Zentraler MINT-Lernort: Forschermühle ist bereit für viele kleine Entdecker

mlzMühlenprojekt

Die „Forschermühle“ soll einmal die Berkelmühle bereichern. Aktuell ist diese noch in einer Villa beheimatet. Ein Gewinn vor allem für den forschenden Nachwuchs – mit spürbarer Strahlkraft.

Stadtlohn

, 29.10.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wie verändert sich der Klang eines Glases, wenn man dieses unterschiedlich hoch mit Wasser befüllt? Dieses Experiment kennt wohl jeder aus seiner Schulzeit – und Veronika Droste macht am Donnerstagmorgen noch einmal den Selbstversuch. Gemeinsam mit Kirsten Vennemann ist sie Projektleiterin im Bereich Fachkräftesicherung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Borken. Daran angeschlossen ist das zdi-Zentrum Kreis Borken, das sich neben anderen Projektpartnern im Rahmen des Projektvorhabens Forschermühle die Aufgabe gestellt hat, einen öffentlichen Raum in der alten Mühle in Stadtlohn so zu konzipieren, dass dieser als zentraler MINT-Lernort genutzt wird.

Forschen und Arbeiten unter einem Dach

Vorübergehend ist die Forschermühle in der Villa an der Dufkampstraße 40 untergebracht – im dem Haus, in dem das Unternehmen Projaegt derzeit Coworking Space zur Verfügung stellt. „Forschen und Arbeiten an einem Ort – wo gibt es das sonst schon“, freut sich Veronika Droste über die attraktiven Räumlichkeiten und die „starke Unterstützung“ im Haus. Denn bis zum Umzug in die Berkelmühle wird noch einige Zeit vergehen.

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So richtig durchstarten kann die Forschermühle noch nicht – auch wenn es möglich wäre. Wie so viele Projekte bremst die Corona-Krise dieses aktuell noch ein wenig aus. Und so feilt man weiter am Konzept. Erste Kinder konnten zu „Testläufen“ schon eingeladen werden, bald soll dann – so Corona es zulässt – die offizielle Eröffnung erfolgen.

Wie verändert sich der Klang des Glases, wenn dieses unterschiedlich hoch mit Wasser gefüllt wird? Der Bereich Optik und Akustik kommt bei den Kindern besonders gut an.

Wie verändert sich der Klang des Glases, wenn dieses unterschiedlich hoch mit Wasser gefüllt wird? Der Bereich Optik und Akustik kommt bei den Kindern besonders gut an. © Michael Schley

Finanziert wird das neue Projekt durch VITAL.NRW, dem Förderprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen zur Unterstützung der Entwicklung attraktiver ländlicher Räume. Neben der Stadt Stadtlohn arbeitet an dem Projekt neben der Wirtschaftsförderung des Kreises Borken auch die Firma Projaegt aus Ahaus.

Verschiedene Themenwelten laden ein

Angelehnt ist die Forschermühle in weiten Teilen an die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“. Und das wird an den vielen Lernorten in der Villa offensichtlich. Verschiedene Themenwelten wurden konzipiert: Technik, Zukunft und Erde, Körper, Mathematik, Informatik oder auch Optik und Akustik sind einige dieser.

In diesen Arbeitsbereichen sollen die Kindergarten- und Grundschulkinder von drei bis zehn Jahren buchstäblich „die Welt entdecken“. „Die Kinder sollen völlig ergebnisfrei ausprobieren“, erklärt Droste den Ansatz des „forschend-entdeckenden Lernens“ für den MINT-Nachwuchs. Als Sozialpädagogin bringt sie Handwerk und Pädagogik unter einem Dach zusammen. Eine Win-win-Situation.

