Hanna (l.) und ihre Schwester Lene haben Spaß auf einem rollstuhlgerechten Karussell in Reken. Mit ihrer Mutter Monika Stowermann warten die beiden sehnsüchtig auf das vor einem Jahr versprochene Karussell für den Losbergpark. © privat
Losbergpark

Wo bleibt das Karussell? Ein Jahr nach dem Beschluss dreht sich nichts

Schon ein Jahr wartet Hanna auf das versprochene rollstuhlgerechte Karussell im Losbergpark. Es könnte ein Mut machendes Zeichen für das Miteinander von Kindern mit und ohne Behinderung sein.

Hanna ist ein fröhliches Mädchen. „Sie ist unser Sonnenschein“, sagt ihre Mutter Monika Stowermann. Gerne gehen die beiden im Losbergpark spazieren. Das heißt: Hanna fährt im Rollstuhl. Die Vierjährige kann nicht laufen. Sie leidet am Rett-Syndrom, einer genetisch bedingten Entwicklungsstörung des Zentralnervensystems.

Hannas Freude an Spielplätzen aber schmälert das nicht. „Nur mit dem Rolli ist es nicht immer leicht“, sagt Monika Stowermann. „Auf die Schaukel kann ich Hanna noch heben. Aber das wird immer schwieriger.“ Auf anderen Spielplätzen gebe es auch besondere Angebote für Kinder mit Behinderung, ein bodentiefes Trampolin im Ahauser Schlossgarten zum Beispiel. Oder ein rollstuhlgerechtes Karussell in Reken.

Karussell-Idee fand Lob in allen Fraktionen

„Darum haben wir uns letztes Jahr uns riesig gefreut, als in der Zeitung stand, dass so ein tolles Karussell auch in den Losbergpark kommt“, sagt Monika Stowermann.

Im Sommer 2020 hatten Stadtlohns Politikerinnen und Politiker auf Antrag der CDU beschlossen, 35.000 Euro in ein solches Karussell für den Losbergpark zu investieren. Die Idee fand die begeisterte Unterstützung aller Fraktionen.

Jetzt, ein Jahr später, fragt sich Familie Stowermann, wo das Karussell bleibt. Für Monika Stowermann geht es dabei um viel mehr als nur um das kurze Glück auf dem Spielgerät. „Wenn wir eine Runde durch den Losbergpark spazieren, schauen viele Kinder – und auch Erwachsene – erstaunt auf. Ein kleines Mädchen im Rolli sieht man ja nicht so oft.“

„Das Karussell kann helfen, Berührungsängste zu überwinden“

Monika Stowermann möchte mehr als erstaunte Blicke. „Andere Kinder sollen sehen, dass auch ein Kind im Rolli spielen kann und Spaß daran hat. Aus Erfahrung von anderen Spielplätzen weiß ich, dass Kinder dann auch gern mal Fragen zu Hannas Behinderung stellen. Ich freue mich darüber und beantworte diese gerne. Es ist so wichtig, dass Berührungsängste zu behinderten Menschen verschwinden.“

Das rollstuhlgerechte Karussell wäre in Monika Stowermanns Augen ein Zeichen dafür, „das jedes Kind hier auf dem Spielplatz willkommen ist. Gesunde und Kinder mit Behinderung können darauf gemeinsam Spaß haben.“ Nach einem Jahr Wartezeit hat Monika Stowermann am Donnerstag auf Facebook auf ihr Anliegen aufmerksam gemacht.

Bürgermeister: „Wenn’s hakt, müssen wir es gängig machen.“

Bürgermeister Berthold Dittmann antwortete ihr noch am gleichen Tag: „Auch Ihre Tochter gehört genauso zu unserer städtischen Gemeinschaft und niemand möchte ihr willentlich den Spaß am Schaukeln verwehren. Das ist schon einmal sicher. Wenn’s hakt, müssen wir es (so schnell wie möglich) gängig machen.“

Warum die Aufstellung des Karussells so lange dauere, konnte er wegen einer betrieblichen Veranstaltung der Stadtverwaltung am Donnerstag und Freitag im Gespräch mit unserer Redaktion noch nicht definitiv sagen.

Angebote sind schon eingeholt worden

„Die Idee für das Karussell ist wirklich hervorragend. Und sie wird auch auf jeden Fall umgesetzt werden“, so Berthold Dittmann. Es seien auch schon Angebote eingeholt worden. In der zuständigen Fachabteilung habe es aber einen personellen Wechsel gegeben, der möglicherweise zu der Verzögerung geführt habe. „Ich finde das Anliegen von Frau Stowermann aber sehr, sehr wichtig. Das Karussell wird jetzt schnellstmöglich bestellt und aufgebaut.“

Hanna wird es freuen, wenn es soweit ist. Sie hat noch einen großen Bruder und eine große Schwester. Den Eltern ist es wichtig, auch in der Öffentlichkeit zu zeigen: „Uns als Familie geht es gut, auch wenn nicht immer alles einfach ist.“

Die Gesellschaft dürfe nicht vergessen, dass es Kinder mit und ohne Behinderung gibt. Monika Stowermann: „Sie sollen sichtbar sein und teilhaben. Gerne will ich auch Mut machen. Ich bin offen für einen Austausch mit anderen Familien. Man darf uns gerne ansprechen.“

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Stefan Grothues

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