Dr. Hartwig Carls-Kramp (l.) und Thomas Wild vom Elsebad fordern eine Öffnungsperspektive für Freibäder. © Heiko Mühlbauer
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Elsebad fordert Öffnung von Freibädern – „sonst schwimmen Leute ohne Aufsicht in Seen“

Schwimmbäder und Bordelle sind in der Coronaschutzverordnung gleichgestellt und dürfen nicht öffnen. Der Elsebad-Verein machte seinem Ärger am Dienstagnachmittag Luft.

Während im Spitzensport wieder einiges erlaubt ist, bleibt beim Breitensport alles im Lockdown. Doch selbst wenn sportliche Aktivitäten wieder erlaubt wären, müsste das Elsebad weiterhin geschlossen bleiben. Das Land hat nämlich die Freibäder unter Freizeiteinrichtungen eingeordnet. Und deren Betrieb ist aktuell verboten.

Am Dienstagnachmittag (11.5.) hatten Geschäftsführung und Förderverein des Bürgerbades deshalb zu einer großen Pressekonferenz eingeladen. Ihre Kernforderung an die Landespolitik: Sie solle Öffnungsperspektiven für den Sommer aufzeigen.

Chlor und Aufenthalt an der frischen Luft

„Das Bad ist vorbereitet“, sagt Thomas Wild vom Förderverein. Lediglich das Wasser könnte noch ein wenig wärmer sein. Im vergangenen Sommer habe man mit einem Hygienekonzept bewiesen, dass eine Badöffnung möglich sei. Sowohl das gechlorte Wasser als auch der Aufenthalt an der frischen Luft seien weitgehend sicher. Das würden zahlreiche Untersuchungen zeigen.

Frank Rabe vom Schwimmverband NRW ging noch weiter: Es gebe weder in den USA noch in Europa einen einzigen bewiesenen Fall, bei dem sich jemand im Schwimmbad angesteckt habe.

„In Regelungen zu Corona-Maßnahmen werden Schwimmbäder in einem Atemzug mit Diskotheken und Bordellen genannt und als gleichbedeutende Freizeitveranstaltungen verboten“, ärgert sich Wild. Das müsse dringend geändert werden. Denn was passiere, wenn die Temperaturen steigen und die Bäder nicht öffnen? „Dann werden die Leute in den Seen und Bädern ohne Aufsicht schwimmen“, so Wild. Und das sei nicht ungefährlich.

Schon jetzt, so Schwimmfunktionär Rabe, gebe es einen riesigen Nachholbedarf beim Schwimmunterricht. Der habe im Sommer 2020 so gut wie gar nicht stattgefunden. Die Situation sei deshalb so dramatisch, weil bereits ohne Corona immer weniger Kinder schwimmen lernten. „Wir werden nicht ein Volk von Nichtschwimmern, wir sind es schon“, so Rabe.

Finanzielle Situation vieler Bürgerbäder ist eng

Außerdem werde die Situation für die Bürgerbäder, die mit geringen öffentlichen Zuschüssen auskommen müssen, immer enger. „Bei uns hat das im vergangenen Sommer ja zum Glück der Förderverein aufgefangen“, sagt der ehrenamtliche Geschäftsführer des Elsebades, Dr. Hartwig Carls-Kramp. Die Zahl der Besucher und damit auch der zahlenden Gäste sank im vergangenen Sommer deutlich.

Im Elsebad hat sie sich halbiert. Und das obwohl das Elsebad mit einem Hygienekonzept über weite Teile des Sommers öffnen konnte. 1700 Gäste wären auf den weitläufigen Wiesen erlaubt gewesen. „Die Zahl haben wir nie erreicht, wir mussten 2020 keinen Badegast abweisen“, so Carls-Kramp. „Wir wollen, dass die verantwortlichen Politiker wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigen“, betont der Geschäftsführer.

Land sieht Schwimmbad als Freizeiteinrichtung

Ein ehrenamtliche Mitarbeiter eines Bürgerbades aus Heinsberg erklärte die Situation: Aktuell können viele Bäder, auch wenn die Landespolitik ihren Kurs ändert, nicht öffnen. Denn das Bundesinfektionsschutzgesetz sieht bis zu einem Inzidenzwert von 100 ohnehin die Schließung vor.

Doch bei Inzidenzen unter 100 greift die Coronaschutzverordnung des Landes wieder. Und fasst Schwimmbäder im Paragrafen 10 unter Freizeiteinrichtungen. Deren Betrieb ist momentan untersagt.

Badbesuch künftig mit Luca-App

Dennoch ist man beim Elsebad guter Hoffnung, dass man in Düsseldorf die Regelungen in Kürze ändert. Und ein bisschen bleibt auch die Hoffnung, dass der Elsetaler Sommer 2021 nicht ganz so schmucklos vonstatten geht, wie der Sommer 2020.

Dafür plant man beim Einlass mit der Luca-App zu arbeiten. Und wenn der Sommer kommt und mit ihm neue Schutzbestimmungen, dann ist hoffentlich auch das Wasser wieder auf angenehmer Badetemperatur.

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Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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Heiko Mühlbauer