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Unterstützt wird das Projekt von einigen lokalen Unternehmen, diese liefern auch eigene Ideen. „Das ist ein laufender Prozess, der Kontakt zu den Firmen ist ein wesentlicher Teil des Projekts. Und die Zahl der Partner nimmt zu“, freut sich Veronika Droste. Gerade erst ist ein Mitarbeiter eines Bauunternehmens vorbeigekommen, um Signalwesten und Sicherheitshelme vorbeizubringen. Neben den Unternehmenskontakten verweist Veronika Droste auch auf die Ehrenamtlichen, die das Forschermobil bewegen.

Win-win-Situation: Als Sozialpädagogin vermittelt Veronika Droste den Lehrern und Erziehern die Grundprinzipien der Lernbegleitung.

Win-win-Situation: Als Sozialpädagogin vermittelt Veronika Droste den Lehrern und Erziehern die Grundprinzipien der Lernbegleitung. © Michael Schley

Das Konzept sei eine einzigartige Möglichkeit, die frühkindliche MINT-Förderung in den Gebieten Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik mit den Interessen und der Verantwortung der regionalen Unternehmen und Institutionen zu verbinden.

Gemeinsames Lernen steht im Mittelpunkt

Offen gestaltet ist ein Wintergarten, dort treffen sich die kleinen Forscher, um von ihren Erfahrungen beim Forschen zu berichten. Alles wir dokumentiert. Auch sonst werde großer Wert darauf gelegt, gemeinsam zu forschen und zu entdecken. „Ko-Konstruktion“ lautet der Fachbegriff. Sprich: Gemeinsam soll Wissen konstruiert werden. Gemeinsam, das bedeutet auch mit den Erziehern und Lehrern zusammen. Dabei denkt Veronika Droste auch an die Nachhaltigkeit der Arbeit: „Die Inhalte sollen bewusst in den Einrichtungen reflektiert werden, dafür schulen wir gerne.“ Auch außerschulische Öffnungen, zum Beispiel am Wochenende, sind denkbar.

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Die Idee zu diesem besonderen Lernort hat Veronika Droste aus Berlin mitgebracht. „Ich habe mir gedacht, das wäre doch eine tolle Idee für den Kreis Borken.“ Und im Zuge der Regionale 2016 und den Entwicklungen rund um das Mühlengelände sei sie dann auf die Berkelmühle aufmerksam geworden.

Das Konzept der Forschermühle soll das „forschend-entdeckende Lernen" fördern.

Das Konzept der Forschermühle soll das "forschend-entdeckende Lernen" fördern. © Michael Schley

„Die Lernmaterialien, die wir nun benutzen, können im Alltag einfach nachvollzogen werden. Und: Wir werden sie auch einfach transportieren können, wenn wir zur Mühle umziehen“, blickt Droste voraus.

Bedarf an MINT-Fachkräften ist enorm

Dass die Forschermühle an den Bereich Fachkräftesicherung angebunden ist, ist kein Zufall. Gerade im Bereich der MINT-Fachgebiete gibt es heute großen Bedarf an Fachkräften. Veronika Droste betont noch einmal die enge Anbindung an die Unternehmen in der Region: „Wir können uns auch vorstellen, dass Azubis ins Haus kommen und den Kindern von der Arbeit berichten.“ Die Strahlkraft des Projekts sei schon jetzt zu spüren, so habe die Westfälische Hochschule in Bocholt schon Interesse an einer Kooperation bekundet.

Bis zum Umzug in die umgestaltete Berkelmühle ist die Forschermühle in der Villa an der Dufkampstraße 40 untergebracht.

Bis zum Umzug in die umgestaltete Berkelmühle ist die Forschermühle in der Villa an der Dufkampstraße 40 untergebracht. © Michael Schley

Jetzt wartet man gespannt auf den Moment, an dem das Haus mit Leben gefüllt werden kann. Aufgaben gibt es neben Ideen noch genug. „Wir richten gerade noch den Keller für die kleinen Forscher ein“, erklärt Veronika Droste. Der Umzug ist dann zum Jahr 2023 geplant.

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