Die neue Berkelpromenade soll ab 2024 zum Flanieren und Verweilen einladen - hier ein Blick von der Losbergschule in Richtung Mühlenstraße. © Landschaftsarchitekturbüro Glück
„Natürlich Berkel“

Zeitsprung: Ein Spaziergang auf der Berkelpromenade im Jahr 2024

Bei dieser Hitze wünschte man sie sich jetzt schon herbei: die neue Berkelpromenade mit kühlen Plätzchen direkt am Wasser. Die Gestaltung ist beschlossene Sache. Flaneure müssen noch warten.

Die Bilder des Landschaftsarchitekten Michael Glück, die Fachbereichsleiter Mathias Pennekamp in der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Bauausschuss zeigte, machen Lust aufs Spazierengehen in der Zukunft. Wir starten nach einem Zeitsprung am neuen Losbergplatz an der Losbergschule, der vor allem auch den Schülerinnen und Schülern Aufenthaltsmöglichkeiten bietet. Weiden und andere Bäume spenden Schatten, die neue Hochwassermauer bietet Sitzmöglichkeiten direkt am Wasser.

Entgegen ersten Planungen ist der gesamte Losbergplatz nun inklusive der Fahrbahn geklinkert worden, da hier kein regelmäßiger Busverkehr mehr stattfindet. Diese Planänderung hat die Stadt auf Anregung der Losbergschule gemacht. Autos können den Platz weiterhin überfahren. Fußgänger und Radfahrer sollen aber Vorrang haben. Hierdurch kann eine einheitliche Gestaltung der Platzflächen auch im weiteren Verlauf der Fahrradstraße realisiert werden.

Die Berkelpromenade aus Richtung Osten gesehen
Die Berkelpromenade aus Richtung Osten gesehen © Landschaftsarchitektur Glück © Landschaftsarchitektur Glück

Wir lassen die Schülerstimmen hinter uns und gehen die neue Berkelpromenade flussabwärts nach Westen in Richtung Mühlenbrücke. Die Hochwassermauer begleitet uns. Die neue Berkelpromenade ist schließlich nicht nur fürs Auge gebaut. Sie dient als Hochwasserdamm gleichzeitig dem Schutz des Hinterlandes. Die Losbergschule soll nicht noch einmal wie vor fünf Jahren, im Juni 2016, überflutet werden.

Asphalt mit Terrazzo-Effekt

Die Promenade ist im Bereich des Fuß- und Radweges in gegrindetem Asphalt ausgeführt – eingefasst durch ein Klinkerband. Grinding ist ein Schleifprozess zur Hervorhebung der Splitte und Aufhellung des Asphalt mit Terrazzo-Effekt. Parallel zum Weg wird eine wassergebundene Wegedecke angelegt, in die Bäume und Sitzbänke integriert werden. Unterdessen sehen wir auf unserem imaginären Spaziergang schon die Berkelmühle am anderen Ufer des Flusses.

Der neue Berkelbalkon am westlichen Endpunkt der Berkelpromenade bietet einen Panoramablick auf die Berkelmühle.
Der neue Berkelbalkon am westlichen Endpunkt der Berkelpromenade bietet einen Panoramablick auf die Berkelmühle. © Landschaftsarchitekturbüro Glück © Landschaftsarchitekturbüro Glück

Von der Berkelpromenade ausgehend queren wir auf einem Steg die Fischaufstiegsanlage. Vielleicht entdecken wir ja Fische, die diese Umleitung um das Wehr herum nutzen. Die ökologische Verbesserung gehört neben den städtebaulichen Akzenten und dem Hochwasserschutz eine der drei Säulen des Projekts „Natürlich Berkel“. Zur Gewässerseite führt der Steg zu

einem kleinen Balkon mit Blick auf die Berkel.

Berkelbalkon bietet Panoramblick auf die Berkelmühle

Wir könnten nun auch die Berkel überqueren und das rauschende Wehr von oben erleben. Ein über die Wehranlage führender Steg verbindet Mühlenplatz und Berkelpromenade miteinander und bietet besondere Blicke auf die Berkel. Wir bleiben aber am Nordufer.

Der große Berkelbalkon ist unser Ziel: Mit seinen großzügigen Platzflächen und einer Freitreppe zur Berkel hin ist hier ein neuer Treffpunkt geschaffen worden – mit Panoramablick auf die renovierte Berkelmühle. Die beiden Bäume in der Treppenanlage brauchen nur noch etwas Zeit, um mehr Schatten zu spenden …

Der ganze Spaziergang ist noch Zukunftmusik. Derzeit prägen noch Vorarbeiten und die Sondierungen der Kampfmittelräumer das alles andere als idyllische Bild. Doch so wie auf den Bildern soll es einmal werden, das hat der Umwelt- und Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung nach jahrelanger Planungszeit einstimmig beschlossen. „Wir sind ja alle begeistert davon, wie es einmal aussehen soll“, erklärte zum Beispiel Hermann-Josef Steverding (UWG). Und wann werden die Bilder Realität? Wohl nicht vor dem Jahr 2024. Gebaut werden soll im nächsten und übernächsten Jahr.

Neue Promenade und Losbergplatz kosten 3,4 Millionen Euro

Über 3,4 Millionen Euro kostet die neue Berkelpromenade inklusive Losbergplatz und Fahrradstraße bis zur Brücke am Freibad. Mit rund 2 Millionen Euro wird das Projekt aus Städtebaumitteln des Landes und aus Mitteln des Hochwasserschutzes und die Wasserrahmenrichtlinie (Förderquote 80 %) gefördert. Mathias Pennekamp betonte, dass die Kostenschätzungen auf Entwurfsebene noch um 20 Prozent nach oben oder unten variieren könnten.

In seiner jüngsten Sitzung fasste der Umwelt- und Bauausschuss weitere einstimmige Beschlüsse rund um das Berkelprojekt:

  • Es wird nun auch einen barrierefreien Zugang zur Treppenanlage am Mühlenplatz geben. Dies hatten die Behindertenbeauftragten der Stadt, Richard Henrichs und Elisa Huning (Grüne), im März angemahnt. Die Mehrkosten belaufen sich auf 15.000 Euro. „Wir sind gerne bereit, das mitzutragen“, erklärte Hermann Lensker (CDU).
  • Die Mündung der „Leppings Welle“ in die Berkel oberhalb der Brücke Kalterweg wird „entfesselt“, also von Betoneinengungen befreit und naturnäher gestaltet, damit neue Lebensräume für Fische, Insekten und Amphibien entstehen. Kosten: rund 100.000 Euro, von denen die Stadt 20.000 Euro selbst tragen muss.
  • An der Berkel im Bereich Almsick werden neue Überflutungsflächen geschaffen. Sie dienen als sogenannte Retentionsräume dem Hochwasserschutz in der Stadt und der ökologischen Verbesserung. Kosten: rund 882.00 Euro, von denen die Stadt Stadtlohn 20 Prozent selbst tragen muss.
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Stefan Grothues

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