sittenstrolch“ ganz schön von den Mädchen einstecken.

Nachdem der erste Schrecken durch den unerwarteten Übergriff verdaut war, meinten alle einhellig: „Das hat Spaß gemacht!“ Einige der Mädchen versicherten direkt: „Ich bin nächstes Jahr wieder dabei!“

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